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01.03.2002 - 

Gebeutelt von Nachfrageschwäche und Preisdruck

Sun sucht einen Ausweg aus der Krise

MÜNCHEN (ba) - Eine tiefrote Bilanz im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres sowie schrumpfende Marktanteile verheißen nichts Gutes für Sun. Trotzdem will der Server-Spezialist seinen Produktfokus beibehalten und von weiteren Restrukturierungen nichts wissen. Ob es gelingt, mit der jüngst angekündigten Storage- und Linux-Initiative die Ausfälle im Server-Geschäft auszugleichen, bleibt abzuwarten.

"Es gibt keinen Grund, unsere Prognosen zu ändern. Wir werden ab Mitte dieses Jahres wieder profitabel arbeiten", erklärte Sun-Chef Scott McNealy anlässlich einer Analystentagung Anfang Februar. Sein Unternehmen habe trotz dem Platzen der Dotcom-Blase Profit aus dem Hype schlagen können. So sei es gelungen, den Markennamen Sun stärker in den Vordergrund zu rücken. Außerdem habe man in den fetten Jahren Reserven in Höhe von etwa sechs Milliarden Dollar anhäufen können. Damit könne Sun auch eine mehrjährige Konjunkturschwäche durchstehen.

Die jüngsten Zahlen der Marktforscher zum Server-Markt verheißen jedenfalls nichts Gutes. So konnten die Hersteller laut den Marktforschern von Gartner im letzten Jahr weltweit insgesamt 4,4 Millionen Rechner absetzen. Das bedeutet einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr um 1,8 Prozent - die niedrigste Steigerungsrate seit 1996. Auf der Umsatzseite sieht es noch schlechter aus. Die Einnahmen gingen um 15 Prozent von 55,6 Milliarden Dollar im Jahr 2000 auf 47 Milliarden Dollar im letzten Jahr zurück.

Unix-Markt bricht einArg gebeutelt wurde vor allem das Unix-Segment. Hier mussten sich die Hersteller im letzten Jahr weltweit mit knapp 19 Prozent weniger Umsatz begnügen als noch im vorangegangenen Jahr. Die Einnahmen schrumpften von 25,3 Milliarden auf 20,6 Milliarden Dollar. Sun konnte in diesem Segment zwar die Spitzenposition behalten, musste aber mit Einnahmen von 7,3 Milliarden Dollar einen Rückgang seiner Marktanteile um 3,1 Prozent auf insgesamt 35,2 Prozent hinnehmen.

Helmut Wilke, Deutschland-Geschäftsführer von Sun, zeigt sich von dieser Entwicklung jedoch wenig beeindruckt. Angesichts der Steigerungsraten von 45 oder 65 Prozent, wie sie beispielsweise vor etwa eineinhalb Jahren erreicht wurden, wirke sich der momentane Rückgang in den Zahlen umso drastischer aus. Deshalb zähle im Augenblick nur der unmittelbare Quartalsbereich. Hier sieht Wilke erste positive Zeichen. So habe Sun im Vergleich vom dritten zum vierten Quartal des letzten Jahres nach Stückzahlen um drei und nach Umsatz um vier Prozent zulegen können.

Auch Server-Expertin Karen Benson von Gartner sieht die Talsohle im Server-Geschäft durchschritten. So hätten im vierten Quartal 2001 die Verkäufe wieder angezogen. Dieser Trend werde sich im laufenden Jahr fortsetzen. Schnelle Umsatzzuwächse seien 2002 allerdings noch nicht zu realisieren, vermutet Benson. Die Preise und Margen ständen nach wie vor unter Druck.

Ein weiteres Problem, mit dem sich die Vertriebsabteilung von Sun nach wie vor konfrontiert sieht, ist der hohe Anteil von Gebrauchtrechnern im Markt. So finden Anwender auf den US-amerikanischen Seiten des Internet-Auktionshauses Ebay fast jedes Sun-Server-Modell. Die Preise liegen durchweg um mehr als 50 Prozent unter den offiziellen Listenpreisen. Dieses Problem wird sich angesichts der 1,2 Millionen Firmenpleiten letztes Jahr in den USA kurzfristig kaum lösen lassen. Auch Wilke muss einräumen, dass noch eine ganze Menge solcher Geräte im Markt sind.

Branchenkenner zeigen sich angesichts des abflauenden Server-Marktes nicht überrascht. Es sei zu erwarten gewesen, dass das Geschäft zurückgeht, erklärt Eddie Bleasdale, Managing-Director des Beratungsunternehmens Netproject. Die Anwender prüften ihre Bedürfnisse genauer und warteten ab, in welche Richtung sich der Markt bewegt. Vor allem die Frage, ob man auf Microsoft-Produkte oder das Open-Source-System Linux setzen sollte, bewege die IT-Manager.

In diesem Segment will auch Sun mit seiner jüngst eingeschlagenen Linux-Strategie künftig mitmischen. Angesichts des Kostendrucks ständen viele Kunden vor der Versuchung, günstige Lowend-Server auf Wintel-Basis anzuschaffen, analysiert Wilke. Dies erscheine den Anwendern auf den ersten Blick als kostengünstige Alternative, obwohl diese Lösung wegen des erhöhten Administrationsaufwands langfristig oft teurer sei.

Allerdings bekommt auch Sun im Lowend-Segment des Unix-Marktes diesen Preisdruck deutlich zu spüren. Das Bedürfnis nach günstigen Servern soll hier das Modell "V880" befriedigen. Sun habe sich in der Vergangenheit zu oft als Engineering-Company verstanden, die nur auf Qualität geachtet habe, gibt der deutsche Sun-Chef zu. Im Lowend-Segment stehe allerdings der Preis im Vordergrund. Man müsse alle Möglichkeiten bei der Marge oder in der Fertigung ausschöpfen, um diese Maschinen möglichst günstig anzubieten.

Unterhalb des Lowend-Unix-Segments sieht Wilke einen Marktbereich, in dem Solaris überdimensioniert wäre. Hier will Sun künftig seine mit AMD-Prozessoren ausgestatteten Server der "Cobalt"-Reihe unter Linux anbieten. Diese Rechner sollen vorkonfiguriert für dedizierte Aufgaben wie Firewalls oder Mail-Server angeboten werden. Diskussionen um Chip oder Betriebssystem seien hier nicht angebracht. Bei diesen Maschinen müsse nur eines stimmen - und zwar der Preis.

Ein weiterer Hoffnungsträger für die Zukunft soll der Storage-Bereich sein. Hier setzt Wilke auf die Weiterentwicklung der Sun-eigenen modularen Speichersysteme vom Typ "T3". Das Highend-Segment wollen die Kalifornier auch zukünftig mit den Systemen des Partners Hitachi Data Systems (HDS) bedienen.

Grundsätzlich werde Sun eine Produkt-Company bleiben, erklärt Wilke. Es sei nicht der richtige Weg, künftig stärker auf Services zu setzen. Das werde weiter über Partner laufen. Sun arbeite mit Beratern und Dienstleistern gut zusammen. Diese würden versuchen, Sun-Equipment zu verkaufen, weil sie genau wüssten, wenn sie IBM-Erzeugnisse zu den Kunden brächten, niste sich dort als nächstes IBM Global Services ein, und sie selbst seien draußen. "Wenn IBM irgendwo hinkommt, dann nur, um nie wieder zu gehen." Das wollten jedoch die wenigsten Anwender, sagt der Sun-Manager.

Ob der Produktfokus Sun das Comeback ermöglicht, bleibt abzuwarten. In der Vergangenheit hätten die Kalifornier oft gute technologische Ideen gehabt, sich mit diesen aber nicht im Markt durchsetzen können, kritisiert Ashok Kumar, Analyst von Piper Jaffray. Bestes Beispiel seien Application-Server. Nachdem Sun in der Anfangsphase 1998 dieses Geschäftsfeld eindeutig dominiert habe, liegen heute Unternehmen wie IBM und Bea mit einem gemeinsamen Marktanteil von 35 Prozent in Front.

Viele Analysten glauben nicht an eine schnelle Wende beim kalifornischen Server-Hersteller. Angesichts der mageren Margen, die zuletzt geringer als erwartet ausfielen, hat beispielsweise Laura Conigliaro, Analystin von Goldman Sachs, ihre Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr deutlich herabgesetzt. Statt einem Gewinn von 16 Cent pro Aktie sei nurmehr ein Plus von zehn Cent je Anteilschein zu erwarten.

Andere Analysten beurteilen die Situation Suns positiver. So hätten die Kalifornier im letzten Jahr ihr Produktportfolio durch neue Entwicklungen aufgewertet, lobt David Bailey von Gerard Klauer Mattison & Co. Auch Naveen Bobba von Bear, Stearns & Co. rechnet mit einem Comeback in der zweiten Jahreshälfte.

Die laufenden Kosten sind nach Einschätzung von Mark Specker, Analyst von der Soundview Technology Group, die Achillesferse von Sun. Der Server-Spezialist müsse 45 Prozent seiner Einnahmen für die Bereiche Sales General & Administration (SG&A) und Research & Development (R&D) aufwenden. Vor 18 Monaten lag die Rate noch bei 33 Prozent. Bei Wettbewerbern wie Hewlett-Packard sind es 20 Prozent. Sun müsse den Markt mit verbesserten Kostenstrukturen überzeugen, fordert Specker.

Sun will Mitarbeiter haltenWilke verteidigt dagegen die Strategie. Sun hätte bereits im letzten Quartal schwarze Zahlen schreiben können, wenn das Unternehmen, wie von vielen Analysten gefordert, mehr Mitarbeiter entlassen hätte. Kurzfristig wäre das vielleicht richtig gewesen, langfristig müsste Sun neue Leute suchen, wenn das Geschäft wieder anziehe. Auch die Entwicklungsaufwendungen, die zwölf Prozent des Umsatzes ausmachen, seien angesichts der eigenen Chipentwicklung notwendig.

Für das laufende Quartal rechnet der Sun-Manager noch mit roten Zahlen. Erst im vierten Quartal werde die Bilanz wieder positiv ausfallen. "Aber es wird sicher knapp." Das macht offenbar auch die Führungsspitze von Sun zunehmend nervös. Denn während McNealy wie gewohnt herumpoltert und die Konkurrenz von Microsoft mit Häme überschüttet - die .NET-Strategie müsse eigentlich .NOT-Strategie heißen - geben sich andere Topmanager diplomatischer. Es sei gefährlich, sich nur als Company zu profilieren, die gegen etwas ist, warnt Sun-President Ed Zander.

Abb: Umsatz- und Gewinnentwicklung bei Sun

Von den goldenen Zeiten Ende 2000 ist Sun weit entfernt. Doch der Server-Spezialist sieht einen Silberstreif am Horizont. Im vierten Quartal wollen die Verantwortlichen wieder schwarze Zahlen schreiben. Quelle: Soundview Technology Group