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05.07.2005

Sun setzt auf die Middleware-Karte

Mit dem Kauf von Seebeyond soll der lang ersehnte Durchbruch im Integrationsmarkt gelingen.

Sun verstärkt sich im bisher erfolglosen Softwaregeschäft. Für 387 Millionen Dollar in bar will der Hersteller den Spezialisten für Anwendungs-, Daten- und Prozessintegration Seebeyond übernehmen und sein Angebot an Infrastrukturtechnik erheblich ausbauen. Lange hatte Sun versucht, mehr Gewinn aus der Java-Plattform zu schlagen und durch Zukäufe zu einem führenden Anbieter für Entwicklungs- und Integrationswerkzeuge aufzusteigen. Doch zufrieden stellende Umsätze blieben aus. Versuche wie mit der Software von Netscape, die "iPlanet"-Allianz mit AOL oder "Sun One" scheiterten allesamt. Seitdem engagierte sich Sun in Open-Source-Projekten wie der Entwicklungsumgebung "Netbeans" und versucht seit 2003, mit dem "Enterprise Java System" Java-Server und -Tools als Infrastrukturkomponenten für die Anwendungsentwicklung zu vermarkten.

Software für eine prozessbasierende Anwendungsintegration fehlte hingegen ebenso wie eine umfassende Produktstrategie zum Aufbau Service-orientierter Architekturen (SOAs), mit der mittlerweile alle relevanten Hersteller von Infrastruktursoftware um Kunden buhlen. Sun musste sich deshalb seit längerem den Vorwurf gefallen lassen, ein unzureichendes Angebot zu haben. Dies soll sich mit dem Kauf von Seebeyond nun ändern. Das Unternehmen aus Monrovia, Kalifornien, ist seit 15 Jahren im Integrationsgeschäft zu Hause und bietet mit der Suite "Integrated Composite Application Network" (Ican) ein umfangreiches Integrations-Framework. Über dieses sollen sich Geschäftsprozesse und Composite Applications ebenso entwickeln, ausführen und verwalten lassen, wie Technik für die System-, Anwendungs- und Datenintegration bereitsteht.

Neuanfang für Seebeyond

Ican wurde 2003 neu entwickelt und verfügt über einen Integrations-Server, der laut Hersteller mit der Java 2 Enterprise Edition (J2EE) konform ist, gängige Java-Applikations-Server unterstützt und für die Entwicklung Netbeans verwendet. Eine durchgängige Infrastruktur für alle Ican-Komponenten, ein einheitliches Modell für Geschäftsobjekte sowie Transformationsdienste gelten als weitere Stärken. Allerdings sind manche Kunden bisher nicht auf die neue Produktplattform umgestiegen. "Wir haben noch kein Projekt mit Ican 5.0 gemacht, da Kunden bisher den Vorläufer ,Business Integration Suite 4.5.3? einsetzen und jetzt erst wechseln wollen", schildert Hans-Dieter Gatzka, Abteilungsleiter ITS Enterprise Application Solutions beim Seebeyond-Partner Softlab in München. Das Beratungshaus betreut drei Seebeyond-Kunden in Deutschland, darunter die Hypovereinsbank. Sun sei in diesen Projekten nur als Hardwareanbieter aufgetreten.

Seebeyond, das laut eigener Auskunft rund 2000 Kunden hat, muss sich im Markt gegen Konkurrenten wie IBM, Bea Systems, Tibco oder Webmethods wehren und schrieb zuletzt rote Zahlen. So stieg zwar im letzten Quartal (Ende: 31.März) der Umsatz um acht Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres auf 37,3 Millionen Dollar. Doch blieben unter dem Strich Nettoverluste von 2,6 Millionen Dollar. Im letzten Jahr erwirtschaftete der Hersteller einen Umsatz von 164 Millionen Dollar mit einem Plus von vier Millionen Dollar - der erste Gewinn nach sechs erfolglosen Jahren. Angesichts dieser Zahlen geht es bei der Übernahme nicht um den Kauf von Marktanteilen, sondern um Technik, die Sun für den Einstieg in das SOA-Geschäft braucht.

Fuß in der Tür

Bei der Ankündigung auf der Entwicklermesse Javaone in San Francicso sagte Scott McNealy, Chief Executive Officer von Sun, dass die Ican-Suite als "Java System Integration Suite" das sechste Softwarepaket innerhalb des Enterprise Java Systems bilden werde. Man habe seit längerem nach Übernahmekandidaten gesucht, um im milliardenschweren Markt für Business-Software Fuß zu fassen. Zudem kooperieren beide Unternehmen seit Oktober 2004 bei der Produktintegration sowie im Vertrieb und haben gemeinsame Kunden. In Deutschland vor allem BMW.

Ican soll nun das Herzstück von Suns künftiger SOA-Produktstrategie bilden. Auch sieht das Management keine Integrationsprobleme sowie "nur geringe funktionale Überschneidungen" zwischen den Produktlinien. Dies kann Softlab-Manager Gatzka aus der Praxis bestätigen. Lediglich bei Portalsoftware hätten beide Hersteller ein Angebot. Bezüglich der Integrationsschichten sei die Seebeyond-Technik hingegen deutlich weiter entwickelt als die von Sun.

In ersten Reaktionen begrüßten Marktbeobachter den Deal als eine sinnvolle Entscheidung. Neil Ward-Dutton, Berater und ehemaliger Technology Analyst bei Ovum, warnte Sun jedoch davor, dieselben Fehler zu begehen wie nach den Übernahmen der Softwarefirmen Forte, Kiva und Netdynamics und die Organisation von Seebeyond zu zerschlagen. Vielmehr solle Sun dem Integrationsspezialisten Raum lassen, um auch weiterhin innovative Lösungen für den komplexen Integrationsmarkt entwickeln zu können, selbst wenn dabei Erweiterungen nötig seien, die über den Java-Standard hinausgingen. Auch sei davon abzuraten, Ican künftig nur noch unter "Solaris" zu vermarkten, da Kunden gerade in der freien Betriebssystem-Wahl einen Vorteil sähen.

Die Vorteile überwiegen

Die Gefahr, Seebeyond könne in der Sun-Organisation an Innovationskraft verlieren, sieht auch Softlab-Manager Gatzka. Für ihn überwiegen aber die Vorteile, da sich durch Sun für Seebeyond eine viel breitere Kundenbasis eröffnet. Sun versucht zudem seit einiger Zeit, Partner im EAI-Markt zu gewinnen. Die Kooperation mit Softlab werde daher auch nach der Übernahme weitergehen.