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06.06.2006

Sun streicht Belegschaft zusammen

Mit Tausenden Stellenstreichungen und einer "Simplifizierung" der Serverentwicklung versucht Sun-Chef Jonathan Schwartz das angeschlagene Unternehmen zu sanieren. Doch diesen Kurs begleitet eine Menge ungelöster Fragen.

Von Wolfgang Leierseder

Die Ankündigung überraschte kaum: Der seit 2002 rote Zahlen schreibende Unix-, Server- und Java-Spezialist Sun wird in den nächsten sechs Monaten bis zu 5.000 der zurzeit rund 37.500 Mitarbeiter entlassen. Das hat das Managementteam um CEO Jonathan Schwartz beschlossen.

Mit den von der Wall Street seit längerem geforderten Entlassungen könnten laut dem in Santa Clara, Kalifornien, ansässigen Unternehmen zwischen 480 und 590 Millionen Dollar jährlich eingespart werden. Die Kosten für die Restrukturierung veranschlagt Sun auf 340 bis 500 Millionen Dollar im Verlauf der nächsten Quartale. Zudem wird Sun auch Firmengebäude aufgeben, so zum Beispiel die Sun gehörenden Einrichtungen in Newark und gemietete Gebäude in Sunnyvale. Die Zentrale werde in den beiden Hauptstandorten (Menlo Park und Sunnyvale) in der kalifornischen Bay Area konzentriert werden.

So weit konnten die Analysten Schwartz noch zustimmend folgen. Doch als er in der Telefonkonferenz erklärte, Sun werde "nicht zum Hauptgeschäft gehörende" Forschungs- und Entwicklungsarbeiten beenden, horchten sie auf. Zumal sich Schwartz ausgesprochen bedeckt zeigte, als es darum ging, was er damit meinte.

Stattdessen versichert der CEO, der Sun-Gründer und -Chef Scott McNealy vergangenen Monat abgelöst hat, sein Managementteam habe hart daran gearbeitet, die gesamte Produktlinie von Sun neu und einfacher zu definieren. Sun werde sie mit den Schwerpunkten Automatisierung, Energieeffizienz und Netzwerkinnovation positionieren.

Infolgedessen, so Schwartz? Prognose für das kommende Fiskaljahr 2007 (Ende: 30. Juni 2007), rechne man bei Sun mit einer Umsatzsteigerung im maximal mittleren einstelligen Prozentbereich. Damit werde Sun das von Analysten erwartete Ergebnis von 13,8 Milliarden Dollar übertreffen. Für das Fiskaljahr 2006 erwartet das Unternehmen einen Umsatz von 12,8 Milliarden Dollar.

Im Detail nannte Schwartz jedoch in seinem Blog neben Java die Ultrasparc-Server "Niagara", die Speicherplattform "Titanium" und ein noch unter dem Code-Namen "Thumper" firmierendes, von Solaris angetriebenes NAS-Serversystem, das 24 Terabyte Speicherplatz bieten soll.

Doch genau hier haken Analysten ein: Welche Auswirkungen wird die Ankündigung auf die Serverlinien "Niagara" (Ultraparc) und "Galaxy" (Opteron) haben? Beim Betrachten der beiden Serverlinien fällt auf, dass heute bereits außer den selbstverständlich verschiedenen Motherboards alle mechanischen Teile - etwa Lüfter oder Netzteile - identisch sind. Was passiert mit älteren Speichersystemen (Storagetek-Zukäufe versus Suns eigene Speichersysteme)? Müssen Kunden um ihre Investitionen besorgt sein?

Skeptische Analysten

"Es gab nur sehr wenige Informationen, die uns eine gründliche Analyse der Auswirkungen auf Suns Produkte erlauben würden", erklärte Gartner-Analyst Paul McGuckin. Er empfiehlt Sun-Kunden, die auf bestimmte Produkte angewiesen sind, sie sollten sich deren Weiterentwicklung schriftlich garantieren lassen.

Susan Aldrich, Analystin bei der Patricia Seybold Group in Boston, bezweifelte, dass ein Personalabbau von 4.000 bis 5.000 Stellen für die Kunden keine Veränderungen bringe. "Kunden müssen mit einer Konsolidierung der Vertriebsmannschaft rechnen", war ihr Kommentar. "Für sie wird es zunehmend schwieriger, einen Spezialisten für ein bestimmtes Produkt zu finden."

Doch all das scheint man bei Sun noch nicht zu wissen. Genauso wenig, wie Donatus Schmidt, Marketing-Chef bei Sun Deutschland, gegenüber ComputerPartner erklärte, welche konkreten Auswirkungen der Stellenabbau auf Deutschland haben wird. "Er wird erst im Lauf der nächsten Wochen auf die Länder heruntergebrochen." Das Gleiche gelte für die Produkte: "Es ist noch nicht präzisiert, was in den Produktlinien Server, Storage und Software konsolidiert wird", sagte Schmidt.

Mit den gerade beschlossenen Stellenstreichungen hat Sun seit 2001 rund 18.000 Jobs abgebaut. Parallel dazu fielen seit 2001 die Umsätze des Unternehmens um mehr als 39 Prozent, während die operativen Kosten lediglich um 26,5 sanken, rechnen Analysten vor. Das Unternehmen schreibt seit 2002 rote Zahlen, im dritten Quartal (Ende: 26. März) des laufenden Fiskaljahres waren es 217 Millionen Dollar.