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02.08.2002 - 

E-Mail-Client soll Star-Office-Paket aufwerten

Sun setzt Microsoft mit Messaging-Initiative unter Druck

MÜNCHEN (CW) - Sun Microsystems hat angekündigt, einen eigenen E-Mail-Client herauszubringen. Außerdem will der kalifornische Server-Hersteller eine dazu passende Datenbank anbieten. Nachdem bereits Oracle Mitte Juli eine ähnliche Initiative und auch IBM eine neue Notes-Version in Aussicht gestellt hat, erhöht sich der Druck auf den Marktführer Microsoft.

Sun wolle sich als End-to-End-Player präsentieren, doch ohne entsprechenden Mail-Client auf dem Desktop genüge man diesem Anspruch nicht, räumte Tony Siress, Senior Director Marketing für Suns Desktop-Produkte, in einem Gespräch mit dem britischen Nachrichtendienst "Computerwire" ein. Seiner Einschätzung nach suchen Anwender wegen der geänderten Lizenzpolitk Microsofts verstärkt nach Alternativen zu dessen Messaging-Software "Outlook" und "Exchange". Bislang verfüge Sun in diesem Segment lediglich über Server-Produkte wie den "Sun One Messaging/Calendar-Server" aus dem früheren Iplanet-Portfolio.

Strategie noch unklar

Noch ist unklar, wie Sun dem Konkurrenten aus Redmond in Sachen Messaging Paroli bieten will. Zwar arbeitet der Server-Spezialist aus Palo Alto seit geraumer Zeit mit verschiedenen Unternehmen aus der Open-Source-Szene zusammen. Ob die jetzt in Aussicht gestellten Lösungen über Akquisitionen oder Partnerschaften realisiert werden sollen, ist noch offen. Im Gespräch sind das schwedische Unternehmen My SQL AG sowie Ximian Inc. aus Boston. Der Messaging-Client "Evolution" der US-amerikanischen Firma lässt sich an Microsofts SQL Server und IBMs Lotus-Domino-Umgebungen anbinden.

Experten gehen davon aus, dass ein Sun-Mail-Client in das Büropaket "Star Office" integriert wird. Wenn sich die Mail-Lösung zusätzlich an den Exchange Server von Microsoft koppeln ließe, würde dies außerdem die Position der eigenen Bürolösung gegenüber Microsofts Office-Paket stärken, so die Einschätzung der Sun-Strategen. Bislang sei die im Mai dieses Jahres vorgestellte, überarbeitete Version 6.0 über 70000-mal aus dem Netz heruntergeladen worden, sagt Sun-Manager Siress.

Neben der Kombination mit einem Mail-Client wollen die Sun-Verantwortlichen ihr Office-Paket offenbar über eine Allianz mit Apple weiter verbreiten. Laut US-amerikanischen Presseberichten soll Anfang nächsten Jahres eine Version für das Betriebssystem Mac OS X auf den Markt kommen. Bislang sind Mac-Anwender auf Microsofts "Office v. X" angewiesen. Laut Siress ist Sun bereit, den Code offen zu legen und das Programm zusammen mit Apple weiterzuentwicklen.

Die Ankündigung, im Messaging- und Office-Bereich den Druck auf Microsoft zu erhöhen, bedeute auch einen Strategiewandel bei Sun. Habe man früher das Softwaregeschäft im Vergleich zum Hardware-Business eher stiefmütterlich behandelt, sollen in Zukunft entsprechende Initiativen stärker forciert werden, versichert der Sun-Manager. Dazu trügen auch die jüngsten Veränderungen in der Konzernführung bei. So existiere seit kurzem eine eigene Software Group unter der Leitung des ehemaligen Chief Strategy Officer Jonathan Schwartz.

Mit Sun nimmt nach Oracle ein zweites IT-Schwergewicht den Konkurrenten Microsoft stärker ins Visier. Oracle-Chef Larry Ellison hat Mitte Juli angekündigt, mit der "Oracle Collaboration Suite" Microsofts Exchange Konkurrenz zu machen. Die auf der eigenen Datenbank 9i basierende Lösung bietet Funktionen wie E-Mail, Konferenz-Features sowie Möglichkeiten zur Workflow-Steuerung. Während Sun einen eigenen Mail-Client etablieren will, setzt Oracle auf Microsofts Outlook. Abgesehen davon, dass die Oracle-Suite schneller und die Virengefahr geringer sei, würden die Anwender den Wechsel gar nicht bemerken, tönte Ellison.

Analysten räumen den Initiativen der Microsoft-Konkurrenten durchaus Chancen ein. Nach Einschätzung von James Governor von Illuminata seien viele Anwender angesichts der restriktiven Lizenzpolitik von Seiten des Gates-Konzerns offener für Alternativlösungen. Allerdings bleibe abzuwarten, wie schnell Oracle und Sun ihre Produkte zur Marktreife brächten. So spiele die Ellison-Company das Desktop-Produktivity-Spiel jedes Jahr, nach dem Motto: "Wenn es jetzt nicht klappt, probieren wir es einfach ein Jahr später wieder."

Neue Produkte auch von IBM

Während auch IBM mit weiteren Produktvarianten in den Markt drängt und für dieses Jahr die neue Version 6 von Lotus Notes angekündigt hat, lassen sich die Redmonder mit ihrer Antwort Zeit. So soll der neue Messaging- und Groupware-Server, der zurzeit unter dem Codenamen "Titanium" entwickelt wird, erst Mitte nächsten Jahres auf den Markt kommen. Zwar werde die neue Variante laut Microsofts Projekt-Manager Jim Bernardo verbesserte Sicherheitsfunktionen und eine leichtere Anbindung mobiler Endgeräte bieten. Eine wirklich neue Messaging-Generation wird jedoch erst mit dem für 2005 anvisierten "Kodiak"-Projekt erwartet. Der auf dem .NET-Framework basierende Collaboration-Server soll dann zusammen mit dem Nachfolger des SQL-Datenbank-Servers - Codename "Yukon" - präsentiert werden. Damit werde laut den Versprechungen der Microsoft-Manager eine universelle plattformunabhängige Datenbank auf XML-Basis zur Verfügung stehen. (ba)