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22.02.1991 - 

Cray und Convex beherrschen das Geschehen

Supercomputing: Wenige Anbieter teilen sich den Markt

Klein ist die Zahl derer, die sich im weltweiten Supercomputer-Geschehen fest etabliert haben. Den obersten Bereich beherrscht Cray bislang souverän, sieht allerdings zunehmend japanischer Konkurrenz ausgesetzt. Im unteren und mittleren Segment wiederum spielt Convex trotz stärkerer Konkurrenz die dominierende Rolle. Andreas Dripple* gibt einen Überblick.

Als Steven Wallach 1984 einen Computer vorstellte, der etwa ein Viertel so leistungsfähig war wie ein damaliger Supercomputer, aber nur rund ein Zehntel des großen Jumbo-Vorbildes kostete, kreierte er damit eine völlig neue Rechnerkategorie: den Mini-Supercomputer. Heutzutage ist eine Unterscheidung zwischen "Number Crunchern" der Sorte Super einerseits und Mini-Super andererseits längst nicht mehr sinnvoll. Beide Segmente sind mittlerweile derartig eng verzahnt, daß man besser von einem Supercomputing-Spektrum spricht, in dem es - wie in jedem Markt - Anbieter und Produkte für das untere, mittlere und obere Leistungssegment gibt. Der Preisbereich erstreckt sich von mehreren 100000 Mark für kleine Superrechner bis hin zu mehreren zehn Millionen Mark für die Jumbo-Zahlenfresser der obersten Kategorie.

Convex als Fels in der Brandung

Von Steven Wallach entdeckt und mit seinem Unternehmen Convex kommerziell abgedeckt, hat das untere und mittlere Leistungsspektrum des Supercomputing-Marktes eine ganze Reihe von Anbietern angezogen. Wie eine IDC-Untersuchung aus dem Jahr 1990 zeigt, haben die meisten Hersteller allerdings schon seit einiger Zeit mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Einzig Convex steht in diesem Markt wie ein Fels in der Brandung.

Dies wird durch einen Blick auf die Marktanteile deutlich. So hält Convex laut IDC die Marktführerschaft (weltweite Auslieferungen 1989) mit rund 39 Prozent Marktanteil. Das Geschäftsjahr 1990 brachte für das Unternehmen einen Umsatzanstieg um 32 Prozent auf mehr als 200 Millionen Dollar. Beim Gewinn konnte man einen noch höheren Anstieg um 57 Prozent auf 18,4 Millionen Dollar verzeichnen. Alliant, mit 29 Prozent Anteil die Nummer zwei im Markt, dümpelt hingegen bereits seit über einem Jahr mit Verlusten vor sich hin.

Weitere Mitspieler sind Floating Point Systems (FPS) Computing mit 13 Prozent Marktanteil, die allerdings ebenfalls mit enormen Finanzproblemen zu kämpfen hat, und Encore/Gould mit 5,5 Prozent. Multiflow, im Jahr 1989 noch mit sieben Prozent Anteil am Weltmarkt vertreten, mußte zwischenzeitlich Konkurs anmelden. Insgesamt wurden laut IDC 1989 weltweit rund 291 Millionen Dollar im unteren und mittleren Supercomputing-Markt umgesetzt.

Alliant nur auf Platz drei der installierten Basis

Eine ähnliche Rangfolge wie bei den Stückzahlauslieferungen ergibt sich per Anfang 1990 auch für die installierte Basis. Während Convex hier ebenfalls an erster Stelle rangiert, nimmt Alliant nur Platz drei ein. Den zweiten Platz belegt FPS Computing.

Cray gilt als die Personifikation des Supercomputers schlechthin. Den Marktanteil des legendären Herstellers gibt IDC beispielsweise für 1989 mit 98,7 Prozent, gemessen am weltweiten Umsatz im oberen Supercomputing-Markt, an. Das gesamte Marktsegment wird auf 55 ausgelieferte Systeme oder rund 800 Millionen Dollar Umsatz im Jahr 1989 beziffert. Was man allerdings nicht übersehen darf: Diese Werte gelten nur, wenn man ausschließlich die amerikanischen Anbieter betrachtet, was zumeist getan wird. Berücksichtigt man die japanischen Hersteller, ergibt sich ein Marktanteil für Cray von etwa zwei Dritteln. Dabei ist abzusehen, daß die Japaner der Seymour-Cray-Company künftig noch stärker zu schaffen machen werden. Der Jahresumsatz von Cray stieg 1990 lediglich um 2,5 Prozent auf etwas über 800 Millionen Dollar.

Cray hat diese Entwicklung bereits vor einiger Zeit erkannt und die Konsequenzen gezogen: Das Unternehmen rundet seine Produktpalette auffallend zügig in Richtung des mittleren Supercomputing-Marktes ab. Dadurch werden Cray und Convex zusehends zu Wettbewerbern. Hierbei hat Cray den Vorteil, vom obersten High-Tech-Anschlag auszugehen - die schnellsten CPUs, die beste Single-Job-Performance, die effizienteste Batch-Verarbeitung vorweisen zu können. Allerdings werden diese "Tugenden" vornehmlich für Aufgaben benötigt, für die Cray eigentlich seine Höchstleistungssysteme anbietet. Für die typischen Aufgaben im mittleren Leistungsbereich stellen sich die Cray-Systeme hingegen eher schwächer dar: Die Kosten für den Anwender sind extrem hoch, der für Multiple-Job-Performance notwendige virtuelle Speicher fehlt völlig und das Angebot an verfügbarer Standardsoftware ist vergleichsweise gering.

Anders Convex: Diese Rechner sind nicht die schnellsten Computer, die es überhaupt gibt, aber sie reichen für viele Anwendungen völlig aus. Von den Kosten her ist ein Convex-System im Vergleich zu Cray-Systemen als moderat zu bezeichnen. Falls das gebotene Leistungsspektrum ausreicht, bietet Convex die deutlich günstigere Lösung. Ausschlaggebend für viele Einsatzgebiete ist jedoch das mit mehr als 1000 Applikationen äußerst breite Angebot an fertigen Anwendungen für Convex-Systeme. Hier kommt der Steven-Wallach-Company der frühzeitige Einstieg in Unix zugute. Aber auch die Tatsache, daß mehr Convex-Entwickler mit Software als mit Hardware befaßt sind, spricht für sich.

Somit läßt sich festhalten: Im oberen Supercomputing-Markt werden sich künftig die japanischen Anbieter - Hitachi, Fujitsu, NEC - und Cray einen immer härteren Wettbewerb liefern. Im mittleren und unteren Supercomputing-Markt stoßen im wesentlichen zwei Unternehmen aufeinander - die in diesem Bereich fest etablierten Convex und Cray. Alle anderen Hersteller dürften künftig vernachlässigbar bleiben. Die mit Vector Facility aufgemöbelten kommerziellen Großrechner - IBM 3090 und DEC 9000 - setzen sich offensichtlich ebensowenig durch wie die Minisuper-Mitrenner a la Multiflow. Die Ursachen liegen auf der Hand: Da der Supercomputing Markt aufgrund seiner überschaubaren Stückzahlen praktisch transparent ist, findet hier eine Marktbereinigung rascher als in anderen Segmenten des DV-Marktes statt.

*Andreas Dripke ist freier Unternehmensberater In Wiesbaden.