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23.07.1993

SW-Lizenzierung: Noch kein Ende der Proteste in Sicht

Die Diskussion um die Softwarwe-Lizenzierung hat schon so manches Anwendergemuet erhitzt. Die Betreiber von Grossrechnern sehen beispielsweise nicht ein, dass sie im Falle einer Hardware- Aufruestung fuer die funktionsgleiche Software um ein Vielfaches mehr bezahlen muessen - selbst dann, wenn die Benutzeranzahl und die Menge der Aufrufe unveraendert bleiben. Aber auch im PC- Bereich, wo seit einiger Zeit Verfahren wie unternehmensweite Lizenzierungen im Kommen sind, liegt noch vieles im argen. So klagen die Anwender ueber ungerechte Preise und uneinheitliche Lizenzbedingungen. Der Druck auf die DV-Manager waechst: Zum einen werden die DV-Budgets gekuerzt, zum anderen heisst es, genauen Ueberblick ueber die eingesetzte Software und ihre rechtmaessige Nutzung zu bewahren. Ab Ende Juni tritt naemlich die EG-Richtlinie zum Urheberrechtsschutz, die eine noch groessere Haftung der Verantwortlichen mit sich bringt, auch in Deutschland in Kraft.

Wenn jemand Softwarepreise nur nach der jeweiligen CPU-Groesse berechnet, dann kann er gleich maskiert und bewaffnet aufkreuzen - es ist Raub!", so macht Tom Idema, Chairman der amerikanischen HP- User-Group, seinem Unmut Luft. Hierzulande aeussern sich die Anwender vorsichtiger, wenn auch nicht weniger unzufrieden. "Ein Grossteil der DV-Manager kritisiert die momentanen CPU-orientierten Berechnungsverfahren", berichtet Joachim Zeiler, DV- Verantwortlicher der Wohnungsbau-Rechenzentrum Berlin GmbH und Vorstand der SNI-User-Group Save. Bis jetzt fanden diese Klagen bei der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG kein Gehoer. SNI berechnet die Softwarekosten im Grossrechner-Bereich ausschliesslich nach der Rechnergroesse und hat nach eigenen Angaben auch keine Plaene, dies zu aendern.

Im Gegensatz dazu hat die IBM vor kurzem die Einfuehrung einer benutzer- und nutzungsabhaengigen Lizenzierung angekuendigt. Die Reaktionen der Anwender darauf sind grundsaetzlich positiv, wenngleich sich die Begeisterung besonders in bezug auf das Usage- orientierte Verfahren in Grenzen haelt. "Es darf nicht darauf hinauslaufen, dass der Betreiber der Rechenanlage die Kontrollinstanz fuer die IBM spielen und die Ueberwachung uebernehmen muss", betont Dietmar Erwin, DV-Verantwortlicher des Forschungszentrums Juelich und President der IBM-User-Group Share Europe.

Schwierigkeiten erwartet er vor allem dann, wenn verschiedene Messwerkzeuge unterschiedlicher Softwarehersteller beim Anwender zum Einsatz kommen. Hier sei ein einheitliches Vorgehen der Anbieter erforderlich.

Bis jetzt werden verschiedene Mess-Tools noch von Anwendern und der IBM getestet. Erst waehrend des ersten Quartals 1994 wird endgueltig feststehen, wie die Berechnungsgrundlage fuer die nutzungsorientierte Lizenzierung konkret aussehen soll.

Deshalb sind die Anwender bei der Beurteilung dieses Verfahrens erst einmal vorsichtig. Damit es sich in der Praxis durchsetzen kann, so Erwin, muessen folgende Kriterien erfuellt sein: "Bei der Kostenberechnung muss es beispielsweise einen Toleranzbereich geben, da die Planbarkeit der Ausgaben ein wichtiger Gesichtspunkt ist. Zudem sollten die Abrechnungsverfahren uebersichtlich und transparent sein."

Ausserdem muesse gewaehrleistet sein, dass kein zusaetzlicher administrativer Aufwand entstehe. Aehnliche Bedenken aeussert Erwins Kollege Zeiler: "Software nach der Nutzung zu berechnen, ist zwar die gerechtere Methode, aber ich fuerchte, dass die Organisation mehr kostet als sich an SW-Kosten einsparen laesst." Das Verfahren, die Softwarekosten nach der Anzahl der Benutzer zu ermitteln, bedeute hingegen relativ geringen organisatorischen Aufwand. Trotzdem kann Zeiler sich einige Bereiche vorstellen, in denen eine nutzungsbasierte Lizenzierung sinnvoll waere, beispielsweise fuer Sonderprogramme, die nur sehr selten zum Einsatz kommen.

Das Berliner Wohnungsbau-Rechenzentrum benoetigt beispielsweise zweimal im Jahr fuer seine Kunden eine spezielle Auswertung. Das hier in Frage kommende Programm ist aber als Pauschallizenz auf dem Grossrechner so teuer, dass der Einsatz nicht in Frage kommt. "Mit der nutzungsabhaengigen Grundlage waere hier auch den SW- Herstellern geholfen. Fuer sie ist es doch auch besser, ich kaufe ein Stueckchen Software als gar keines", fuehrt der DV- Verantwortliche Zeiler weiter aus.

Ob aber die nutzungs- beziehungsweise die benutzerbezogene Lizenzierung fuer alle Anwender in Frage kommt, ist hoechst fraglich. Es ist anzunehmen, dass die Staffelung seitens der SW- Hersteller so erfolgt, dass dieses Verfahren nur fuer kleinere Unternehmen eine lohnende Alternative bietet. Diese Erfahrung machte auch das Wohnungsbau-Rechenzentrum. Hier rechnete der DV- Verantwortliche anhand einer Oracle-Loesung die SW-Kosten auf Basis der Benutzeranzahl und der CPU aus. Da relativ viele Endanwender Zugriff auf das System haben, hat sich die Pauschallizenz als guenstiger herausgestellt.

Alles in allem ist Zeiler aber der Ueberzeugung, dass sich gerade die Software-Anbieter auf Mainframebasis durch ihre Politik der Pauschallizenzen ins eigene Fleich schneiden: "Je teurer die Host- Lizenz, desto mehr Anwender werden Downsizing-Loesungen bevorzugen."

Hersteller von PC-Software bieten neben den Einzelplatz-Versionen vermehrt unternehmensweite Lizenzen an. Durch sie kommen besonders die grossen Anwender in den Genuss relativ grosszuegiger Rabatte. Zwar mag kein Anbieter konkrete Angaben ueber die Hoehe des Nachlasses machen, aber Brancheninsider gehen davon aus, dass die Einsparungen 30 Prozent und mehr betragen koennen.

Bei der unternehmensweiten Lizenzierung melden die Unternehmen dem SW-Anbieter normalerweise am Quartalsende die genaue Stueckzahl der eingesetzten Programme und zahlen ihnen dementsprechend Gebuehren. Diese Regelung klingt zwar recht einfach, kann aber in der Praxis zu erheblichen organisatorischen Schwierigkeiten fuehren. Die vertragsfuehrende Stelle muesste naemlich ueber alle in den einzelnen Abteilungen eingesetzten Programme genau Bescheid wissen - in zersplitterten Grosskonzernen sicher keine einfache Angelegenheit.

"Wir kennen Anwender, die ueber 250 Beschaffungsstellen haben - alle duerfen selbstaendig einkaufen. Der Verantwortliche moechte natuerlich nicht saemtliche Daten der 250 Stellen sammeln und am Quartalsende koordinieren", erklaert Michael Schmidt, der aufgrund seiner Taetigkeit als Advance Service Sales Manager bei dem SW- Dienstleister Corporate Software in Muenchen mit vielen Anwenderproblemen konfrontiert ist.

Die Technischen Werke der Stadt Stuttgart, die ueber rund 400 PCs verfuegen, haben das organisatorische Problem dezentral geloest. Die einzelnen Fachabteilungen kuemmern sich um die Softwarelizenzierung und benennen dafuer Verantwortliche, die die entsprechenden Nachweise fuehren.

Waeren in einem Unternehmen alle PCs vernetzt, liesse sich der Nachweis der eingesetzten Programme einfacher erbringen. Bis jetzt muessen die Anwender organisatorische Huerden ueberwinden, an denen sie allerdings nicht immer unschuldig sind: "Wenn fuer ein Update, das heute 250 Mark kostet, fuenf Unterschriften auf ein Blatt Papier muessen, wird die Organisation teurer als der Einkauf", bringt Schmidt das Problem auf den Punkt.

Aber auch die Konditionen der Hersteller machen den Anwendern das Leben schwer. So rufen die Zahlungskonditionen einiger Anbieter bei den Betroffenen Unmut hervor. "Bei den unternehmensweiten Lizenzierungen werden relativ hohe Geldsummen ad hoc abgefordert. In der derzeitigen wirtschaftlichen Lage ist es schwierig, dies dem Management zu erlaeutern", erklaert Dietrich Lueben, BK-Leiter beim ADAC in Muenchen.

Zu den Anwendern, fuer die die unternehmensweiten Lizenzen aufgrund der geforderten Abnahmegroessen nicht in Frage kommen, gehoeren die Technischen Werke in Stuttgart. "Die meisten unternehmensweiten Angebote setzen 500 oder 1000 Programminstallationen voraus. Deshalb warten wir und machen dann eine Sammelbestellung in 20er oder 50er-Einheiten, was einen hohen organisatorischen Aufwand erfordert", erzaehlt Guenter Schmitz, Leiter des Benutzerservice bei dem Stuttgarter Betrieb. Fuer ihn waere es eine grosse Arbeitserleichterung, wenn er vom Hersteller beziehungsweise Lieferanten eine Masterdiskette erhielte, von der er je nach Nachfrage die entsprechenden Programme installieren koennte. Seiner Ansicht nach koennte eine Art Counter auf dem Originalprogramm die Zahl der Kopien speichern, die dann dem Hersteller bei der Abrechnung gemeldet wuerden.

Gerade groessere Anwender koennten sich aber ein noch unbuerokratischeres Vorgehen vorstellen. "Die meisten wuenschen sich eine echte Firmenlizenz, wollen also nur eine Gebuehr zahlen, mit der der gesamte Software-Einsatz abgedeckt ist - egal ob beispielsweise 193 oder 210 Lizenzen in Gebrauch sind", berichtet Schmidt von der Corporate Software. Auf der Basis der aktuellen Anzahl der PCs und des erwarteten Zuwachses liessen sich die Gebuehren der Firmenlizenz errechnen, ohne dass eine zentrale Stelle quartalsmaessig alle Lizenzen erfassen und weitergeben muesste.

Oft sorgen auch die unterschiedlichen Lizenzkonditionen der einzelnen Anbieter fuer Verwirrung unter den Anwendern. Beispielsweise wird die Frage, ob eine Buerolizenz auch zu Hause genutzt werden darf, von nahezu jedem Hersteller anders beantwortet. Manche erlauben die Installation der Software auf dem Rechner des Mitarbeiters im eigenen Heim, andere verlangen eine weitere Vollizenz. Und einer hat sich fuer eine Art Mittelweg entschieden, was bei den DV-Leitern auf wenig Gegenliebe stoesst. "Mit einer Bestimmung, die besagt, dass die Buerolizenz zu 20 Prozent auch daheim benutzt werden kann, bringen sie jeden DV- Verantwortlichen auf die Palme", berichtet Schmidt aus seiner taeglichen Praxis. Zur Verwirrung trage ausserdem bei, dass die Hersteller ihre Vertragsbedingungen haeufig veraenderten.

Rein juristisch braucht man zwei Lizenzen, wenn das Programm im Buero und daheim installiert ist. Einige Hersteller erlauben jedoch den privaten Einsatz, wenn eine parallele Nutzung im Buero und zu Hause ausgeschlossen ist. Auf Nummer Sicher gehen die Technischen Werke, die fuer jeden Mitarbeiter, der in den eigenen viert Waenden arbeitet, eine Vollizenz kaufen. Zudem versieht das Unternehmen die PCs, die durch Passwoerter geschuetzt sind, mit einer Benutzeroberflaeche, von der aus keine Programme kopiert werden koennen. Benutzerservice-Leiter Guenter Schmitz, begruendet dies: "Das Unternehmen hat keine Kontrolle, was ein Mitarbeiter mit der Software macht. Zwar kann man ihn durch schriftliche Erklaerungen dazu verpflichten, keine Programme zu kopieren, aber wir halten die technischen Beschraenkungen fuer sicherer."

Auch fuer den ADAC-Mitarbeiter Lueben sind bei den Lizenzvertraegen noch viele Fragen offen. Nicht geklaert sei beispielsweise, ab wann eine Lizenz gueltig ist - schon ab der Bestellung oder erst beim Eintreffen des Pakets im Unternehmen. Ausserdem stelle sich die Frage, ob sich nicht saisonale Schwankungen beruecksichtigen lassen. Seine Begruendung: "Viele Unternehmen benoetigen kurzfristig viele Softwarepakete, die den Rest der Zeit ungenutzt herumliegen."

Zu klaeren sei ferner, ob ein Unternehmen nicht die Fehlzeiten der Mitarbeiter bei der Preisfindung geltend machen kann. "Ein Angesteller ist durchschnittlich 30 Tage im Urlaub und 14 Tage krank. Heisst das, dass man nur 80 Prozent des Preises zahlen muss?", fuehrt Lueben weitere Diskussionspunkte an. In der ADAC-Zentrale wird zum Teil immer noch Word 5.0 eingesetzt. Da inzwischen die Nachfolgeversion vorliegt, befuerchtet Lueben, dass es bei weiteren Bestellungen des Releases 5.0 Schwierigkeiten geben koennte.

Immer mehr Unternehmen machen es wie der Automobilclub und ueberspringen die eine oder andere Version. "Die Endanwender waeren ueberfordert, wenn wir jeden Release-Wechsel mitmachen wuerden. Oft kommt ueberhaupt nur ein Bruchteil der neuen Funktionen zum Einsatz", erklaert Guenter Schmitz. Noch deutlicher wird der DV- Verantwortliche Dietmar Erwin: "Die neuen Versionen kommen haeufiger, als dem Kunden lieb ist." Ausserdem spiele die finanzielle Belastung eine erhebliche Rolle: "Gerade im Grossrechnerbereich machen die Kosten fuer die Versionsumstellungen nicht wie bei den PCs einige hundert, sondern einige hunderttausend Mark aus. Deshalb wird der Einsatz neuer Software verzoegert."

Zu den Kritikpunkten der Anwender gehoeren die Ungereimtheiten bei der Preispolitik der Anbieter. "Der ADAC als Grossunternehmen mit professionellen Support, muss den vollen Softwarepreis zahlen. Wenn man jedoch bei Billiganbietern einen PC kauft, bekommt man das Programm fast umsonst, hat aber vollen Support", kritisiert BK- Leiter Lueben. Deshalb sei er fuer die Trennung von Software- und Supportkosten.

Um Interessierten einen Ueberblick zu geben, will die deutsche Anwendervereinigung Microcomputer Managers Association (MMA) die verschiedenen Lizenzbedingungen in einer Datenbank sammeln und fuer die Mitglieder abrufbar machen. Zudem plant die Organisation, der Dietrich Lueben als Praesident vorsteht, eine Art Musterlizenzvertrag aufzustellen, um diesen mit den einzelnen Herstellern durchzusprechen.

Die DV-Manager werden sich kuenftig nicht nur mit den organisatorischen, sondern auch mit den rechtlichen Konsequenzen der Softwarelizenzen gruendlicher beschaeftigen muessen. Nachdem das EG-Recht zum Urheberrechtschutz Ende Juni verabschiedet wurde, ist es ab sofort auch in Deutschland gueltig. Die Neuerung erlaeutert Michael Lehmann vom Max-Planck-Institut fuer Patentrecht in Muenchen folgendermassen: "Jede kommerziell verwertbare Software, die mehr als zirka 300 Zeilen umfasst, ist jetzt regelmaessig geschuetzt. Frueher war der Schutz sehr strittig und bedeutete oft langjaehrige Verfahren und komplizierte Gutachten. Jetzt macht sich jeder, der solche Software kopiert, ohne eine Lizenz zu haben, strafbar."

Das Unternehmen oder der damit beauftragte DV-Verantwortliche hafte fuer den Einsatz illegaler Kopien. "Sie muessen organisatorische Vorsichtsmassnahmen treffen, also die Mitarbeiter darauf hinweisen, Stichproben machen oder einem Mitarbeiter, der wiederholt illegal kopiert, die Kuendigung androhen", informiert Michael Lehmann. Falls ein Unternehmen diese Massnahmen nicht ergreife, hafte es und muesse beim Einsatz von Raubkopien die entsprechende Geldbusse zahlen.

Hiltrud Puf

"Je teurer die Host-Lizenz, desto mehr Anwender werden Downsizing- Loesungen bevorzugen."

Joachim Zeiler, DV-Verantwortlicher der Wohnungsbau-Rechenzentrum Berlin GmbH und Vorstand der SNI-User-Group Save.

"Es darf nicht darauf hinauslaufen, dass der Betreiber der Rechenanlage die Kontrollinstanz fuer die IBM spielen mu"

Dietmar Erwin, DV-Verantwortlicher des Forschungszentrums Juelich und President der IBM-User Group Share Europe.

"Wenn fuer ein Update, das heute 250 Mark kostet, fuenf Unterschriften auf ein Blatt Papier muessen, wird die Organisation teurer als der Einkauf."

Michael Schmidt, Advance Service Sales Manager bei Coporate Software in Muenchen.

"Die Endanwender waeren ueberfordert, wenn wir jeden Release-Wechsel mitmachen wuerden."

Guenter Schmitz, Leiter des Benutzerservice der Technischen Werke der Stadt Stuttgart.