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Mit der Übernahme von Star Division wird Microsoft attackiert


03.09.1999 - 

Sun will Spielregeln im Softwaregeschäft ändern

MÜNCHEN (CW) - Das Hamburger Softwarehaus Star Division geht in den Besitz von Sun Microsystems über. Das Applikationspaket der Hanseaten, "Star Office", soll unter der Regie des Käufers als kostenfreier Service via Web angeboten werden.

Mit der Übernahme von Star Division und dessen Flaggschiff Star Office plant Sun einen raffinierten Coup: Nach dem Muster der Open-Source-Philosophie will Sun die Office-Suite der Norddeutschen als kostenlosen Internet-Service zur Verfügung stellen - eine Strategie, mit der der Hersteller aus Silicon Valley das Brot-und-Butter-Geschäft von Microsoft frontal attackiert. Denn anstatt mächtige Pakete wie Tabellenkalkulation oder Textverarbeitung für teures Geld auf CD-ROMs zu erstehen und Hunderte von MB auf der lokalen Festplatte zu installieren, soll der Anwender nach Suns Konzept mit Hilfe eines Browsers auf ein Web-Portal und bei Bedarf auf die Office-Software zugreifen können. Lediglich Telefongebühren und Servicekosten hat der Benutzer zu tragen.

"Star Portal", so die offizielle Bezeichnung des Dienstes, soll laut Sun ähnlich wie Internet-basierte E-Mail- oder Messaging-Dienste funktionieren: "Das Service-orientierte Netzwerk erlaubt es Benutzern, von überall und mit jedem Gerät unsere Tools zu erreichen", erklärt Ed Zander, President und Chief Operating Officer bei Sun. Zu den einsetzbaren Devices gehören neben Desktops auch Handhelds und andere Kleingeräte wie der angekündigte Thin-Client "Corona" von Sun.

Eine bittere Pille für den großen Office-Konkurrenten Microsoft: Laut Zander können Benutzer von Stars Bürosuite Dateien gängiger Microsoft-Programme problemlos bearbeiten.

"Wer Microsofts Office kennt, fühlt sich (in Star Office, Anm. d. Red.) zu Hause", feixt der Manager. Eine erste Version von Star Portal sei bereits für den Herbst dieses Jahres geplant. Im Frühjahr 2000 ist dann die offizielle Freigabe des Service vorgesehen.

Geld verdienen will Sun trotz kostenloser Vorbereitung durch Dienstleistungen wie Installation und technischen Support. Dazu gehören einfachere Angebote wie elektronisches Chatting oder aber anspruchsvoller Support mit 24-Stunden-Service und garantierter Antwort binnen zwei Stunden. Auch die Zukunft für die rund 160 Mitarbeiter der Hamburger Star Division ist offenbar gesichert. Nach den Worten von Marco Boerries, Geschäftsführer des norddeutschen Softwarehauses, haben sämtliche Angestellten adäquate Angebote von Sun erhalten.

Die Reaktionen auf das kostenlose Office-Angebot sind un- terschiedlich: "Sun wirbelt damit die gesamte Software-Industrie durcheinander", meint Gary Steele, Chief Executive Officer von Portera, einem Internet-Service-Anbieter. Als relativ spektakulär bewertet auch Tom Austin, Analyst bei der Gartner Group, den Sun-Star-Deal: "Bald werden Geschäftsführer ihre DV-Verantwortlichen fragen, weshalb ihr Unternehmen zweistellige Millionenbeträge für Applikationen investieren, die man kostenlos im Internet bekommt."

Betont unaufgeregt gibt sich indes Microsoft, dessen Einkünfte zu einem beträchtlichen Teil aus Einnahmen mit Büropaketen resultieren. "Microsoft fühlt sich nicht bedrängt", zeigt sich Office-Manager Andrew Dixon, gelassen. Suns Gratisstrategie werde die eigenen Produktentwicklungen nicht beeinflussen. Schließlich besitze auch Microsoft bereits Office-Versionen, die auf einem zentralen Server oder aber auf Win- dows-CE-Handhelds arbeiten.