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04.10.2002 - 

Umfangreiches Paket an Server-Anwendungen

Sun will aus Java endlich Kapital schlagen

SAN FRANCISCO (ws) - Sun Microsystems will die von Netscape zugekaufte Server-Software zu einem umfassenden Middleware-Portfolio ausbauen. Das Unternehmen steuert damit einen ähnlichen Kurs wie die Konkurrenten Microsoft, IBM und Oracle. Kombinierte Angebote aus Hard- und Software sollen die erwünschten Marktanteile sichern.

Auf der Sun Network in San Francisco, der ersten Anwenderkonferenz von Sun seit zehn Jahren, zeigte sich die Unix-Company nach mehreren Rückschlägen nun entschlossen, ihr Software-Business zu einem zweiten Standbein auszubauen. Dies äußerte sich besonders in der Darlegung eines Fahrplans für die Entwicklung und Vermarktung eines umfangreichen Middleware-Portfolios (http://www.sun.com/sunone). Suns Produkte in dieser Kategorie gehen überwiegend auf Netscapes "Suitespot"-Server zurück. Zwischenzeitlich unterstanden sie der "Iplanet"-Allianz zwischen Sun und AOL, die vor einem halben Jahr endete.

Integrierte Plattform aus Hard- und Software

Die nunmehr alleinige Verantwortung für die Server-Software gibt dem kalifornischen Hersteller die nötige Bewegungsfreiheit bei der Umsetzung einer eigenen Strategie. Insbesondere kann das Unternehmen die auf "Sun ONE" umgetauften Programme künftig besser auf andere Produkte aus dem eigenen Haus abstimmen. Organisatorisch fand dieses Vorhaben seinen Ausdruck in der Zusammenlegung der Solaris-, Java- und Iplanet-Gruppen zu einer Softwareabteilung.

Aus Sicht des Marktes schlägt sich der neue Kurs darin nieder, dass Sun nun als Anbieter integrierter Hard- und Softwarelösungen auftreten will. CEO Scott McNealy kündigte an, sein Unternehmen werde die gesamte Middleware als ein integriertes Paket für alle gängigen Anwendungsdienste vertreiben. Mit dem Schlagwort des "Webtone Switch" bemühte er die Analogie mit Telefonnetzen, in denen eine konfektionierte Ausrüstung alle standardkonformen Services erbringen kann. Für die Sun-ONE-Server zeichnet sich eine enge Verzahnung mit dem Betriebssystem Solaris ab, das in der Version 9 mehrere dieser Produkte zumindest in Basisausführungen enthalten soll. Dazu zählen vorerst der "Application Server", der "Directory Server" sowie der "Messaging Server". Als nächsten Kandidaten für ein solches Bundling nannte der Sun-Chef den "Calendar Server".

Komponenten angeblich austauschbar

Anders als der Vergleich mit einem intern fest verdrahteten Telefon-Switch vermuten lässt, möchte Sun mit seinem Softwarestapel Offenheit demonstrieren. Demnach sollen sich einzelne Produkte aufgrund ihrer Standardkonformität durch solche der Konkurrenz ersetzen lassen. Als Beispiel nannte McNealy in seiner Keynote, dass anstelle des hauseigenen Web-Servers auch jener von Apache genutzt werden könne. Gerade dieses Beispiel demonstriert aber, dass die Integration fremder Software in die Sun-ONE-Infrastruktur mit erheblichem Aufwand verbunden sein kann. Wenn im Fall des freien HTTP-Servers eine separate Benutzerverwaltung vermieden werden soll, dann muss über ein entsprechendes Apache-Modul eine Verbindung zum LDAP-konformen Verzeichnis-Server hergestellt werden. Noch komplizierter gestaltet sich die Situation, wenn der Sun-ONE-Applikations-Server zum Einsatz kommt. Dieser verfügt über eine eigene HTTP-Implementierung, die durch den Apache-Server ersetzt werden müsste.

Open Source erweitert systemnahe Software

Im Unix- und Java-Lager zeichnet sich nicht nur bei Sun, sondern bei allen großen Infrastrukturanbietern ein Trend zu einem umfassenden Paket systemnaher Software ab. Getrieben werden sie dabei nicht nur von Microsoft mit seinem wuchtigen Backoffice-Portfolio, sondern auch von Open Source. Quelloffene Software entwertet diesen Geschäftsbereich zunehmend, mit Betriebssystemen, Datenbanken oder Mail-Servern alleine lässt sich kaum noch Geld verdienen. Dadurch stehen kommerzielle Anbieter unter dem Druck, ihre Plattformen ständig auszudehnen und Mehrwert in Form von komplexen Integrationsleistungen zwischen ihren Produkten zu erbringen. So verwendet etwa Oracle die populäre Datenbank, die mittlerweile fast den Funktionsumfang eines eigenen Betriebssystems angenommen hat, als Sprungbrett in den Markt für Applikations-Server und Messaging. Sun hingegen möchte seine starke Unix-Position nutzen, um seine umfangreiche Middleware zu verkaufen.

Daher kommt es einer Selffulfilling Prophecy gleich, wenn McNealy in Abrede stellt, dass ein eigenständiger Markt für Applikations-Server existiere. Namentlich gerichtet war diese Einschätzung an die Marktführer IBM und Bea, die ihr Middleware-Geschäft nach unten nicht auf ein eigenes erfolgreiches Betriebssystem stützen können. Bea versucht dieses Manko etwa durch eine Kooperation mit Hewlett-Packard zu kompensieren, dessen Ambitionen auf Basis des "Netaction"-Server gescheitert sind. Die IBM setzt nach ihrer verfehlten Betriebssystem-Strategie der letzten zehn Jahre wie Bea und Oracle auf Linux, um eine herstellerunabhängige Laufzeitumgebung für ihre Server-Software zu fördern. Beim freien Unix-Clone können die Anbieter sicher sein, dass sein Funktionsumfang nicht aufgrund bestimmter Marktzwänge immer weiter nach oben in den Anwendungsbereich wächst.

Aus der Sicht von Suns Geschäftsmodell besteht kein großer Unterschied darin, ob das Unternehmen seine Systeme mit Linux oder Solaris verkauft: Auch wenn die Sun-ONE-Produkte separat erworben werden können, so dürfte die Unix-Company ihre Middleware primär über Komplettsysteme in den Markt hebeln. Dabei stellt sie für Solaris ohnehin keine Gebühren in Rechnung, so dass sich für die mitgelieferte Software unter Linux die gleichen Lizenzoptionen ergeben.

Auch wenn die konkurrierenden Hersteller von infrastrukturnaher Software in ihrem Bestreben nach einer funktionsreichen integrierten Plattform übereinstimmen, unterscheiden sich ihre Ausgangspositionen doch erheblich. So versucht die IBM, unter den Marken "Websphere" und "Lotus" Produkte zusammenzufassen, die aus historischen Gründen eigene, proprietäre Programmiermodelle aufweisen (etwa "Lotus Domino", "Cics Transaction Server" oder "MQ Series"). Trotz Ergänzung um Java-Interfaces sind sie bisher nicht eng aufeinander abgestimmt. Die "Bea Weblogic Platform" versteht sich primär als "Application Infrastructure" mit Schwerpunkt auf transaktionsorientierter Software. Suns Konzept des "Webtone Switch" erhebt indes einen weitergehenden Anspruch und bezieht unter anderem auch Dienste für Collaboration oder Authentifizierung ein.

Übergreifende Benutzerverwaltung

Gerade die Benutzerverwaltung übernimmt bei der Integration des Middleware-Portfolios eine übergreifende Funktion und verklammert dieses mit dem Betriebssystem. Spätestens seit Novell und Microsoft ihren Verzeichnisdienste mit "Netware" beziehungsweise "Windows 2000" ausliefern, gelten diese als üblicher Bestandteil eines Betriebssystems. Auch der Directory Server von Sun ONE kommt in einem Paket mit Solaris 9. Für die Benutzeradministration auf Unix-Ebene können aus Gründen der Abwärtskompatibilität weiterhin "NIS", "NIS+" oder sogar eine Passwortdatei (passwd) verwendet werden. Sobald jedoch Sun-ONE-Server zum Einsatz gelangen, bietet der Directory Server den Vorteil einer einheitlichen User-Verwaltung für Betriebssystem und Middleware. Während Microsoft die Benutzerauthentifizierung, Richtlinien und Profile sowie das Management von Zertifikaten im Active Directory zusammenfasst, bietet Sun dafür getrennte Produkte an. Neben dem Directory Server, der die Benutzeranmeldung übernimmt, kümmert sich der "Identity Server" um die User-Profile. Dem Certificate Server kommt die Aufgabe als Public Key Infrastructure (PKI) zu.

Allein die Nutzung gemeinsamer Dienste zur Authentifizierung und Verwaltung von Benutzerprofilen verspricht schon erhebliche Vorteile bei der Administration des Gesamtsystems. Gleichzeitig schränken sie den Einsatz fremder Produkte ein. Zwar kommt mit LDAP ein Standardprotokoll für die Benutzeranmeldung zum Einsatz, die einzelnen Server-Anwendungen erwarten aber ein bestimmtes Datenbankschema des Directorys. So speichern besonders Messaging-Systeme eine Vielzahl zusätzlicher Informationen im Verzeichnis und erfordern daher eine weitgehende Änderung des Schemas.

Identity Server unterstützt Liberty

Wie eng eine solche Verzahnung ausfällt, lässt sich etwa daran ermessen, dass Exchange 2000 wegen der Neuerungen im Active Directory nicht unter dem "Windows .NET Server 2003" installiert werden kann. Der Sun-ONE-Messaging-Server modifiziert bei seiner Installation das Schema des Verzeichnisdienstes nach seinen Bedürfnissen und bringt zudem den benötigten Identity Server mit. Er dient dann beispielsweise zur Speicherung von Filterregeln. Zusätzlich will Sun mit der bevorstehenden Version 6.0 die "Liberty"-Initiative unterstützen und die dort erarbeiteten Spezifikationen für föderierte Identitäten implementieren.

Sun verfolgt beim Messaging einen ähnlichen Ansatz wie Oracle. Auch der Datenbankhersteller unternimmt erst seit kurzem einen neuen Anlauf mit "Oracle Mail". Den scheinbar bereits zwischen IBM und Microsoft aufgeteilten Markt wollen die kalifornischen Anbieter durch ein stärker zentralistisches Modell erobern. Sie setzen darauf, dass größere Unternehmen ihre zahlreichen PC-Server für Exchange oder Lotus Notes konsolidieren, indem sie diese durch wenige große Unix-Maschinen ersetzen.

Sun peilte mit seinem Mail-System bisher vor allem Internet Service Provider (ISPs) und Telcos an. Aufgrund der Krise in diesen Branchen richtet sich die Unix-Company nun stärker auf die unternehmensinterne Nutzung aus. Freilich werden dort neben standardbasierender E-Mail eine Reihe weiterer Anforderungen gestellt. Dazu zählt im Rahmen von Unified Messaging etwa die Anbindung von Fax und Voice-Mail. Sun bietet entsprechende Gateways derzeit nicht selbst an, sondern baut dafür auf Partner wie Magnet Point (http://www.magnetpoint.com). Darüber hinaus dient E-Mail vielen Anwendungen zur Teamarbeit als Basistechnologie. Derartige Collaboration-Werkzeuge benötigen zusätzlich Gruppenkalender sowie Instant Messaging. Die Terminplanung wird im Rahmen von Sun ONE vom Calendar Server unterstützt. Chat-Funktionen und die Möglichkeit zur gemeinsamen Bearbeitung von Dokumenten bietet ein Zusatzpaket für den "Portal Server" namens "Instant Collaboration Pack".

Portal Server als Fenster zu Sun ONE

Auf den ersten Blick mag es willkürlich erscheinen, Instant Messaging als Erweiterung des Portal Server zu vertreiben. Wie aber im Backend für alle Sicherheitsdienste die Fäden beim Directory-, Identity- und Certificate-Server zusammenlaufen, so fungiert der Portal Server als einheitliche Präsentationsschicht in Richtung Clients. Im Rahmen von Sun ONE erlaubt er den Web-Zugriff auf Mail, Kalender und selbst entwickelte Anwendungen auf Basis des Applikations-Servers. Als Fenster zu allen Sun-ONE-Anwendungen bedient das Portal auch mobile Clients.

Das dafür nötige "Mobile Access Pack" ist in der aktuellen Version 3.0 des Portal Server als separates Add-on erhältlich und wird in den Nachfolger 6.0 integriert. Da er unter einer Oberfläche sowohl die Frontends für transaktionsorientierte als auch für collaborative Anwendungen versammelt, sieht Sun dort den Ort für die Verzahnung der beiden Sphären. Damit verfolgt die Unix-Company ähnlich wie IBM den Ansatz der "Contextual Collaboration". Er sieht vor, dass direkt aus Business-Anwendungen etwa Mails oder Einladungen für Besprechungen verschickt werden können.

Der Portal Server greift für die Zusammenstellung individueller Frontends auf Benutzerprofile im Identity-Server zurück. Er läuft derzeit auf dem hauseigenen Web-Server und wandert in der Version 6.0 auf den Application Server ab. Die kurze Zeit später verfügbare Ausführung 6.1 soll zusätzlich auf den J2EE-Servern von IBM und Bea laufen. Solange Portlets unter Java noch nicht standardisiert (http://www.jcp.org/jsr/detail/162.jsp) sind, können auf diese Weise Sun-ONE-Portalanwendungen auf die Applikations-Server der Konkurrenz übertragen werden.

Der Sun-ONE-eigene J2EE-Server dient nicht nur als Unterbau für Portallösungen, sondern fungiert als Dreh- und Angelpunkt für die Anwendungsentwicklung auf der Sun-Plattform. Die mit Solaris ausgelieferte "Platform Edition" unterliegt einigen Einschränkungen, etwa hinsichtlich der Administrations-Tools oder des Clustering. Grafische Verwaltungswerkzeuge fügt erst die "Standard Edition" hinzu, Ausfallssicherheit und dynamische Lastverteilung bietet dann die "Enterprise Edition". Für die Cluster-Funktionen zieht Sun die Software von Clustra Systems heran, die der Hersteller Anfang des Jahres übernommen hat. Sie soll künftig auch in andere Sun-ONE-Server, etwa jenen für Messaging, integriert werden.

Der Applikations-Server umfasst nicht nur den hauseigenen Web-Server, sondern führt innerhalb seines eigenen Prozesses auch "Message Queue" aus. Diese Middleware für asynchrone Kommunikation implementiert den "Java Message Service" (JMS) und ist in der Platform Edition Teil des Betriebssystems. Applikations-Server, die mit J2EE 1.3 konform sein wollen, müssen JMS umsetzen. Darüber hinaus erweist sich eine derartige Message Oriented Middleware als besonders nützlich bei der Enterprise Application Integration (EAI) und bei B-to-B-Projekten.

Für diesen Zweck sieht Sun zudem den "Integration Server" vor, der ähnlich wie Microsofts "Biztalk Server" über Web-Service-Interfaces oder wahlweise Protokolle wie SMTP oder FTP elektronische Dokumente entgegennehmen kann. Anhand mitgelieferter Modellierwerkzeuge lassen sich Prozesse definieren, durch die solcherart eingehende Aufträge oder Rechnungen hindurchlaufen sollen. Wenn diese von den jeweils zuständigen Anwendungen nicht sofort verarbeitet werden können, bietet sich an, sie in Warteschlangen der asynchronen Middleware zu stellen.

Java-Schnittstellen für alle Server

Bei der Entwicklung auf der Sun-Plattform können Programmierer die Dienste aller zum Portfolio gehörigen Produkte über Java-APIs nutzen. Auf diese Weise lässt sich die gesammelte Server-Software von Sun ähnlich wie bei Microsofts .NET als ein außerordentlich mächtiges Framework nutzen. Hinsichtlich Funktionsumfang und Integration der Produkte untereinander legen beide Hersteller die Latte für die Konkurrenz ziemlich hoch. In Redmond wird die vollständige .NET-ifizierung der Server noch einige Zeit in Anspruch nehmen, Sun möchte den aktualisierten Sun-ONE-Stapel im Lauf des nächsten Jahres fertigstellen. Dann muss die Unix-Company beweisen, dass sie Software nicht nur entwickeln, sondern auch verkaufen kann.

Fremde Kultur

Sun Microsystems haftet nach wie vor der Ruf einer Hardware-Company an, obwohl das kalifornische Unternehmen mit Java eine wesentliche Innovation für die Softwareindustrie beisteuerte. Allerdings zeigte es bisher wenig Geschick dabei, Java in Produkte umzumünzen und diese erfolgreich zu vermarkten. Erinnert sei nur an den Kauf von drei Applikations-Servern (Netdynamics, Forté und Netscape), von denen nur einer übrig blieb, der dazu noch lediglich geringe Marktanteile eroberte. Während IBM und Bea als die beiden Marktführer in diesem Segment jeweils rund 30 Prozent auf sich vereinigen, bewegt sich Sun nur im einstelligen Bereich. Ähnliche Rückschläge verzeichnete die Unix-Company bei Programmierwerkzeugen, wo die Eigenentwicklungen "Java Workshop" und "Java Studio" mangels Erfolg aufgegeben wurden. Sun schloss diese Lücke durch Übernahme des tschechischen Softwarehauses Netbeans, dessen Entwicklungsumgebung unter die Obhut des gleichnamigen Open-Source-Projekts gegeben wurde.

Abb: Integrierte Middleware

Der Sun-ONE-Stapel soll alle Anwendungsbereiche von Transaktionsverarbeitung über Collaboration bis hin zur B-to-B-Integration unterstützen. Quelle: Sun Microsystems