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08.06.2001 - 

Finanzchef Lehman muss Kosten drastisch senken

Suns Gewinnwarnung offenbart alte Probleme

MÜNCHEN (CW) - Sun Microsystems wird im vierten Quartal deutlich weniger Gewinn verbuchen als ursprünglich geplant. Neben einem schwachen Europa-Geschäft leidet der Hersteller unter der Abhängigkeit von Kunden aus dem Dotcom-Sektor. Hinzu kommen hausgemachte Probleme.

Für das vierte Finanzquartal rechnet Sun nur noch mit einem Gewinn zwischen zwei und vier Cent pro Aktie. Das sind 67 Prozent weniger, als Analysten der Wallstreet erwartet hatten. Finanzchef Michael Lehman rechnet mit einem Umsatz von 3,8 bis vier Milliarden Dollar. Gegenüber dem Vorjahresquartal würde das einen Rückgang um 24 Prozent bedeuten.

Noch im April prognostizierte der kalifornische Hersteller Einnahmen von mehr als 4,1 Milliarden Dollar für die zum 30. Juni endende Abrechnungsperiode. Nach der Ergebniswarnung fiel die Sun-Aktie an der US-Börse Nasdaq zunächst auf 17,51 Dollar. Im September 2000 hatte das Papier einen Höchststand von 64,31 Dollar erreicht. Am 19. Juli will das Management die endgültigen Zahlen für das vierte Quartal vorlegen.

Lehman hat auf die schwachen Ergebnisse mit drastischen Sparmaßnahmen reagiert. In der ersten Juliwoche schickt er rund 3800 US-amerikanische Mitarbeiter in Zwangsurlaub; Reisebudgets ließ er zusammenstreichen. Im April kündigte der CFO an, im nächsten Jahr die Zahl der Mitarbeiter auf dem derzeitigen Stand von 43000 zu halten. Im letzten Quartal des vergangenen Jahres kürzte Sun die Ausgaben für Vertrieb, Marketing und Verwaltung um rund 40 Millionen Dollar. Weitere 247 Millionen Dollar wurden im ersten Quartal 2001 eingespart.

Schuld an der Misere sind laut Lehman enttäuschende Verkaufszahlen der neuen Midrange-Server und ein überraschend schwaches Geschäft im europäischen Raum: "Die Nachfrage in Europa ist stärker eingebrochen als erwartet." Auch der Absatz in den USA und der Region Asien-Pazifik habe sich schlechter als angenommen entwickelt. Auf dem alten Kontinent sieht sich Sun zudem mit einem grauen Markt für seine Server-Produkte konfrontiert, der den Bemühungen um höhere Preise zuwiderläuft.

Der Chief Financial Officer (CFO) deutete aber auch hausgemachte Probleme an. Die Vertriebsmannschaft werde sich künftig verstärkt um Unternehmen aus der Fortune-500-Liste bemühen. In der Vergangenheit hat Sun einen großen Teil seiner Einnahmen mit Kunden aus dem Telecom-Sector und dem einst florienden Bereich der Dotcom-Firmen erwirtschaftet. Deshalb ist das Unternehmen in besonderem Maße vom Einbruch der New Economy betroffen.

Zu schaffen machen Sun aber auch Probleme mit den Ultrasparc-III-Prozessoren. Die ersten Server mit den neuen CPUs hatten sich um rund ein Jahr verspätet; in der Folge konnte der Hersteller die Chips wiederholt nicht in ausreichenden Stückzahlen auf den Markt bringen. Im April musste das Management zu allem Überfluss einen Fehler im mathematischen Koprozessor der 64-Bit-CPU einräumen.

Wegen solcher Pannen halten Beobachter weitere Verzögerungen für möglich. Diese könnten insbesondere das Nachfolgemodell des "Enterprise 10000"-Servers ("Starfire") betreffen, der noch immer als Cashcow im Sun-Portfolio gilt. Nach den bisherigen Plänen soll der auf Ultrasparc III basierende neue Server mit dem Codenamen "Starcat" Ende des Jahres auf den Markt kommen. Einige Analysten rechnen inzwischen damit, dass die Highend-Maschinen nicht vor dem ersten Quartal 2002 in Stückzahlen zur Verfügung stehen.

Im vergangenen Jahr agierte Sun im Server-Geschäft außerordentlich erfolgreich: Während der gesamte Markt nur um sieben Prozent zulegte, konnten die Kalifornier ihre Server-Einnahmen um 42 Prozent steigern. Im oberen Marktsegment (Server im Wert von über einer Million Dollar), wo IBM nach wie vor unumstrittene Nummer eins ist, verbuchte Sun gar ein Plus von 84 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar. IBMs Einnahmen hingegen sackten um sieben Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar ab.

Nach dem Einbruch der Dotcom-Unternehmen dürften sich solche Steigerungsraten kaum wiederholen lassen. Und mit der Vorstellung von Intels "Itanium"-Chip wird der Wettbewerb im Server-Markt härter. Zumindest im unteren und mittleren Leistungssegment drohen Sun respektable Konkurrenten aus dem Wintel-Lager. Richtig ernst wird es für McNealy, wenn im nächsten Jahr die zweite Implementierung der IA-64-Architektur ("McKinley") marktreif wird. Fast alle namhaften Server-Hersteller haben angekündigt, dann entsprechend ausgestattete Maschinen anzubieten.

Im Speichergeschäft, wo Sun einst angetreten war, die Branchengrößen EMC, IBM und Compaq das Fürchten zu lehren, liegt das Unternehmen abgeschlagen auf Rang vier. Gerade der Storage-Markt - geschätztes Volumen rund 32 Milliarden Dollar - aber wuchs im vergangenen Jahr mit 20 Prozent fast dreimal so schnell wie das Server-Business. Im April wechselte McNealy den Chef des Speicherbereichs aus und ernannte Mark Canepa zum Vice President für Network Storage.