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07.06.2005

Suns großer Coup: Storagetek

Experten reagieren unterschiedlich auf die überraschende Ankündigung von Sun Microsystems, den Bandspeicherhersteller Storagetek für 4,1 Milliarden Dollar zu übernehmen.

Mit der Übernahme von Storagetek stemmt sich Sun Microsystems gegen den Trend, in den Rechenzentren allmählich an Bedeutung zu verlieren. Die Umsatzentwicklung des einstigen New-Economy-Ausrüsters war in den vergangenen Jahren alles andere als positiv, Geld kam vorrangig dank einer "Allianz" mit Microsoft in die Kasse. Zuletzt schossen sogar Spekulationen ins Kraut, Firmenchef Scott McNealy wolle den Konzern mit Hilfe von Finanzinvestoren von der Börse nehmen. Die Zukunft von Sun war nebulös. Für einige Beobachter ist sie es heute erst recht.

Die Akquisition von Storagetek ist das genaue Gegenteil einer börsentauglichen Hype-Geschichte. Bandspeicher gelten nicht eben als innovatives Marktsegment. Dennoch sprechen gute Gründe für den Schritt: "Für Sun ist die Übernahme sehr interessant, denn sie wollen in das breitere Lösungsgeschäft vordringen und im Bereich Information-Lifecycle-Management mitspielen", sagt Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer der Hamburger Unternehmensberatung Project Consult.

Ein OEM-Partner wird integriert

Das "breitere Portfolio" des kombinierten Unternehmens sieht auch der unabhängige Speicherfachmann Norbert Deuschle als Grund für die Akquisition. Sun habe bislang im Tape-Bereich nur über OEM-Lösungen verfügt, seit 1999 auch von Storagetek. Zudem würde der Serverhersteller viel Speicher-Know-how über Storageteks Partner erhalten, auf das Sun bislang in dieser Breite nicht zugreifen konnte. Für Kampffmeyer stellen die Storagetek-Produkte zudem eine gute Ergänzung des Sun-Portfolios dar. Indes hält er den Preis für "überteuert", da das Unternehmen zuletzt im reinen Bandsegment unter Druck geraten sei. Dennoch rechnet der Dokumenten-Management- und Speicherexperte dem Absatz der Storagetek-Produkte "gute Chancen" aus - zumindest dort, wo bereits Server von Sun laufen.

Kritik von US-Analysten

US-amerikanische Analysten gingen deutlich härter mit dem Deal ins Gericht: Chris Forster von Technology Business Research bezeichnete die Übernahme als "Schritt zurück". Stattdessen hatte er den Ankauf einer schnell wachsenden Service- oder Softwarefirma erwartet. Auch Keith Bachman von Banc of America Securities verwies auf die schleppende Geschäftsentwicklung von Storagetek und bezweifelte, dass sich Vertriebssynergien im Bestandskundenbereich ergäben.

Steve Fortuna von der Prudential Equity Group bezeichnete zwar den Kaufpreis als fair, stellte jedoch den generellen Sinn der Transaktion in Frage, da kein Umsatz- und Gewinnwachstum für Sun zu erwarten sei. Er hätte es lieber gesehen, so Fortuna in einer zynisch anmutenden Stellungnahme, wenn Sun mit dem Geld "eine Milliarde eigener Aktien zurückgekauft und 10 000 Mitarbeiter entlassen hätte". Das Argument zeigt zumindest, wie enttäuscht einige Investoren von der Entwicklung der Sun-Aktie in den vergangenen Jahren sind.

Die Kritik der Wallstreet-Analysten, dass sich die Übernahme finanziell kaum rentiere, weil im Markt für Bandspeichertechnik nicht mehr viel zu holen sei, teilt Deuschle indes nicht: "Tape ist nicht tot, sondern ein solides Geschäft." Erstens kämen große Konzerne um Bandspeicher nicht herum, denn oft werde eine zusätzliche Hierarchieebene etwa neben dem Disk-to-Disk-Backup benötigt. Zweitens seien die Margen für Anbieter bei der Herstellung von Bandspeichern größer als im Festplattenbereich. "Unter dem Strich bleibt mehr pro produzierter Einheit übrig", berichtet Deuschle. Die Gewinnentwicklung von Storagetek seit 2000 unterstreicht dies.

Zudem hätten die Bandspezialisten "eine gute Vertriebsstory für den Kunden", denn deren finanzielle Aufwendungen für Backup und Recovery seien sehr groß. "Wenn Sie heute bei Anwendern nur mit schnellen Festplatten anrücken", bilanziert der Speicherexperte, "können Sie nicht reüssieren." Für Deuschle ist eine andere Qualität entscheidend: "Sie müssen integrieren können."

Sun hat Speicher vernachlässigt

Auch David Freund vom Marktforschungsunternehmen Illuminata urteilte positiv über die Transaktion. Sun habe zuletzt im Speicherbereich das nötige Engagement auch im Vertrieb vermissen lassen und sei dadurch zurückgefallen: "Ihre Speicherabteilung hat ein Problem mit der Glaubwürdigkeit." Von der Übernahme verspricht sich Freund, dass Sun dem Segment mehr Aufmerksamkeit widmet und dringend benötigte Ressourcen zur Verfügung stellt. So sind die Speicherumsätze des Konzerns im ersten Quartal 2005 um 16 Prozent geschrumpft, während der Markt um sechs Prozent gewachsen ist. Storagetek bringt über 1000 erfahrene Vertriebler und noch einmal rund 2000 Service- und Support-Kräfte mit.

Größter Deal von McNealy

In der Vergangenheit hat sich Sun mit kleineren und mittelgroßen Anbietern im Speichersegment verstärkt. Hierzu zählen etwa Encore, High Ground Systems sowie LSC Software, deren Lösungen für Hierarchical-Storage-Management (HSM) nun "SAM-FS" heißen. Geschluckt wurde auch Pirus Networks, mit dessen Tools sich Speicher-Arrays virtualisieren lassen. Zuletzt übernahm Sun aus dem Bereich Network-Attached-Storage (NAS) den Anbieter Procom. Storagetek hingegen ist bedeutend größer - für McNealy ist es die größte Übernahme in seiner Karriere. Bislang war er kein Freund der Megadeals. Ob zu Recht, wird sich zeigen.