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05.10.1990

SW-Entwicklung muß sich am Weltmarkt orientieren

Mit dem Einzug der Marktwirtschaft ist von der DDR-eigenen Computerindustrie nicht allzuviel übrig geblieben - wenn man bei Computerindustrie vor allem die Hardware sieht. Der Absturz ist logisch, denn nicht nur Insidern wurde von Jahr zu Jahr deutlicher,

daß der Rückstand zu internationalen Marktführern immer größer wurde. Bedauerlich ist diese Fehlentwicklung vor allem deshalb, weil im sächsichen und thüringischen Raum die Wiege zahlreicher deutscher Büromaschinenhersteller stand.

Auch der Softwaremarkt erlitt ernsthafte Blessuren - Namen ehemals führender DDR-Anbieter sind verschwunden. Aber dies ist bestimmt nicht das Ende der einheimischen Softwareindustrie - eine Reihe von Entwicklern formiert sich in neugegründeten Unternehmen und sucht ihre Chance auf dem offenen Markt. Dabei kann die Betrachtung des bundesdeutschen Softwaremarktes möglicherweise ein Orientierungspfad für die DDR sein. Die Münchener Infratest Industrie beobachtet den bundesdeutschen Softwaremarkt seit langem und kommt zu folgenden Schlußfolgerungen:

Der Softwaremarkt war - weltweit und so auch in der

Bundesrepublik Deutschland - der Wachstumsmarkt schlechthin: Von 0,5 Milliarden Mark 1975 auf 13,9 Milliarden Mark 1989 hat sich der Markt in der Bundesrepublik in weniger als 15 Jahren verfünfundzwanzigfacht. Im wesentlichen getragen wurde diese Entwicklung durch die überwiegend seit Anfang der 70er Jahre gegründeten spezialisierten Softwareunternehmen. Heute gibt es etwa 2500 dieser Unternehmen in der Bundesrepublik, wobei die etwa 15 000 "Einzelkämpfer" nicht mitgerechnet sind.

Allerdings ist die derzeitige Struktur der bundesdeutschen Softwarebranche noch weitgehend bestimmt durch die Marktanforderungen der 70er und 80er Jahre: - individuelle Anwendungsentwicklung für Großunternehmen, häufig als "Zuarbeiter" in deren internen Entwicklungsteams und - Anpassung von Standardanwendungssoftware für Anwender in der mittelständischen Wirtschaft, häufig im "Schlepptau" großer Hardwarehersteller.

Während die gesamte Branche mit dem rasch zunehmenden DV-Einsatz insgesamt wuchs, war diese Anpassungsstrategie für die einzelnen Unternehmen nicht immer erfolgreich. Marktaustritte und Markteintritte hielten sich über Jahre die Waage. Ein Drittel der in der Branche tätigen Unternehmen ist zur Zeit in ihrer Existenz bedroht. Eine gesunde Basis konnten sich nur die Unternehmen schaffen, die die kritischen Erfolgsfaktoren erkannten und beachteten:

- Spezialisierung und Produktorientierung beim Leistungsangebot

- hohe Mitarbeiterqualifikation

- straffes Projektcontrolling

- Einsatz moderner Softwareproduktionstechnologien

- Kapital zur Wachstumsfinanzierung.

Diese dauerhaft erfolgreichen mittleren Softwareunternehmen prägen heute die mittelständische Struktur der Softwarebranche. Sie sind wichtige Partner der Hardwarehersteller im Vertrieb an andere mittelständische Unternehmen geworden.

Wirkliche Marktbedeutung haben jedoch nur wenige Softwareunternehmen in der Bundesrepublik Deutschland erlangt, die diesem Trend nicht gefolgt sind und eine eigenständige Unternehmensstrategie entwickelt haben, wie die Software AG mit systemnaher Software, SAP mit Standard-Anwendungssoftware oder Softlab mit Softwarewerkzeugen.

Derzeit - so stellt Infratest-lndustria fest - ist die bundesdeutsche Softwarebranche von einem Umstrukturierungsprozeß erfaßt, der aus einer Reihe globaler Trends im DV-Markt herrührt, die auch für die sich entwickelnde Softwarebranche der DDR richtungsweisend sind:

Die relative Marktbedeutung der großen DV-Anwender geht zurück, immer mehr mittlere und kleine DV-Anwender bestimmen die Nachfrage nach Software und DV-Dienstleistung; Großunternehmen setzen immer mehr kleine Abteilungssysteme und PC ein und nutzen Standardsoftware; bauen unternehmensübergreifende integrierte Informationssysteme auf, für die sie hochqualifizierte externe Beratung einsetzen und suchen international verfügbare Anwendungs-Software-Produkte.

Erfolgreiche Produkte der 90er Jahre müssen - um wettbewerbsfähig zu sein - Intelligenz aufweisen.

Produkte mit einem hohen Anteil an leistungsfähiger Informationsverarbeitung erfordern wiederum ständige individuelle Softwareinnovation. Eine Lösung dazu ist die ingenieurmäßige Entwickung von Computerprogrammen und die industrielle Fertigung von Software. Das sollten künftig Jungunternehmer auf dem Softwaresektor vor Augen haben.