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11.03.1988 - 

Softwareschmieden sollten sich den Forderungen der Anwender nach Standards beugen:

SW-Portabilität wird zum K.o.-Kriterium der Branche

Wer morgen noch am Softwaregeschäft teilhaben will, muß bereits beute hardwareunabhängig entwikkeln. Gleichwohl scheinen einige Hersteller diesen Trend hartnäckig zu ignorieren und warten mit eigenen Konzepten auf. Mario Pelleschi* hält es denn auch für mehr als fraglich, ob damit der Erfolg gesichert werden kann.

Wenn auch die Standardisierungen heute noch nicht so weit fortgeschritten sind, wie es wünschenswert wäre, so ist doch offensichtlich, daß die in Gang gekommenen Bestrebungen von ernsthaften Absichten getragen werden. Der Anwendertrend geht eindeutig dahin, für die Aufgabenstellung geeignete Spezialsysteme einzusetzen. Dazu zählen PCs als Abteilungsrechner, Workstations im CAD/CAE-Bereich, Minis in der Fertigungssteuerung, Mainframes im zentralen Rechenzentrum oder Supercomputer als "Numbercruncher". Trotz dieser sehr heterogenen Architektur verlangt der Benutzer jedoch nach einer zentralen Steuerung, einer einheitlichen Bedienerführung und Benutzeroberfläche sowie nach konsistenten, nicht redundanten Datenbeständen.

Closed-Shop-Betrieb nicht mehr zeitgemäß

Dem kommen die Bemühungen bei der Standardisierung stark entgegen, indem heute bereits Übertragungsprotokolle, Schnittstellen oder Zugriffsverfahren weitgehend einheitlich gestaltet werden. Diese Bestrebungen auf der Hardwareseite müssen sich auch auf die Software auswirken, will man auf Dauer ein Wort am Markt mitreden.

Gerade im Zuge der Dezentralisierung von Rechenleistung ist dies unumgänglich, denn es gibt heute kaum noch einen Systemspezialisten, der im Closed-Shop-Betrieb allein vor seiner Konsole sitzt und jedes Programm kennt. Statt dessen hat man es mit zahlreichen, oft auch noch gleichzeitigen Anwendern zu tun, die im Dialog mit dem Rechner arbeiten und nur selten oder überhaupt keine Zeit haben, um sich für jedes Programm eine neue Bedienungsanleitung zu erarbeiten.

Mit einem einzigen Produkt kann man nicht überleben

Darüber hinaus sind Softwarehäuser heute gezwungen-wenn sie auf lange Sicht prosperieren wollen-sehr stark zu diversifizieren, und zwar sowohl horizontal als auch vertikal. Mit nur einem oder wenigen Produkten kann ein Überleben auf Dauer nicht gesichert werden. Tendenzen in diese Richtung sind derzeit reichlich zu beobachten. Fusionen, Aufkäufe und Übernahmen sind an der Tagesordnung. Speziell läßt sich eine horizontale Diversifikation realisieren, ohne erst einen neuen Spezialistenstab für neue Produktlinien aufbauen zu müssen. Andererseits läßt sich so eine vertikale Diversifikation ebenfalls ohne großen Aufwand realisieren, da auch hier bestehende Strukturen übernommen werden können. Nur über eine Diversifikation lassen sich schnell und gezielt neue Märkte erschließen, die Kapazitätsauslastungen verbessern und die Risikostreuung verringern.

Softwarehersteller übernehmen heute eine ganz andere Funktion als in den letzten zehn Jahren. Damals gab es eine Vielzahl von kleineren "Softwareschmieden", deren Programme im Normalfall kaum oder nur unter großen Schwierigkeiten portierbar waren. Größere Unternehmen hielten sich eine eigene DV/Org.-Abteilung mit einem Stab von Programmierern und Systemprogrammierern für die Pflege und Wartung des Datenbestandes.

Inzwischen stellt sich die Situation völlig verändert dar. Die Softwareproduktion hat sich zu einem eigenen Industriezweig entwickelt, der langfristig vollkommen andere Ziele verfolgt, als noch vor zehn Jahren. Die Gründe für diese veränderten Anforderungen sind vielschichtig:

- Mit dem Preisverfall der Hardware hat sich die Zahl der eingesetzten Computer-vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen-drastisch erhöht. Somit stieg auch die Nachfrage nach anwendungsfreundlicher Software erheblich an.

- Die immer leistungsfähigeren Prozessoren verlangen nach Softwarelösungen, die auch in der Lage sind, die vorhandene Prozessorleistung voll auszunutzen.

- Individualprogrammierung ist aus Kosten-/Nutzengründen schwer realisierbar. Gefragt sind indessen hochwertige Standardprodukte, die leicht portierbar sind.

- Starke Dezentralisierungstendenzen führen dazu, daß immer öfter statt ausgebildete Operatoren, Kräfte aus den Fachabteilungen den Rechner direkt nutzen. Das hat zur Folge, daß Benutzerschnittstellen standardisiert werden müssen und bedingt ein Integrationskonzept, das es erlaubt, unterschiedlichste Produkte in ein geschlossenes Anwenderkonzept ohne große Modifikationen einzubinden.

- Standardisierungsbestrebungen

(X/Open, MAP, TOP, COS, OSI, Unix) bedingen eine zunehmend hardwareunabhängige Softwareentwicklung, entsprechende Schnittstellen und Migrationshilfen, um neue Software in ein geschlossenes Konzept einzubinden.

- Während der Hardwarehersteller von einem eventuellen Hardwarewechsel des Kunden sein Potential gefährdet sieht, sind für ein Softwareunternehmen, gerade durch die Portabilitätsmöglichkeit der Software, hier weitere Ansatzmöglichkeiten zu sehen. Denn: Es gibt heute zwar hardwareunabhängige Softwarelösungen, aber es wird schwierig sein, softwareunabhängige Hardware zu entwickeln.

Augenfällig ist in erster Linie der starke Trend zu integrierten Standardanwendungen, die für den Anwender einen hohen Grad an Transparenz und Benutzerfreundlichkeit bieten müssen. Vor allem im PC-Bereich ist diese Tendenz bereits seit einiger Zeit spürbar. Hier wurden durch einige Softwarelösungen Quasi-Standards-etwa bei der Tabellenkalkulation oder bei integrierten Softwarepaketen-gesetzt, deren weite Verbreitung andere Softwareanbieter zwingt, Lösungen zu präsentieren, die zu den Quasi-Standards kompatibel sind. Doch werden sich in diesem Sektor letztendlich nur einige wenige Anbieter etablieren können, die aufgrund hoher Stückzahlen, umfangreicher Vertriebsnetze und ausgereiftem Service auch in der Lage sind, überregional zu agieren und dennoch kostengünstig anzubieten.

Softwarehäuser, die ihre Entwicklungsarbeit außerhalb solcher "Standardpakete" plazieren wollen, sind gezwungen, mit einer Nischenstrategie zu arbeiten. Es gilt, noch unbesetzte oder wenig besetzte Bereiche zu finden, und dort mit hochspezialisierten modularen Softwaresystemen Lösungen anzubieten, die einen ganz speziellen Bedarf an Hard-oder Software abdecken. Diese Anbieter laufen jedoch immer Gefahr, mit den Entwicklungen der Standardisierung nicht mehr Schritt halten zu können und sollten sich rechtzeitig nach neuen Lücken umsehen.

Derzeit kann man diese Tendenz sehr schön an der Diskussion von CIM verfolgen. Die strategische Ausrichtung einer solchen Nischenphilosophie kann sowohl projektorientiert als auch branchenorientiert erfolgen. Beide Wege sind erfolgversprechend. Bedeutsam ist hier, daß diese Tendenz sich über Computersysteme aller Größenordnungen erstreckt: vom PC über Workstations und Minis bis zu Mainframes und Supercomputern.

Komplette Lösungen bestimmen die Zukunft

Die Zukunft wird also vornehmlich den Softwareanbietern gehören, die bereit und in der Lage sind, einerseits ihre Produkte entsprechend den veränderten Marktbedingungen auszurichten, und andererseits flexibel genug sind, um sich den immer kürzeren Produktzyklen der Hardware anzupassen. Es gilt, bereits heute die Trends von morgen zu erkennen und vorwegzunehmen. Auf Dauer werden das wahrscheinlich nur einige große Softwarehäuser können, die Dienstleistungspakete anbieten, also nicht nur Software liefern, sondern komplette Lösungen ermöglichen, die Beratung, Schulung und Implementation einschließen.

Die mittleren und kleineren Softwarehersteller sind sicherlich bestrebt, eine Produktintegration zu erreichen, um den Synergieeffekt ihrer Leistungen zu steigern. Darüber hinaus sind kleinere Unternehmen nur schlecht in der Lage, die Portabilität ihrer Produkte sicherzustellen, da sie nur selten über die notwendige umfangreiche Hardwareausstattung verfügen. Und Portabilität gilt-neben der Integrationsfähigkeit-in Zukunft als eines der wichtigsten Kriterien für Software überhaupt.