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23.08.2002 - 

Streit um Linux Standard Base

Sun und IBM nutzen Linuxworld für Kampagnen

MÜNCHEN (CW) - Mit aggressiven Parolen sind Sun und IBM auf der Linuxworld in San Francisco gegeneinander angetreten. Während das Duell viel Aufmerksamkeit erregte, ging es im Hintergrund vor allem um die Linux-Standardisierung.

"Wir waren die Ersten und sind nach wie vor die Besten" - alles andere als bescheiden trat IBMs Vice President Douglas Elix auf. IBM sei der erste kommerzielle Anbieter von Produkten rund um Linux gewesen, betonte er. Der für seine markigen Sprüche bekannte Sun-Chef Scott McNealy nutzte den Medienrummel zum Gegenangriff. So attackierte er IBM, aber auch Red Hat wegen ihrer angeblich zögerlichen Haltung in Sachen Linux Standard Base (LSB), die die fragmentierte Linux-Welt vereinheitlichen soll. "Wir müssen die Welt zur LSB-Unterstützung zwingen, nicht zur Red-Hat- oder IBM-Konformität."

Dem hielt Red-Hat-CTO Michael Tiemann entgegen: "Die anzüglichen Bemerkungen sind völlig überflüssig. Wir haben den Standardisierungsprozess voll unterstützt, 80 Prozent der LSB wurden von Red Hat beigesteuert." Interessant ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass Sun auf der Linuxworld eine eigene Variante des Open-Source-Systems vorstellte, die allerdings weitgehend auf der Red-Hat-Distribution basiert.

Eine weitere Spitze gegen IBM kam von Suns neuem Softwarechef Jonathan Schwartz. Seiner Ansicht nach liegt die Zukunft von Linux auf dem Desktop und nicht auf dem Highend-Sever. "Wenn einer unserer Konkurrenten Linux auf dem Mainframe verkaufen will, überlassen wir ihm diesen Markt gerne."

Die kämpferische Stimmung fand ihren Niederschlag auch in den neuen Serviceprogrammen der Kontrahenten. IBM stellt auf der Linuxworld ein Migrationsprogramm von Solaris auf IBMs "E-Server" mit Linux vor, das in einer Mitteilung als "Drei-Fronten-Angriff gegen Sun" bezeichnet wurde. Ein "Swat-Team" aus Migrationsexperten soll dabei bestehende Sun-Solaris-Infrastrukturen analysieren und einen stufenweisen Migrationsplan auf Linux-Server entwickeln. IBM verspricht Firmen, die auf Host-basierende Linux-Systeme umsteigen, drastische Kosteneinsparungen.

Sun war darauf offenbar vorbereitet und hat seinerseits ein Migrationsprogramm aufgelegt, dessen Name "Blue Away" eine eindeutige Anspielung auf Big Blue ist. Kernstück von Suns Linux-Engagement ist der neu vorgestellte Intel-basierende Rack-Server "LX50". Der Hersteller bietet den Zwei-Wege-Server wahlweise mit seiner eigenen neu vorgestellten Linux-Distribution, aber auch mit Solaris 8 für x86 sowie einer Reihe von Softwarepaketen wie einem Application-Server und der "Sun-One"-Pakete an. Viele Branchenkenner waren überrascht: Einerseits handelt es sich um ein Produkt aus der Cobalt-Reihe, womit sich der Neuigkeitswert des Intel-Linux-Engagements relativiert(seit der Cobalt-Übernahme ist Sun de facto ein Linux-Anbieter). Andererseits setzt die McNealy-Company damit ihr Intel-Solaris-Engagement fort, obwohl dies offiziell bereits vor Monaten für beendet erklärt wurde.

IBM, ebenfalls mit neuen Linux-Servern im Portfolio, hatte jedenfalls nur Spott übrig: "Ich glaube, dass Sun diese Linux-Initiative nur als defensive Maßnahme ankündigt, weil sie Marktanteile verlieren", so Big Blues Vice President Linux, Rich Michos. Neben dem Migrationsprogramm hat IBM auf der Linuxworld die E-Server-Rack-Systeme "x335" und "x345" vorgestellt, die auf Intels Xeon-CPUs basieren, sowie den "E-Server 1350 Integrated Cluster" für Linux.

Oracles PC-Mainframe

Ausnahmsweise reihte sich Oracle-Chef Larry Ellison auf der Linuxworld nicht in das Konzert der Streithähne ein und gab in seiner Keynote-Rede einige sachliche Stellungnahmen zu Oracles Linux-Strategie ab. "Wir unterstützen Linux, weil es billiger, schneller und zuverlässiger ist als jede andere Umgebung", so Ellison. Der Hersteller gab zudem seine Open-Source-Premiere bekannt: Der Quellcode für das neue Clustered File System für "Oracle 9i Real Application Cluster" wird im Web bereitgestellt. Diese Software ermöglicht das Management von Daten in Server-Clustern. "Wir ermöglichen Ihnen den Aufbau eines Linux-Mainframe aus einem Cluster kleiner Linux-PCs", verkündete der Oracle-Chef seinen Zuhörern. Nach seinen Berechnungen soll ein 32-Prozessor-Cluster aus Intel-PCs mit 350000 Dollar zu Buche schlagen, während ein IBM-Mainframe bei gleicher Leistung 14,8 Millionen koste.

Auch Linux-Ikone Linus Torvalds meldete sich in San Francisco zu Wort. Der derzeit bei Transmeta unter Vertrag stehende Linux-Erfinder hält die in Open-Source-Kreisen oftmals kritisierte Kommerzialisierung von Linux für eine gute Sache. "Es hilft, Linux einer breiten Menge an Nutzern zugänglich zu machen. Die Plattform sollte aber auch weiterhin als Basis für technische Innovation dienen", so Torvalds.

Erstmals zeigte auch Microsoft auf der Linuxworld Flagge. Die Redmonder beschränkten sich allerdings auf die Präsentation des Shared Source Licensing Program sowie die "Services for Unix 3.0". Ein Microsoft-Sprecher zeigte sich überrascht über den Wandel der Linuxworld - war sie einst eine Veranstaltung der Open-Source-Community, so sei sie nun mehr und mehr eine Business-Messe. (wm)