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Prototyp zur Lösung des europäischen Sprachenwirrwarrs 1986 erwartet:

"Susy" und "Satan" suchen Dolmetscher

19.06.1981

SAARBRÜCKEN (VWD) - Schneller als ein Dolmetscher aber möglichst genauso korrekt soll ein Computer die wichtigsten europäischen Sprachen übersetzen. An der Uni Saarbrücken wird mit Hilfe des Roboters Susy an seiner Entwicklung gearbeitet.

In fünf Jahren soll der Übersetzungscomputer, für dessen Entwicklung die EG-Kommission 19 Millionen Mark zur Verfügung stellen will, fertiggestellt sein. Das Problem: Während sich Zahlen und Ziffern eindeutig und logisch programmieren und abrufen lassen, sind die Worte einer Sprache grammatikalisch oder von der Bedeutung her oft mehrdeutig ("im statistischen Durchschnitt zweideutig").

Seit 1972, als an der Saar-Universität von Professor Hans Eggers ein "Sonderforschungsbereich elektronische Sprachforschung" ins Leben gerufen wurde, suchen nun "Susy" (Saarbrücker Übersetzungssystem)

und "Satan" (Saarbrücker automatische Textanalyse) nach einer Lösung der Probleme: In die mit einem zehn Millionen Mark teuren Rechner verbundenen Bildschirm-Terminals geben die Saarbrücker Sprachwissenschaftler nicht nur ganze elektronische Wörterbücher mit Redewendungen zur Speicherung ein (bisher 85 000 Einträge), sondern "zerstückeln" auch ganze Sätze und die oft verschiedenen Bedeutungen der Worte, die der Computer dann bei Bedarf später wieder analysiert. Dabei werden auch Wahrscheinlichkeitsrechnungen zugrunde gelegt.

Wichtige Vorarbeiten sind schon geleistet: Mit einer Geschwindigkeit von drei Worten in der Sekunde übersetzt der in der Saarbrücker Universität stehende Computer beispielsweise einen Satz in richtiges Französisch. Der Saarbrücker Diplom-Mathematiker Heinz Dieter Maas und seine Kollegen vom elektronischen Sprachforschungsbereich sind überzeugt davon, daß es bis 1986 den Prototyp eines europäischen Übersetzungscomputers mit 20 000 Worten für jede Sprache geben wird.

Die EG-Behörde hofft ebenfalls darauf, denn jedes Sitzungspapier muß in alle EG-Amtssprachen übersetzt werden. Der Sprachdienst der EG umfaßt deshalb bereits rund 2000 Übersetzer und Dolmetscher, die jährlich mehr als 200 Millionen Mark verschlingen. Von einem möglichst perfekten Übersetzungscomputer erhofft man sich Zeit- und Kostenersparnis bei der Bewältigung des Sprachenwirrwarrs.

Obwohl "Susy" und "Satan" noch im Entwicklungsstadium stecken, haben die Saarbrücker Sprachwissenschaftler auch schon Aufträge für Übersetzungen vom deutschen Kernforschungszentrum in Karlsruhe und von einer Schweizer Arzneimittelfirma vorliegen. Bisher aber lautet die Standardantwort für solche Anliegen: "So weit ist unser Computer noch nicht." Doch selbst wenn: Dolmetscher werden sicher immer gebraucht - und wer beispielsweise griechisch in dänisch übersetzen kann, dem ist wohl jederzeit ein Arbeitsplatz bei der EG sicher.