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14.12.1984 - 

Nordrhein-westfälische Straßenverwaltung fährt mit dreiteiligem DV-Konzept:

SW nach Maß kostet Nerven und spart Geld

KOBLENZ - Kein großes Vertrauen bringt Gerhard Hagner, der EDV-Abteilungsleiter der rheinland-pfälzischen Straßenverwaltung, Standardprogrammen für technische Anwendungen entgegen, die man nach dem Motto "Nun macht mal" zur Verfügung gestellt bekommt. Der Autor, der im folgenden Beitrag die Genesis der DV in seinen Ämtern seit 1969 beschreibt, sieht trotz des großen Zeitaufwands bei der Entwicklung maßgeschneiderte Software eindeutig als die im Endeffekt wirtschaftlichere Lösung an.

Die Anfänge der elektronischen Datenverarbeitung reichen bei der Straßenverwaltung von Rheinland-Pfalz bis in das Jahr 1969 zurück. Damals richtete die Direktion der Koblenzer Verkehrsbehörde eine DV-Abteilung ein, um sämtliche Fachbereiche des Straßenwesens systemanalytisch zu untersuchen und das daraus abgeleitete Automationsvorhaben organisatorisch sowie technisch vorzubereiten. DV-relevante Arbeitsabläufe ergeben sich vornehmlich in den Bereichen Straßenplanung, Verkehrstechnik, Ausschreibungen, Bauabrechnungen, Haushaltswesen, Bauwerksentwurf, Statik, Vermessungswesen sowie Verwaltungs- und Personalwesen.

Parallel zu der Automation in diesen Fachbereichen wurde mit dem Aufbau einer Straßendatenbank begonnen, in der inzwischen die geometrischen, bautechnischen, verkehrstechnischen und konstruktiven Bestandsdaten aller Straßen und Brücken des Landes für vielfältige Anwendungszwecke gespeichert sind.

Zu Beginn der maschinellen Ausstattung setzte die Straßenverwaltung neben einigen Kartenlochern die ersten MDS-Datarecorder ein. Gerechnet wurde zunächst "zu Fuß" auf der Großrechenanlage der Oberfinanzdirektion (OFD) in Koblenz. Die Installation einer MDS-2400 mit 16 KByte und einem 360/20 Emulator als RJE-Station erfolgte 1973. Eine 9600-Baud-Standleitung mit der OFD-Anlage, damals einer IBM 360/55, verband beide Systeme. Bereits ein Jahr später konnte die gesamte Datenerfassung auf das Datensammelsystem MDS-2404 mit seinerzeit 36 KByte und acht Erfassungsplätzen umgestellt werden. Inzwischen ist für den RJE-Betrieb (unter 3776/77-Emulation) ebenso wie für das Datensammelsystem je eine MDS-2410 im Einsatz, als Host-Rechner dient jetzt eine IBM 3083 JX3 (XA).

Automation im ingenieurtechnischen Bereich schließt zwangsläufig die grafische Datenverarbeitung mit ein. Anfang der siebziger Jahre wurde eine elektronisch gesteuerte Zeichenanlage installiert. Ein Steuerrechner, der mittlerweile Online über die MDS-2410 mit dem Großrechner verbunden ist, bedient zwei Zeichentische mit 10 beziehungsweise 100 Zentimetern pro Sekunde Zeichengeschwindigkeit. Mit dieser Anlage, 1981 ergänzt um einen grafischen Bildschirm, wird der Planbedarf der Verwaltung weitgehend abgedeckt.

Veranlaßt durch die neuen DV- und Übertragungstechnologien wich mit Beginn der 80er Jahre das bis dahin verfolgte Konzept der zentralen Datenverarbeitung zugunsten der verteilten dezentralen DV-Anwendung. Das hierbei verfolgte Ziel sieht vor, daß sowohl die Fachabteilungen der Direktion als auch sämtliche 18 nachgeordneten Behörden mit Bildschirmterminals ausgestattet werden. Jeder Arbeitsplatz soll dabei den Funktionsanforderungen der Daten- und Textverarbeitung, der Datenerfassung sowie der Daten- und Textkommunikation gleichermaßen gerecht werden. Diese Anforderungen an einen multifunktionalen Arbeitsplatz können nur mit "Intelligenz vor Ort" erfüllt werden.

Die Wahl fiel auf das MDS-System 21 des amerikanischen Herstellers Mohawk Data Sciences. Zeitgleich mit der erfolgreichen Einführung und Erprobung des 3270-SNA-Emulators fiel der Entschluß, dieses System im Gesamtbereich der Verwaltung einzusetzen. Vorausgegangen war im Jahre 1982 eine Testinstallation bei der Direktion in Koblenz zur Erprobung der Systemkomponenten unter extrem praxisnahen Feldbedingungen.

Um Bildschirmarbeitsplätze für die Programmierung sowie für den Auftragsdienst zu schaffen, hielt zunächst eine MDS-21 in der DV-Abteilung in Koblenz Einzug. Anfang 1983 installierte das Straßenbauamt Cochem als erste Außenstelle ein 21er System; nach erfolgter Inbetriebnahme folgten im Quartalsrhytmus weitere Ämter. Inzwischen sind mit Ablauf des Jahres 1984 die Direktion sowie insgesamt 12 nachgeordnete Ämter mit je einem MDS-System der Serie 21 ausgestattet; die restlichen sechs Ämter werden im Laufe des Jahres 1985 in gleicher Weise ausgerüstet.

Die rheinland-pfälzische Straßenverwaltung bevorzugt individuell zugeschnittene Programme in erster Linie deswegen, weil dort zu 70 bis 80 Prozent mathematische Anwendungen gefahren werden. Deutsche Unternehmen bieten auf dem Sektor der Maßarbeit oft keine hinreichende Hilfestellung an. Vielmehr versuchen sie, Standardprogramme mit Funktionen an den Mann zu bringen, die an der gewünschten Lösung häufig vorbeilaufen. Durch die Zusammenarbeit mit MDS sind den DV-Oberen keine Mehrkosten entstanden, da das Unternehmen die Software-Speziallösungen in der Regel

hinterher zum Standard erhob und damit auch anderweitig absetzen konnte. Ein Problem, das den kommunalen Straßenämtern Kopfzerbrechen bereitet hat, sollte an dieser Stelle allerdings nicht verschwiegen werden: Maßarbeit kostet viel Zeit; Planüberschreitungen waren deshalb unvermeidbar. Ebenso führte der gemeinsame Wunsch nach Kooperation zu terminbedingten Verzögerungen. Hinzu kommt, daß die Koblenzer Direktion nur das freigibt, was vorher wirklich auf Herz und Nieren geprüft wurde. Darum steht in der DV-Zentrale auch ein System, das haargenau so aufgebaut ist, wie die Anlagen in den 18 dezentralen Ämtern.

Trotz des großen Zeitbedarfs bei der Softwareentwicklung und Softwareprüfung hat sich dennoch herausgestellt, daß eine maßgeschneiderte Lösung langfristig gesehen wirtschaftlicher ist, als der Einsatz eines Standardprogrammes.

Über ein landesweites Standleitungsnetz (Übertragungsgeschwindigkeit 4800 Baud) sowie Digitalknoten der Post sind die Außenanlagen mit der IBM 3083 bei der OFD in Koblenz verbunden.

Im praktischen Einsatz der Systeme wurde sehr bald deutlich, daß die fachbezogen heterogenen Anwendungen neben dem reinen TSO-Betrieb eine vielseitige Druckausgabe erforderten, wie sie nur im RJE-Betrieb möglich sind.

Mit dem SNA vom Typ 3274/3776 wurde die Möglichkeit geschaffen, über eine Leitung gleichzeitig im TSO- und im RJE-Betrieb zu arbeiten. Nach relativ kurzer Testphase kam man zu der Überzeugung, diese Emulation auf allen bereits installierten und geplanten 21er Systemen einzusetzen.

Neben der selektiven Ausgabe verschiedener Formklassen ist es nunmehr möglich, Druckausgaben bei Bedarf vor- oder zurückzusetzen, vor Beendigung abzubrechen beziehungsweise den Druckvorgang vorübergehend zu unterbrechen und wieder zu starten. Ein weiteres Merkmal der Remote-Fähigkeit der Serie 21 ist die Beschleunigung der Druckausgabe durch die Übertragung im "Full-Compression-Mode". Außer der damit verbundenen guten Ausnutzung der Druckerleistung hat diese komprimierte Druckzeichenübertragung künftig einen wirtschaftlichen Effekt: Die Post wird die Verkehrsgebühren für das Direktrufnetz nicht mehr pauschal, sondern nach Nutzungszeit berechnen.

Nicht zuletzt eröffnete diese RJE-Systemergänzung die Möglichkeit, parallel zum TSO-Betrieb Stanzausgaben zu starten und gezielt, beispielsweise auf Diskette, Platte oder Band, auszugeben beziehungsweise Eingabedaten von diesen Medien auf den Host-Rechner zu übertragen.

Angesichts der vor allem mathematisch-technischen Aufgaben der Straßenverwaltung war für die Wahl des Systems 21 auch entscheidend, daß neben dem Terminal-Betrieb verschiedene unerläßliche Offline-Funktionen ausgeführt werden können. Hierzu zählen insbesondere die Datenerfassung, die Textverarbeitung, die Unterstützung des Datenträgeraustauschs sowie die freie Programmierbarkeit.

Eine Ende 1983 durchgeführte Bedarfsanalyse zum Thema "Textverarbeitung" machte deutlich, daß im Hinblick auf Organisationsstruktur und Aufgabenstellung der Straßenverwaltung vier grundlegende Anforderungskriterien für die Systemwahl maßgebend sind:

- Einheitlichkeit der Textsysteme bei der Direktion und allen Ämtern

- Durchgriffsmöglichkeit zum Großrechner

- Textbearbeitung und Information an jedem Bildschirmarbeitsplatz

- Landesweite Textkommunikation (Mailbox) zwischen allen Dienststellen zur Verwaltung.

Diese Voraussetzungen konnten mit dem System 21 erfüllt werden, nachdem eine Testimplementierung von "WORD 21" die erforderlichen Ergebnisse hinsichtlich der Leistungsfähigkeit und Vielseitigkeit erbracht hatte. Seit Frühjahr 1984 wird dieses Textsystem eingesetzt.

Eine wichtige Funktionskomponente der MDS 21 ist, wie erwähnt, deren freie Programmierbarkeit. Vornehmlich im technischen Bereich fallen bei den Dienststellen der Straßenverwaltung eine Vielzahl von Rechenoperationen an, die vor Ort schneller durchführbar sind als über den Großrechner, deren Ergebnisse jedoch unter Umständen als Eingabedaten für Dialoganwendungen benötigt werden. Das Konzept für die Entwicklung entsprechender Programme sieht vor, daß einzelne Mitarbeiter der Ämter in einer Programmiersprache geschult werden. Programmvorgabe und Kodierung erfolgen sodann vor Ort, während Umwandlung, Test, Freigabe und Verteilung der Programme zentral von der DV-Abteilung in Koblenz vorgenommen werden. Der jeweils erforderliche Transfer soll im Dialogbetrieb vonstatten gehen.

Eine derartige zentral geführte Programmbibliothek bietet die Gewähr dafür, daß die darin enthaltenen Programme optimal gepflegt und allen Ämtern zugänglich gemacht werden können. Nicht zuletzt wird auf diesem Wege unerwünschter Wildwuchs und Mehrfacharbeit vermieden.

Weitere zentrale Aufgaben sind die Entwicklung von Dialog-Fachprogrammen einschließlich der Anwenderbeschreibung, die Durchführung entsprechender Schulungen und der Störungsdienst. Sämtliche auftretenden Störungen, gleichgültig welcher Art sie sind und wo die Ursache vermutet wird, werden zunächst der DV-Zentrale in Koblenz mitgeteilt. Hier erfolgt die Fehleranalyse, nach Möglichkeit die Fehlerbeseitigung und gegebenenfalls die Einschaltung der für die Bereiche "Großrechner", "Leitung" oder "Terminal" zuständigen Service-Stellen.

Die Ende des Jahres 1985 abgeschlossene Ausstattung aller Dienststellen der Verwaltung stellt den ersten wichtigen Schritt einer Entwicklung dar, die den Ingenieuren der Straßenverwaltung Rheinland-Pfalz ein Hilfsmittel zur Bewältigung ihrer Aufgaben an die Hand gibt. In der nächsten Phase wird die Möglichkeit der Ergänzung des numerischen Arbeitsplatzes um einen grafischen Bildschirm anzugehen sein.

Der Anwender

Der Straßenverwaltung Rheinland-Pfalz obliegt die Planung, der Bau und die Unterhaltung der Autobahnen sowie der Bundes-, Landes- und Kreisstraßen des Landes mit einer Streckenlänge von insgesamt etwa 18 500 Kilometern. Sie ist die obere Straßenbaubehörde und untersteht dem Ministerium für Wirtschaft und Verkehr in Mainz. Der Direktion in Koblenz sind 18 regional zuständige Behörden nachgeordnet (neun Straßenbauämter, acht Straßenneubaudienststellen sowie ein Autobahnamt). Zu den Straßenbauämtern und dem Autobahnamt gehören darüber hinaus insgesamt 78 Straßenmeistereien und 12 Autobahnmeistereien. Insgesamt sind bei der rheinland-pfälzischen Straßenverwaltung 5300 Angestellte, Beamte und Arbeiter tätig. Die Koblenzer Direktion zählt 370 Beschäftigte, wovon wiederum, in der zentralen DV-Abteilung 51 Personen angestellt sind.