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30.08.1985

Superminis: Kommerzielle Anwendung bleibt im Hintergrund

Eine der traditionellen Anwendungen von Superminicomputern ist die Fertigungssteuerung. So dienen diverse hauseigene Produkte dazu, bei Digital Equipment in Kaufbeuren die Magnetplattenproduktion zu steuern und zu überwachen. Nebenbei erledigen die Rechner noch verschiedene Aufgaben wie Materialwirtschaft, Textverarbeitung oder Elektronische Post. Lichtsatzprobleme bewältigt die Laub GmbH & Co. mit ihrem Mini, an den zwei Arbeitsplatzcomputer online angeschlossen sind. Texte übernimmt das Unternehmen in sein Satzsystem entweder via Mikro oder per Magnetband. Anwendungs- und Systemsoftware-Entwicklung betreibt schließlich die AHP GmbH mit einem Supermikrosystem. Hier steht die dezentrale Lagerorganisation im Vordergrund.

Gerhard Cherdron, Geschäftsführer, Laub GmbH & Co., DV, Lichtsatz und Offsetdruck, Elztal-Dallau

Etwa 20 Prozent der Rechnerkapazität werden für die Verwaltung unseres Satz- und Druckbetriebes mit 32 Mitarbeitern benutzt. Anwendungsgebiete sind Vor- und Nachkalkulation, Betriebsabrechnungen, Finanz- und Lohnbuchhaltung sowie Materialwirtschaft und Zahlungsverkehr. Wir arbeiten mit einer Wang MVP 2200, 512 KB Hauptspeicher, 8 Terminals, Band, Platte, DFÜ-Vorrechner, Online- Anschluß zum Lichtsatzsystem Linotron und Online-Anschluß an einen Apple IIe und einen Wang-PC.

Die Hauptanwendung liegt hier im Bereich der Satzherstellung: Neben der Erfassung von Daten bei uns übernehmen wir in erster Linie Daten von außen per Band, Diskette oder DFÜ. Unsere Kunden schreiben ihre Texte auf Mikrocomputern. Umfangreiche Dateien werden von großen Rechnern über Magnetband übernommen. Mit speziellen Programmen bereiten wir die Daten für den Lichtsatz auf (Datenkonvertierung). Dabei werden nicht nur die Codierungen umgesetzt, sondern auch Satzbefehle über logische Verknüpfungen eingearbeitet.

Für diese Anwendungen verfügen wir über eine große Anzahl speziell geschriebener Programme, die sich jedoch aus bestimmten Grundmodulen aufbauen. Das System MVP kommt uns bei unserer Aufgabenstellung sehr entgegen, da es im Interpretermodus sehr leicht ist, Programme zu prüfen, zu testen oder zu ändern. Da unsere Kundenprogramme oft nur ein- bis zweimal pro Jahr eingesetzt werden - öfter werden die Projekte leider nicht gedruckt - sind häufige Änderungen an der Tagesordnung.

Unsere Anwendung läßt sich am besten anhand eines Projektes erklären. Wir produzieren die verschiedenen ISIS-Reporte für Nomina. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft von Infratest und hat Zugriff auf deren Rechner. Dort sind die ganzen Programme, die in den Reporten beschrieben werden, gespeichert. Nach Abschluß der Redaktionsarbeit werden die zu veröffentlichenden Texte auf einem Magnetband aufgezeichnet. Wir lesen dieses Band und fügen nach teilweise vorhandenen Informationen beziehungsweise nach logischen Verknüpfungen unsere Satzbefehle ein und binden Dateien für die fertigen Druckseiten. Diese Seiten werden belichtet und anschließend daraus im Offsetdruck die Bücher hergestellt. Zur besseren Erschließung der Bände und als Hilfe für den Benutzer wird ein umfangreicher Indexteil vorangestellt, der ebenfalls bei uns erzeugt wird.

Ein weiteres Projekt umfaßt derzeit ein Werk über die WHO-Datenbank "Krebsforschungsprojekte" . Umfangreiche Chemikalien-Preislisten, die aufgrund der Textschwierigkeiten konventionell nicht mehr wirtschaftlich hergestellt werden können, gehören momentan zu einem weiteren Aufgabengebiet.

Unser Betrieb gehört zu der Gruppe "Verband für Informationsverarbeitung IV". Hier haben sich zwölf Firmen der Druckindustrie zusammengeschlossen, um diese Technik weiterzuentwickeln. Insbesondere durch gemeinsames Marketing und gemeinsame Entwicklung kann man so auch als mittelständischer Betrieb eine gute Position im Markt erzielen.

Hermann Havermann, Geschäftsführer, AHP Havermann & Partner Gesellschaft für Informationsverarbeitung mbH, Planegg bei München

Unsere Entscheidung, die weitere Entwicklung unserer Standardsoftware auf einem eigenen Rechnersystem durchzuführen, erhielt als erstes einen Dämpfer durch die amerikanische Regierung: Das von uns georderte System VAX 11/730 mit 2-MB-Hauptspeicher und ausreichender Platten- und Terminalperipherie wurde - bedingt durch die vorübergehend vom Department of Commerce angeordnete Exportgenehmigung auf Einzellizenz - um drei Monate verspätet im Mai 1984 geliefert. Seitdem nutzen wir als Systemhaus die VAX mit Erfolg im wesentlichen für eine Vielzahl verschiedener Aufgaben. Zunächst geht es um die Weiterentwicklung und Anpassung von Kundenanforderungen eines AHP-Softwarepaketes für dezentrale Lagerorganisation. Des weiteren kümmern wir uns um Entwicklung und Pflege von Systemsoftwaretools sowie um die Erstellung technischer Dokumente. Auch die Fernbetreuung der von uns installierten Softwaresysteme über eine Wählleitung und die Übertragung geänderter Softwaremodule mit Hilfe des Programms "Kermit" zählen zu unseren Aufgabenbereichen, die wir mit dem Digitalsystem bewältigen.

Ausgehend von den guten Erfahrungen mit unserer Rechnerkonfiguration, planen wir als nächste Schritte unter anderem den Einsatz des Datenbanksystems Adabas und der Entwicklungssprache Natural nachdem diese Produkte von der Software AG zu vertretbaren Kosten nun auch auf VAX-Systemen zur Verfügung stehen.

Ferner haben wir die Installation eines Unix-Systems unter dem Betriebssystem VMS ins Auge gefaßt, um parallel zur VAX-Softwareentwicklung auch PC-Software entwickeln und testen zu können. Hier bietet sich uns die Möglichkeit, auf der DEC-Maschine mit Unterstützung komfortabler Softwareentwicklungstools in einer Unix-Umgebung kostengünstig Software für PC-Systeme zu produzieren. Dabei werden die Mikros über ein Netzwerk mit der VAX verbunden.

Colin MacKenzie, Manufacturing Information Systems Manager, Digital Equipment, Kaufbeuren

Im Werk Kaufbeuren werden Massenspeicher des Plattenspeichertyps RA gefertigt. Es handelt sich dabei sowohl um Wechselplattenspeicher als auch um neue Winchesterplatten. Um diese Art der Fertigung zu gewährleisten, werden zahlreiche Rechner verschiedener Typen von DEC eingesetzt. Die dabei entstandene DV-Hierarchie ist dreistufig: In der untersten Ebene der Fertigung kommen PDP-11-Rechner als Testmaschinen und programmierfähige Steuerungseinheiten zum Einsatz. Die mittlere Ebene fungiert als dynamische Datenbank für alle Daten, die in der Fertigung anfallen und die dazu verwendet werden, den Fertigungsprozeß "Realtime" zu überwachen und zu steuern. Die Rechner der oberen Ebene sind in einem VAX-Cluster realisiert, das die technischen und kommerziellen Applikationen abdeckt und die Bedienung der Netze sicherstellt.

All diese Ebenen sind in ein lokales Netzwerk LAN (bestehend aus 492 Meter Ethernet) eingebunden und über eine Standleitung zum Wide Area Network (WAN), bestehend aus rund 3500 weiteren Rechnern, verbunden.

Die zur Zeit in der Fertigung eingesetzten PDP-11-Rechner erfassen Prozeß-, Produkt-, Test-, Fehler- und Reparaturdaten, die dann über DECnet/ Ethernet der Ebene 2 zugeführt werden. Versuchsweise sind auf Fertigungsbasis bereits Micro-VAX-II-Rechner (32 Bit) und Bitbus im Einsatz, und es wird erwartet, daß demnächst alle Rechner dieser Hierarchie-Ebene 32-Bit-Maschinen sein werden. In diesem Bereich kommen derzeit VAX-Rechner nur im Bereich ORT (Online Reliability Test) zum Einsatz. Diese Maschinen prüfen die fertiggestellten Produkte mit UETP-Software unter den Betriebssystemen VMS V4.1 und VMS V3.7 in einer Pseudo-Benutzerumgebung.

Die dynamische Datenbank bekommt ihre Daten mittels DECnet-Protokoll über Ethernet zugespielt. Diese Daten werden in eine Relationale Datenbank (RDB) geladen. Der Aufruf der geladenen Daten erfolgt durch Standardsoftware, wie beispielsweise Snapshot Monitoring. Ad-hoc-Abfragen werden mit einem RDB-Query-Werkzeug (Prototyp) realisiert. Die erfaßten Daten werden komprimiert und an das Business-System der nächsthöheren Ebene weitergeleitet, wobei beliebig nach Schicht oder Tag extrahiert werden kann. Sobald ein Produkt das Werk verläßt, werden die entsprechenden Daten gruppiert, archiviert oder gelöscht.

Entgegen der Meinung, DEC-Rechner könnten sich nur in den bereits erwähnten Ebenen 1 und 2 bewähren, bilden sie seit drei Jahren eine tragende Säule für unsere gesamten Business-Applikationen.

Derzeit werden somit nicht nur die Bereiche Materialwesen, Material Resource Planning (MRP), Produktionsplanung und -steuerung sowie Produktionsvorbereitung abgedeckt, sondern auch das gesamte Finanzwesen, Personalsystem, Zeiterfassung etc. von etwa 150 Anwendern genutzt. Um diese voll integrierte, überwiegend "online"-orientierte Software optimal nutzen zu können, wurden drei VAX-Rechner zu einem Cluster (Maschinenpool) verknüpft.

Dieses Cluster dient auch allen Programmen zur Grafikerstellung einschließlich der Software für zwei CAD/CAM-Arbeitsplätze. Darüber hinaus sind weiter VAX-Rechner ab Message-Rechner oder Entwicklungsmaschinen eingesetzt, die außerhalb des Clusters ihren Dienst leisten. Diese "Message-Maschinen" unterstützen etwa 250 Benutzer-Accounts mit den Hauptaktivitäten Textverarbeitung und Elektronische Post. Die Entwicklungsmaschinen dienen der Neuentwicklung von Software für die Bereiche Technische und Kommerzielle Applikationen. Darüber hinaus stehen sie den Ingenieurabteilungen für die Aufgabengebiete Simulation, Animation und Künstliche Intelligenz zur Verfügung. Alle Maschinen sind im lokalen Netzverband zusammengefaßt und somit voll kommunikationsfähig.