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12.12.2003 - 

Reduktion von IT-Komplexität durch Komplettlösungen

Sun will mit technischer Innovation aus der Misere

BERLIN (ws) - Sun Microsystems nutzte seine Konferenz "Sun Network", um sich als Technologieschmiede zu präsentieren. Technische Innovationen seien der Schlüssel, um Komplexität von IT in den Griff zu bekommen. Der Hersteller untermauerte seinen Anspruch mit zahlreichen Produktankündigungen.

Sun nutzte in Berlin die Anwesenheit von mehr als 6000 Konferenzbesuchern, um nach mehreren negativen Quartalsergebnissen in Folge seine Strategie für eine erfolgreiche Zukunft darzulegen. Das fast vollständig angereiste Topmanagement rund um CEO Scott McNealy betonte erneut, dass es seine Finanzreserven für massive Investitionen in Forschung und Entwicklung nutzen wolle. Nur dadurch könne sich das Unternehmen gegenüber dem Wettbewerb profilieren.

Passend dazu stand die Veranstaltung unter dem Motto "Innovation Matters". Damit traten die Firmenverantwortlichen dem von US-Autor Nicolas Kerr im "Harvard Business Review" propagierten Standpunkt entgegen, dass der IT-Einsatz ein Unternehmen im Wettbewerb kaum noch voranbringe und in seiner Bedeutung überschätzt werde. Sun indes sieht seine Aufgabe darin, die hohe Komplexität der IT-Infrastruktur durch technische Innovationen in den Griff zu bekommen. Mit diesem Ansatz grenzt sich die Unix-Company explizit von der IBM ab. Diese verspreche ebenfalls, Anwender vom komplizierten Zusammenspiel der Systemkomponenten abzuschirmen. Big Blue setze dabei aber primär auf Dienstleistungen von IBM Global Services. Diesem Ansatz mangele es im Vergleich zu einem technischen Konzept an Skalierbarkeit, weil mit zunehmender Komplexität der Personalaufwand überproportional ansteige.

Sun möchte sein Versprechen, die Komplexität von IT zu reduzieren, dadurch einlösen, dass sich die Company als Anbieter vollständiger Systeme positioniert. Dazu rechnet sie neben Hardware und Betriebssystemen einen kompletten "Stack" aus Middleware, den Sun bereits auf der amerikanischen Konferenz unter der Bezeichnung "Java Enterprise System" (JES) angekündigt hatte.

Integrierte Middleware

Die meisten Bausteine gehen auf die ehemaligen Server-Produkte von Netscape zurück. Neben der technischen Weiterentwicklung der jeweiligen Komponenten besteht die Neuerung von JES darin, dass die Release-Zyklen aller im Paket befindlichen Produkte synchronisiert wurden. Das in jedem Quartal vorgesehene Update des gesamten Pakets soll dessen Nutzung vereinfachen, weil alle Komponenten problemlos zusammenspielen und daher keine zusätzlichen Integrationsarbeiten anfallen.

Das im September angekündigte Lizenzmodell für JES hat laut Sun ebenfalls den Abbau von Komplexität zum Ziel. Wie berichtet (http://www.computerwoche.de/go/80113678), verlangt die Company für die Verwendung der gesamten Middleware 100 Dollar pro Mitarbeiter und Jahr. Maximalen Nutzen könnten Anwender aus einem solchen Lizenzvertrag ziehen, wenn sich die Software auch auf den häufig vorhandenen Plattformen anderer Hersteller ausführen ließe. Auf der Berliner Veranstaltung kündigte Sun an, JES mittelfristig auch auf AIX, HP-UX und Windows zu portieren. Die derzeit lieferbare erste Version von JES läuft allerdings nur unter Solaris. Die nächste Ausführung soll zusätzliche Komponenten wie den "Integration Server" berücksichtigen und auch unter Linux verfügbar sein. Speziell auf den Mittelstand zielt eine weitere Ankündigung, wonach Firmen mit weniger als 100 Mitarbeitern JES kostenlos einsetzen dürfen, wenn sie die dafür nötige Server-Hardware bei Sun kaufen.

Sun verfolgt den Ansatz vollständiger Systeme auch mit dem "Java Desktop System. Ein Bündel aus gängigen Desktop-Programmen auf Basis von Suse Linux soll auch hier dem Anwender aufwändige Integrationsarbeiten ersparen. Die Kombination aus freier Software und Support durch einen renommierten Hersteller stößt offenbar bei staatlichen Institutionen auf besonderes Interesse. Die britische Regierung steht angeblich kurz vor einem derartigen Vertragsabschluss mit Sun.

Breiten Raum nahm auf der Sun Network die kürzlich bekannt gegebene Kooperation mit AMD ein. Aus ihr resultiert die Nutzung des x86-kompatiblen "Opteron"-Chips für Sun-Workstations und Lowend-Server. Die Ausrichtung auf den AMD-Chip bedeute aber keine Festlegung auf Linux im unteren Segment. Vielmehr soll Solaris für x86-CPUs nach einer Durchhängeperiode eine gleichwertige Alternative zur Sparc-Version werden. Sun bietet somit seine Intel-kompatiblen Maschinen wahlweise mit Linux oder Solaris an, die Ultrasparc-Rechner hingegen bleiben dem hauseigenen Unix vorbehalten.

Java als gemeinsamer Nenner

Insgesamt gaben sich Sun-Offizielle hinsichtlich der Betriebssystem-Alternativen Linux versus Solaris gelassen und räumten auch der Chipkonkurrenz x86 gegen Ultrasparc wenig Bedeutung ein. Da von zahlreichen Programmiermodellen nur mehr .NET und Java übrig geblieben seien, spiele die Entwicklung für ein bestimmtes Betriebssystem auf einer spezifischen Hardware nur eine untergeordnete Rolle. Java komme daher die Aufgabe zu, in Suns Komplettsystemen von darunter liegenden Chips und Betriebssystemen zu abstrahieren.

Dennoch beteuerte die Company, dass sie in Sparc und Solaris weiter investieren werde. Das Gespann soll sich in den nächsten Versionen durch zusätzliche Features besonders für das Highend empfehlen. Dazu zählt, dass die Sicherheitsfunktionen von "Trusted Solaris" in die Standardausführung übernommen werden und Java-Programme von einer besseren Unterstützung für Multithreading profitieren sollen. Hardwareseitig will Sun mehrere Sparc-Chips auf einem Prozessor integrieren und damit eine Art symmetrisches Multiprocessing (SMP) auf einem Chip realisieren. Auf diese Weise soll der Datentransfer mit dem vergleichsweise langsamen Arbeitsspeicher erheblich beschleunigt werden.

Zum Selbstverständnis von Sun als Lieferant von Komplettlösungen gehört auch das Management des gesamten Stapels aus Hardware und Systemsoftware. Das ehrgeizige "N1"-Projekt geht indes über das reine System-Management hinaus und soll durch Virtualisierung von Ressourcen ebenfalls einen Beitrag zur Reduktion von Komplexität leisten - etwa dadurch, dass es eine Vielfalt von Servern nach außen wie einen Computer aussehen lässt. Sun spricht daher von N1 als einem Betriebssystem für das Rechenzentrum, dessen vollständiger Funktionsumfang allerdings erst in den nächsten Jahren verfügbar sein soll. Auf der Sun Network gab der Hersteller bekannt, dass er bereits bei mehr als 100 Anwendern das "N1 Service Provisioning System" installiere, mit dem sich eine Grid-ähnliche Auslastung der Rechnersysteme erreichen lasse.

Um dem Anspruch rasch einsetzbarer Komplettlösungen unter verschiedenen Bedingungen gerecht zu werden, entwickelte Sun mehrere Dutzend so genannte Referenzarchitekturen. Sie beschreiben Standardkonfigurationen für bestimmte Anwendungsszenarien. Diese eignen sich nicht nur für den Betrieb eines SAP-Systems oder einer Firewall, sondern auch zum Umstieg von Konkurrenzsystemen: In Berlin präsentierte Sun eine Architektur zur Migration von Compaqs "Tru64"-Kunden auf Solaris.