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31.07.1987 - 

Echtzeitverarbeitung steigert Wachstumschancen auch im Lotto:

Superminis als heimliche Glücksspiel-Revolutionäre

Online-Anwendungen in der Lotterie sind äußerst heikle Einsatzgebiete für die DV. Schon die Kommunikationsanforderungen sind eine Nummer größer als beispielsweise in Banken, Versicherungen oder in der Reise-Industrie. Die Verbindungen des Netzwerkes müssen schnell, zuverlässig und frei von Beglichen Störungen sein, denn eine große Anzahl von Lottospielern will nicht um ihre Gewinnchancen gebracht werden. Gunther Rothleitner* beschreibt in seinem Beitrag ausführlich eine Lotto-Echtzeit-Anwendung.

Das Lottospiel stammt ursprünglich aus Deutschland und erreichte einen ersten Höhepunkt Mitte der 50er Jahre. Hatten zu Beginn die Lottoannahmestellen (auch Agenten genannt) alle Lottoscheine manuell zu erfassen, so wurden bald spezielle Registriermaschinen eingeführt, die eine eindeutige maschinenlesbare Registriernummer auf jeden Coupon druckten. Die Lotteriegesellschaften führten automatische Verarbeitungsmaschinen zum frühestmöglichen Zeitpunkt ein. Heute werden die ausgewählten Zahlenkombinationen, die Coupon- und Registriernummern von Beleglesesystemen erfaßt, Coupons mikroverfilmt und komplexe Verarbeitungsschritte mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 100000 Lotteriescheinen pro Stunde durchgeführt. Diese Technologie wird als Offline-Technologie bezeichnet im Unterschied zur moderneren Online-Verarbeitung die sich in den letzten Jahren sehr schnell über Nordamerika und Australien ausgebreitet hat. Die Online-Verarbeitung hat jedoch auch schon ihren Fuß nach Europa und Asien gesetzt. Frankreich, Island, Schweden und Singapur setzen sie bereits ein, Katalonien installiert zur Zeit und andere Länder untersuchen die angebotenen Möglichkeiten intensiv.

Konzept geht auf 60er Jahre zurück

Online-Wettsysteme installieren eine permanente DFÜ-Verbindung zwischen den Lotto-Annahmestellen und der Lotteriegesellschaft; sowohl für die Lottoannahme sowie für das Auszahlen der Gewinne. Das Konzept geht auf rechnerunterstützte Wettsysteme bei Pferderennen in den frühen 60er Jahren zurück. Da immer nur wenige Minuten zwischen der Wettannahme und der Auszahlung der Gewinne zur Verfügung stehen, mag sich der ganze Vorgang bis zu einem Dutzend Mal im Verlauf eines Renntages wiederholen. Ende der 70er Jahre wurde dieses Konzept von den Lotteriegesellschaften übernommen.

Die wichtigen Komponenten des Online-Systems sind das Terminal der Annahmestelle, das zentrale Computerverarbeitungssystem der Lotteriegesellschaft, das Kommunikationsnetzwerk, das beide verbindet, sowie die Software. In Zusammenhang damit stehen eine Vielzahl von Daten, Dateien und Listen.

Das Terminal in der Lottoannahmestelle ist über Datenfernübertragung mit dem zentralen Lotterierechner gekoppelt. Man kann neben dem Lottospiel eine Vielzahl anderer wöchentlicher oder täglicher Spiele über dieses Terminal abwickeln. In den meisten Spielen wird die Information über Eingabe eines für optische Leser markierten Coupons in das Terminal eingegeben. Der Coupon kann wiederholt benutzt werden. Nachdem dieser Coupon vom optischen Belegleser erkannt und auf mögliche Fehler in bezug auf das gewünschte Spiel geprüft wurde sowie auch die Wette vom zentralen Lotteriecomputer akzeptiert wurde, druckt das System eine Quittung, die den Spielnachweis und die Voraussetzung zur Abholung des Gewinns darstellt.

Spieler kann Terminals direkt bedienen

Über die LED-Anzeige des Terminals werden eine Vielzahl von Informationen und Nachrichten angezeigt, wie zum Beispiel der zu zahlende Einsatz, Fehler auf dem zuletzt gelesenen Coupon, Mitteilung des zentralen Systems über die Annahme des eingegebenen Spiels. Und in Zusammenhang mit der Tastatur besteht die Möglichkeit, fehlerhafte Coupons zu korrigieren, zum Beispiel eine vergessene Zahl nachzutragen. Die umfangreiche Terminalsoftware (100 KB oder mehr) wird vom Zentralsystem heruntergeladen und ist damit gegen Fälschung geschützt. Natürlich sind eine Vielzahl von Sicherheitsmaßnahmen getroffen, wie automatische Datenverschlüsselung, Password-Zugriffsschutz und ändere Eigenschaften, um unberechtigte Benutzung des Terminals auszuschließen. Der Agent bekommt über sein Terminal eine Vielzahl von Informationen, zum Beispiel seine täglichen und wöchentlichen Spieleinnahmen und die Wettstatistik. Es sind auch Terminals verfügbar, die vom Spieler direkt bedient werden können.

Der Online-Computerkomplex der Lotteriegesellschaft ist eine dedizierte DV-Anlage, die vollständig unabhängig von den Offline-Verarbeitungscomputern und dem oft sehr weit ausgebauten MIS (Management Information System) ist. Die Online-Installation besteht üblicherweise aus drei identischen Subsystemen, die die gleichen Computerprogramme ausführen können, um einen unterbrechungsfreien Spielbetrieb zu garantieren. Dabei kontrolliert ein Subsystem jeweils die aktuell angebotenen Spiele und Terminals, ein zweites arbeitet als Hot-Standby, ohne dabei jedoch die ausgehenden Informationen zu beeinflussen, während der dritte Subkomplex als Cold-Standby üblicherweise für Systementwicklung oder Offline-Auswertung eingesetzt wird.

Jeder Subkomplex besteht aus mindestens zwei Prozessoren: dem Kommunikationsprozessor und dem Transaktionsprozessor, die über gemeinsamen Speicher miteinander verbunden sind. Aufgrund der parallelen Verarbeitungsarchitektur der eingesetzten Rechner können die Subkomplexe problemlos auf jede geforderte Leistungsstärke erweitert werden.

Die Subkomplexe sind miteinander verbunden und können die Kontrolle über das aktuelle Spiel, wenn nötig, weitergeben, ohne dabei eine einzige Transaktion zu verlieren. Beim Übergang vom Cold-Standby zum Hot-Standby werden in kurzer Zeit automatisch alle Dateien und sonstigen Statusinformationen mit dem prozeßführenden System synchronisiert.

Zur Überlebensfähigkeit des Computer-Centers gehört ebenso eine unterbrechungsfreie Stromversorgung mit eigenem Generator wie eine redundant ausgelegte Klimaanlage. Das Kommunikationsnetzwerk, das die Lottoterminals mit dem Zentralrechner verbindet, ist das Kernstück, das Online-Lotto von Offline-Systemen unterscheidet. Die Verbindung muß schnell, zuverlässig, frei von physikalischen und elektrischen Störungen und kostengünstig sein.

Multidrop-Leitung am günstigsten

Um diesen kritischsten Kostenfaktor unter Kontrolle zu haben, muß höchstes Augenmerk auf die Auswahl und das Design des benutzten Netzwerks gelegt werden. Die Wahl der Verbindungsarten und deren Mix sowie die Auswahl der Annahmestellen, die online angeschlossen werden, sind kritische Parameter.

Obwohl ständig neue Verbindungsarten angeboten werden, ist nach heutigem Stand für die Anbindung der Online-Lotto-Terminals in dichtbesiedelten Gebieten die Multidrop-Standleitung immer noch die günstigste Verbindungsart. Das gilt auch in Europa mit seinen sehr hohen Übertragungsgebühren, denn eine paketvermittelte Verbindung, die im übrigen nicht wesentlich preisgünstiger ist, bietet einfach nicht die superschnellen Antwortzeiten, die für online-Lotto absolut lebensnotwendig sind.

Die Kommunikationsanforderungen eines Lotto-online-Systems sind nicht vergleichbar mit der von Banken, Versicherungen oder der Reise-Industrie, sondern in der Tat eine Größenordnung mehr. Es ist die Aufgabe kompetenter Online-Systemanbieter, auf die Auswahl der richtigen Netzwerk-Parameter hinzuweisen.

(wird fortgesetzt)