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10.09.1999 - 

Halbherzige Ankündigung einer Web-Strategie

Suns Office-Deal macht Microsoft nervös

MÜNCHEN (gfh) - Mit einer Flucht nach vorne reagiert Microsoft auf die Ankündigung von Sun Microsystems, die mit dem Hamburger Softwarehaus Star Division gekaufte Bürosoftware "Star Office" nicht nur zu verschenken, sondern auch als kostenlosen Web-Dienst anzubieten. Ähnliche Pläne gibt es jetzt plötzlich auch bei Microsoft.

"Wir werden selbstverständlich Web-basierte Büroanwendungsdienste anbieten", versprach Microsoft-President Steve Ballmer wenige Tage nach der Sun-Ankündigung. Er wollte aber weder einen Zeitpunkt nennen noch erklären, ob Microsoft für solche Dienste Gebühren erheben möchte. Branchenkenner gehen davon aus, daß mit der unklaren Botschaft lediglich die Sun-Offerte publikumsträchtig gekontert werden soll. Mit dieser bereits bewährten Strategie sollen die Kunden dazu gebracht werden, auf die Realisierung der Microsoft-Pläne zu warten, statt den Hersteller zu wechseln.

Dennoch hat Sun die Gates-Company an einer wunden Stelle getroffen. Anders als etwa im Kampf um den Browser-Markt, den Microsoft inzwischen klar gegen den Hauptkonkurrenten Netscape gewonnen hat, geht es nicht darum, sich mit kostenloser Software in ein neues Geschäft einzukaufen. Vielmehr muß das Unternehmen einen angestammten Markt verteidigen, den es bislang zu 93 Prozent beherrschte und mit dem es 40 Prozent des Umsatzes erwirtschaftete. Ballmers bewußt vage Formulierung zeigt, wie schwer es ihm zu fallen scheint, die lukrative Bürosoftware aus Konkurrenzgründen via Web zu verschenken.

Dieser Eindruck wird noch durch Ballmers an sich durchaus berechtigte Frage verstärkt, "ob die Kunden tatsächlich alles vom Web-Host haben wollen".

Damit spielt der Microsoft-President das mögliche Interesse an Büroanwendungen via Web herunter, die er eben noch versprochen hat.

Tatsächlich deckt sich Ballmers undeutliche Ankündigung mit seinen früheren Aussagen, wonach das Internet lediglich als Distributionsweg erschlossen werden solle. So lassen sich bei "Office 2000" Softwaremodule wahlweise von CD-ROM oder aus dem Internet nachladen.

Für Verwirrung bei umstiegswilligen Anwendern sorgt Ballmer mit dem Argument, die Kunden würden nicht zu Star Office wechseln, weil sie um die Kompatibilität zu ihren bisherigen Dateien fürchten müßten. Da die Bürosoftware von Star Division bislang problemlos alle Microsoft-Formate unterstützt - zudem plattformübergreifend -, wird hier die Befürchtung geschürt, daß sich das bei künftigen Versionen von MS-Office ändern könnte.

Das sich in den USA zwischen Microsoft und Sun anbahnende Office-Gerangel ist für die deutschen Benutzer allerdings vorläufig ohne Belang. Anders als jenseits des großen Teiches halten hier die Gebühren für Ortsgespräche zum Provider das Gros der User ab, Briefverkehr und Kalkulationen im Internet zu erledigen. Insofern kommt die Web-Variante von Star Office hierzulande zunächst nur für firmeninterne Netze in Frage.

Allerdings gehen immer mehr Marktbeobachter davon aus, daß die Ortsgebühren über kurz oder lang fallen. Ähnliches deutet selbst die in Erklärungsnot gekommene Pressestelle der Telekom an: "Ron Sommer hat schon lange gesagt, daß es für sein Unternehmen nicht nur um Telefongebühren gehen kann. Der Trend in diesem Bereich ist klar. Mittelfristig kommen wir hier sicher zu einem Ergebnis. Dabei ist uns klar, daß mittelfristig rascher sein kann, als wir heute denken."