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01.04.1988 - 

Telekooperation zwischen den Universitäten in Karlsruhe und Stuttgart:

Supercomputer klinken sich in BVN-Netz ein

MÜNCHEN (sch) - Eine Supercomputern angemessene Form der Datenübertragung steht steht kurzem auf der Strecke zwischen den Universitäten Stuttgart und Karlsruhe zur Verfügung. Mit dem Anschluß an das Breitband-Vorläufernetz (BVN) der Deutschen Bundespost etabliert sich ein völlig neuer Arbeitsstil an den baden-württembergischen Hochschulen durch die nun möglich werdende Telekooperation.

"Es wird jetzt eine Zusammenarbeit von Tisch zu Tisch möglich, trotz größerer Entfernung und obwohl die Wissenschaftler in zwei verschiedenen Städten sitzen", meint Werner Stehle, Koordinator des Campusnetzes in Karlsruhe. Gespart würde beispielsweise auch die Implementierung von nur an einer Universität verfügbaren großen Programmpaketen auf andere Rechenanlagen, da man auf solche Software künftig über das Fernnetz zugreifen könne.

Weitere Anschlußwünsche

Ein Hochgeschwindigkeitsverbund, wie er zwischen Karlsruhe und Stuttgart aus der Taufe gehoben wurde, ermöglicht es, die anfallenden großen Datenmengen "in erträglichen Zeiten" zwischen der Datenquelle, dem bearbeitenden Rechner und dem meist grafisch ausgerichteten Endgerät zu übertragen. Durch die Bereitstellung von 140 Megabit pro Sekunde läßt sich nämlich die Übermittlungsgeschwindigkeit auf Werte im Sekundenbereich reduzieren. Da Ein-Modem-Glasfasern zum Zuge kommen, können im Bedarfs fall auf der neuen Schnellstraße sogar Spitzengeschwindigkeiten von 565 Megabit pro Sekunde erreicht werden.

Die Glasfaserstrecke stellt den Ausgangspunkt eines Baden-Württemberg-Netzes dar, worüber die Hochschulen des Landes zwecks Verbesserung der Kooperationsmöglichkeiten untereinander und wechselseitiger Nutzung der geeigneten Rechner- und Software-Ressourcen verbunden werden sollen. Auch jenseits der Landesgrenzen, zum Beispiel in Kaiserslautern und Darmstadt, bestehen bereits Zielplanungen für eine Anbindung. Anschlußwünsche liegen darüber hinaus im Ausland vor, so in Straßburg und in Basel. Nach Angaben der Universität Karlsruhe handelt es sich bei der jetzt realisierten Lichtwellenleiter-Verbindung um eines der ersten Pilotprojekte zum Hochgeschwindigkeitsverbund von lokalen Netzen.

Die Universität Stuttgart arbeitet mit einer Cray-2, die Hochschule in Karlsruhe mit einer Cyber 205. Beide Supercomputer sind eingebettet in lokale Netze mit einer maximalen Bitrate von 10 Megabit pro Sekunde. Für die Inbetriebnahme der neuen Glasfaserstrecke war es zunächst erforderlich, die in den LANs asynchron übertragenen Signale an die synchron "fahrenden" BVN-Strecken anzupassen. Gelöst wurde dieses Problem mit Hilfe eines Multiplexers und einer Ethernet-Brücke, an der die Stuttgarter zusammen mit der Firma Hirschmann tüftelten. Der Mux gestattet den Anschluß von bis zu fünf LANs an das BVN, und die Brücke übernimmt Adreßfilterfunktionen.

Die Universität Karlsruhe bewerkstelligte die Anbindung der Glasfaserstrecke an den lokalen Hochgeschwindigkeitsring. Gleichzeitig mit der Eröffnung der BVN-Verbindung ist hier in Form einer Vorab-Installation ein neues Glasfaser-LAN an den Start gegangen. Die Post steuert vor allen Dingen das technische Know-how für den Betrieb der Strecke bei. Sie übernimmt für die Dauer des Projekts von fünf Jahren auch die Leitungskosten. Die Entwicklung der "Anknüpfungspunkte" zu den lokalen Netzen dagegen wurde vom Verein Deutsches Forschungsnetz finanziell unterstützt. Wie Stehle betonte, handelt es sich bei dem Verbund "eigentlich um eine Kopplung zwischen zwei Universitätsnetzen, die eine Verbindung aller Rechner ermöglicht." Er schränkt jedoch ein, daß nur die zueinander passenden Betriebssysteme und gleichartige Anwendungsprogramme für den Datenaustausch in Frage kämen.

LAN mit FDDI in Karlsruhe

Zur Veranschaulichung der neuen Bild-, Daten- und Tonübertragungs-Möglichkeiten wurden bei der Eröffnungsveranstaltung in der zweiten Februarhälfte mehrere Anwendungen exemplarisch vorgeführt. Die Demonstrationen fanden auf von verschiedenen Herstellern (Hewlett-Packard, Control Data, Digital Equipment und Siemens) kostenfrei zur Verfügung gestellten Arbeitsplatzrechnern statt, die die von den Supercomputern gelieferten Daten grafisch aufbereiteten und verständlich machten. Beispiel: Die mittels Kernspintomographen ermittelten Schnittbilder eines menschlichen Organs "übernahm" ein PC in Stuttgart, der die Grobstruktur des Organs berechnete und zeigte. Diese Daten wurden dann nach Karlsruhe übertragen, am dortigen Supercomputer erheblich feiner berechnet und nach Stuttgart zurückgeschickt. Mit Hilfe des sogenannten Rotracing-Verfahrens konnte man nun am Mikro eine plastische Reproduktion des Organs fotorealistisch wiedergeben.

Das ebenfalls neue lokale Hochgeschwindigkeitsnetz an der Universität Karlsruhe nutzt das sogenannte FDDI-Protokoll (FDDI = Fiber Distributed Data Interface) und weist eine Datenübertragungsrate von 10 Millionen Zeichen pro Sekunde auf. Für Werner Stehle liegen die Vorteile dieser Technik, die erstmals in Europa überhaupt zum Tragen kommt, zum einen in der hohen Übermittlungsgeschwindigkeit und zum anderen in dem verwendeten Zugriffsverfahren Token-Passing, das gerade für die Übertragung von großen Datenpaketen geeignet sei.

In Hinblick auf die höheren Protokolle erklärt der LAN-Experte: "Wir favorisieren TCP/IP. Andere Standards sind im Prinzip aber auch übertragbar, da der FDDI-Ring transparent ist."