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Jerusalem als Meeting-Point internationaler Spezialisten:


08.06.1984 - 

Super-Jumbos und Mikros prägen DV-Zukunft

JERUSALEM - Der Anwender wird sich daran gewöhnen müssen, noch für längere Zeit sein eigener Computerspezialist zu sein - zumindest so lange, bis Expertensysteme und künstliche Intelligenz so ausgereift sind, daß geeignete Hi-Tech-Systeme durch Computer konzipiert werden können, die den Anforderungen hochkomplexer Datenverarbeitung genügen. So die Kernaussage eines US-amerikanischen Beraters über Supercomputer auf der 4. Jerusalem Conference on Information Technology (JCIT). Obwohl Supercomputer, Artificial Intelligence und Expertensysteme einen Schwerpunkt der international gut besuchten Veranstaltung darstellten, war Eingleisigkeit nicht zu spüren: Hinter dem Kongreßthema "Next Decade on Information Technology" verbarg sich ein hochkarätiges Rund-um-Programm, das ähnliche Veranstaltungen in Europa schlichtweg in den Schatten stellt.

Auf zwei Säulen basiert nach Meinung des Nobelpreisträgers und Lehrstuhlinhabers der University of Pennsylvania, Lawrence Klein, die Datenverarbeitung der Zukunft. Nachdem die Informatik für zwei Dekaden von Mainframes und später von Timesharing-Anwendungen geprägt wurde, stehen jetzt Mikroapplikationen und der Einsatz von Supercomputern für das nächste Jahrzehnt an.

Die zunehmende Durchdringung der täglichen Arbeitswelt durch Mikros erscheint offensichtlich - wichtiger aber für die Gesamtentwicklung der nächsten Zeit sieht Klein die Aufgaben, die durch Supercomputer gelöst werden müssen.

Supercomputer der Zukunft

Den Schritt in diese Richtung bezeichnet der Nobelpreisträger als logisch zwingend. Eine zunehmende Internationalität der Wirtschaft in Verbindung mit den vielfältigen Vorstellungen, die über Wirtschaftssysteme und die Datenverarbeitung in den verschiedenen Ländern existieren, schafft hochkomplexe Probleme, die nur noch mit Hilfe von Supercomputern gelöst werden können. Ohne Zwischenwege und -lösungen ausschließen zu wollen, prognostiziert Klein in diesem Sinne auch der "Artificial Intelligence" eine zunehmende Bedeutung im weltweiten Geschehen.

Dieses Gebiet, in dem der Gastredner übrigens einen überaus harten Konkurrenzkampf zwischen Japan und den USA bei geringfügiger "Partizipation" der Europäer prognostiziert, stellte dann auch einen der Highlights im Programm dieser internationalen Konferenz dar.

Der amerikanische Berater Sidney Fernbach hegt in seinem JCIT-Vortrag über die Architektur dieser Superrechner Zweifel, ob die Von-Neumann-Architektur auf Dauer noch die Anforderungen erfülle, die an einen solchen Computer von der Leistung her gestellt werden. Die heutige Technik läßt nach seinen Worten vermuten, daß die Supercomputer der Zukunft auf Multiprozessorbasis aufgebaut sein werden. Die Frage allerdings stellt sich, wie sich immer höhere Durchsatzleistungen aus den Maschinen holen lassen, ist doch der einzelne Prozessor als Teil des Ganzen durch die physikalisch limitierte Lichtgeschwindigkeit auch in seiner Leistung begrenzt.

Dennoch, daß diese Fragen gelöst werden können, scheint für Fernbach klar - Probleme sieht der amerikanische Berater indes beim Handling dieser Maschinen. Es sei sehr viel einfacher, die Hardwarekomponenten unter Kontrolle zu bekommen, als zu lernen, wie sie effizient genutzt werden können. Dazu gehört einerseits die Fähigkeit, Probleme so zu formulieren, daß sie in einem Parallelmodus verarbeitet werden können. Sprachen, die die notwendigen Algorithmen schnell und fehlerfrei in effizienten Code übersetzen, sind ebenso vonnöten und zu entwickeln wie neue Betriebssysteme, die verschiedene Jobs effektiv auf die einzelnen Prozessoren verteilen.

Darüber hinaus müssen die Benutzer - und Fernbach spricht in diesem Zusammenhang bewußt mehr von den Anwendern als den Spezialisten - lernen, sich in einer solchen Umgebung zu bewegen. Aufgabe der Spezialisten aber bleibt es, den Usern die Mittel zur Verfügung zu stellen, ihre Daten durch Supercomputer richtig verarbeiten zu lassen.

Unterstützung durch Al

Die Entwicklung dieser Software ist denn auch ein Gebiet, wo sich Fernbach die Unterstützung durch Systeme künstlicher Intelligenz am dringendsten wünscht. Bis dahin aber bleibt der Benutzer weitgehend in der Formulierung seiner Probleme und Lösungen auf sich gestellt. Verstärkte internationale Kooperation ist jedoch laut Fernbach dringend notwendig, um die Anforderungen der Zukunft zu befriedigen.

Zu diesem Vorhaben tragen aber nicht nur isolierte Superrechner, sondern auch Telekommunikationstechniken, Netzwerke und verschiedene Anwendungen wie Büroautomation bei, hieß es in Jerusalem. Die Forschung in diesen Bereichen richte sich auf erhöhte Performanceleistung bei gleichzeitiger Integration der Systeme. Dabei müsse nicht unbedingt eine "reziproke Wechselbeziehung" zwischen der technischen Leistungssteigerung und beispielsweise den Kosten auftreten, meint David H. Brandin vom Stanford Research Institute.

Die Integration von Hard- und Software sei in den letzten Jahren mit atemberaubender Geschwindigkeit vorangeschritten. Unter Berücksichtigung der Fortschritte in den Bereichen der Künstlichen Intelligenz und der Computerwissenschaften sieht Brandin gute Chancen der Verwirklichung von Systemen, die den menschlichen Anforderungen entsprechen.

Das interessanteste Gebiet liege derzeit im Bereich der Parallelprozessoren und den Möglichkeiten, die sie für den kostengünstigen AI-Einsatz sowie Datenbankmaschinen bereithalten. Neue Materialien sowie Technologiefortschritte, beispielsweise HEMT (High Electron Mobility Transfer), würden auch in Zukunft schnellere Bausteine mit geringerem Stromverbrauch für den Markt serienreif zur Verfügung stellen.

Viele dieser Forschungsprojekte können momentan noch als theoretisch angesehen werden, so ein JCIT-Redner, doch bereiten sich insbesondere die Japaner auf den Schritt in die futuristische DV vor. Die fernöstlichen Programme unter Führung des Industrieministeriums MITI gelten denn auch als Anreize für westliche Antwortprojekte wie das amerikanische "DAPRA" Strategic-Computing-Programm, das britische "AIvey" oder das europäische "Esprit"-Projekt.

Das Ziel der Japaner ist dabei klar umrissen, meint Brandin. Sie möchten, so seine Worte, es erreichen, "IBM mehr zu führen denn nachzufolgen". Daß sie auf diesem Weg gute Fortschritte erzielen, belegt ein Beispiel des Nobelpreisträgers Lawrence Klein. An seinem Lehrstuhl wurde ein umfassendes Weltökonomiemodell aufgestellt, das auf IBM-Rechnern nicht mehr abgearbeitet werden konnte. Einen Ausweg fand man in einem japanischen Großrechner.

Auf Software spezialisiert

Die hier aufgezeigte Problematik veranlaßte denn auch die aus aller Welt angereisten Teilnehmer der JCIT am Rande der Konferenz Fragen der internationalen Arbeitsteilung zu diskutieren, ohne die den Informationsbedürfnissen der jetzigen und nächsten Dekade nicht mehr begegnet werden kann.

Für sich, so schien es, haben die Israeli eine Positionsbestimmung vorgenommen, die den natürlichen Gegebenheiten des Landes und den vorhandenen Ressourcen gerecht wird. Sie spezialisieren sich auf die Softwareentwicklung sowie den Export hochentwickelter Produkte dieses Genres (siehe auch Seite 10). Dabei wurde während einer Plenumsdiskussion deutlich, daß der Export von Forschungs- und Entwicklungserkenntnissen als reinem Produkt nicht vorangetrieben werden soll.

Vielmehr bemühen sich die israelischen Datenverarbeiter verstärkt darum, selbständig neue Märkte aufzutun, als nur Nischen innerhalb der internationalen DV-Community auszufüllen.

Dieses neue Selbstbewußtsein kennzeichnet nach den Worten des Präsidenten der Manufacturers Association of Israel, Eli Hurvitz, ein drittes Stadium in der Entwicklung des Landes. Nach außenpolitischen Auseinandersetzungen und einem problematischen innerpolitischen Prozeß der Integration verschiedener Kulturkreise trete Israel jetzt in ein Stadium der Rollenbestimmung innerhalb der industrialisierten Welt ein. Die Datenverarbeitung werde hierzu als ein wichtiger Baustein begriffen.