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20.10.2000 - 

Kolumne

"Supply Chains vor der Kulturrevolution"

Künftig konkurrieren nicht mehr Einzelunternehmen, sondern Zulieferketten. Dieser viel zitierte Satz ist längst überholt - von der Zukunftsprognose zur Bestandsaufnahme mutiert. Wettbewerbsfähig zu sein heißt schon heute: schnell und flexibel agieren, Vorlaufzeiten kürzen, Läger schrumpfen, die Luft aus dem Produktionsprozess lassen, auf Zuruf fertigen und termingerecht liefern, immer im Einklang mit unvorhersehbaren Marktschwankungen und Sonderwünschen der Kundschaft.

Ist doch kein Problem - für Unternehmen mit einer Fertigungstiefe von 100 Prozent. Aber Automobil- und Elektronikproduzenten kontrollieren heute Supply Chains mit mehr als einem halben Dutzend Stufen. Und dass eine Kette nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied, bekamen beispielsweise die Kölner Ford-Werke im Sommer 1998 zu spüren, als sie die Montagebänder für "Puma" und "Fiesta" zwei Tage lang anhalten mussten, weil die Türschlösser fehlten.

Die Frage, ob ein Echtzeit-Planungs- und Rückmeldesystem Ford geholfen hätte, diese Nuss zu knacken, ist müßig. Immer mehr Großunternehmen haben entschieden, dass sie um ein solches Instrument nicht mehr herumkommen. Internet-basierendes Supply-Chain-Management ist das, was Profis aus dem B-to-B-Hype machen; die Kostensenkungen, von denen sie berichten, halten ihn am Leben.

Über den ersten Erfolgsmeldungen wird jedoch leicht vergessen, dass es dazu mehr bedarf als eines ausgefeilten Softwaresystems, nämlich einer veritablen Kulturrevolution: Der Erfolg einer elektronisch gesteuerten Lieferkette hängt von der offenen, ja vertrauensvollen Kommunikation zwischen allen ihren Mitgliedern ab. Die eigenen Absatzplanungs-, Fertigungs- oder gar Produktentwicklungs-Daten für andere verfügbar zu machen ist jedoch - zumal in Europa - nicht jedermanns Sache. Nur wenn sich alle Kettenglieder Profit davon versprechen, werden sie mitziehen.

Wer die elektronische Beschaffung einzig als Mittel sieht, seine Lieferanten unter Preisdruck zu setzen, mag kurzfristig Einsparungen erzielen. Womöglich verpasst er aber die Chance, viel reichere Ernte einzufahren: Straffere Prozesse, geringere Lagerbestände und höhere Kundenzufriedenheit schlagen sich auch langfristig in sinkenden Kosten und steigenden Margen nieder.

Kommentare zu diesem Kommentar bitte an kquack@computerwoche.de