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08.09.2000 - 

Anwender klagen über Knebelversuche

Sun will Server-Probleme anscheinend vertuschen

MÜNCHEN (CW) - Die Probleme mit Suns Enterprise-Servern scheinen kein Ende zu nehmen. In den letzten Wochen klagten US-amerikanische Anwender wiederholt über Systemabstürze. Sun weist die Vorwürfe zurück und versucht anscheinend, seine protestierenden Kunden mit Schweigeverpflichtungen ruhig zu stellen.

Sun scheint die Probleme mit seinen Ultrasparc-II-Prozessoren nicht in den Griff zu bekommen: Kunden des Server-Herstellers haben sich in den letzten Wochen wiederholt über Abstürze ihrer Enterprise-Server beklagt.

Im Dezember letzten Jahres hat die Gartner Group ihre Kunden gewarnt, Systeme mit Ultrasparc-II-CPUs einzusetzen, die mit einem Cache-Speicher von 4 MB ausgestattet sind (siehe CW 51/99 Seite 1). Chips dieses Typs würden die Verfügbarkeit mancher Systeme auf etwa 94 bis 98 Prozent herabsetzen. Der von Sun versprochene Wert beträgt 99,95 Prozent. Damals hatte Sun Schwierigkeiten mit dem L2-Cache auf den Ultrasparc-Prozessoren eingeräumt. Diese seien jedoch längst behoben worden, so die offizielle Stellungnahme des Unternehmens.

Dies scheint jedoch nicht der Fall zu sein, wie die jüngsten Beschwerden offenlegen. Eric Durst, Chief Information Officer (CIO) des in Chicago ansässigen Start-up-Unternehmens IQ4hire beklagt insgesamt acht Ausfälle seiner "Enterprise 420R"- und "Enterprise 220R"-Server seit Mai dieses Jahres. Besonders verärgert zeigt er sich über die Reaktion von Sun. Die Techniker spekulierten über Hitze, die Klimaanlage und elektrostatische Aufladungen. "Aber anscheinend hatten sie keine Ahnung, wie das Problem zu lösen sei."

Auch Norman Morrison, der als unabhängiger Projektberater verschiedene US-amerikanische Service-Provider betreut, erzählt von Pannen bei Sun-Servern. Er berichtet, die Verantwortlichen bei Sun hätten verlangt, dass eine Schweigeverpflichtung unterzeichnet wird, bevor sich die Supportmitarbeiter um die Lösung des Problems kümmerten. Nach Ansicht von Ken Dort, Anwalt bei Gordon & Glickson LLC in Chicago, versucht Sun mit dieser Taktik zu verhindern, dass weitere Informationen zu den Problemen in Umlauf kommen. Kunden, die in hohem Maße von Sun abhängig seien, würden derartige Knebelverträge zähneknirschend unterschreiben, glaubt Dort.

Die Verantwortlichen bei Sun halten sich sehr bedeckt, was die Vorwürfe anbelangt. Zwar räumt die Company wieder einmal ein, dass es zwar vereinzelt Schwierigkeiten mit den Ultrasparc-II-CPUs gebe. Eine endgültige Lösung für die Probleme werde jedoch in Kürze verfügbar sein, sichert Suns Vice President John Shoemaker den Kunden zu.

Laut Harald Gessner, Sun-Pressesprecher in Deutschland, hätten nur einige wenige Kunden mit Problemen zu kämpfen. In Deutschland seien ihm keine Schwierigkeiten bekannt. Auch die offizielle Stellungnahme des Herstellers spricht von einer sehr kleinen Anzahl betroffener Kunden, die alle direkt von Sun betreut würden. Seit mehr als einem Jahr arbeite man mit den Anwendern zusammen, um den Fehler aus der Welt zu schaffen, heißt es dort. Damit gibt Sun einen langwierigen Fehler zu, der sich offensichtlich nicht so ohne weiteres korrigieren lässt. Zu den Vorwürfen über die Schweigeverpflichtungen, die Sun-Kunden mehr oder weniger freiwillig eingehen mussten, wollte sich das Unternehmen nicht äußern.