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31.03.1989 - 

Der Termindruck zerstört alle guten Vorsätze:

SW-Qualität senkt die Wartungskosten

WIEN (gfh) - Als zu aufwendig empfinden Programmierer die Qualitätssicherung bei der Software-Entwicklung (SQS). Zwar sind sie sich mit Herstellern und Kunden einig, daß Software mit überprüfbarer Qualität die Nachfolgekosten für Wartung eminent senken könnte, doch solange SQS nicht Bestandteil des Pflichtenheftes wird, geht Schnelligkeit vor Qualität.

Deutlich zeigte sich der Abstand zwischen Anspruch und Realität bei Qualitäts-Sicherung auf der 4. Softwaretest-Fachtagung in Wien. Die dort vorgeschlagenen Maßnahmen umfaßten die Erstellung eines Qualitätssicherungs-Handbuchs, die Einhaltung von DIN-Normen als Mindestanforderung, Schulungsmaßnahmen für Programmentwickler sowie die Einrichtung von Projektbibliotheken auf dem PC und den Einsatz von Methoden und Werkzeugen des Computer Aided Software Engineering (CASE).

Qualitätssicherung, so Walter Wintersteiger, der Präsident von Softwaretest Österreich, muß sich auf Normen berufen können. Softwareentwicklung als vergleichsweise junge Disziplin - die Architektur beispielsweise blickt auf tausende normenbildender Jahre zurück - stehe hier erst am Anfang ihrer Entwicklung.

Zwar gibt es bereits eine Reihe von nationalen und internationalen Normen, wie die DIN 66285 und die Qualitätsanforderungen der Nato AQAP-13 und -14, doch sie werden, so Wintersteiger, kaum wahrgenommen. Eine Vermutung, die durch die wiederholte Frage von Tagungsteilnehmern nach der Bezugsquelle für die Normen - dem Beuth Verlag in Berlin - bestätigt wurde.

Die konsequente Befolgung dieser Normen ist jedoch laut Wintersteiger nur möglich, wenn die Entwickler ein Handbuch zur Software-Qualitätssicherung in die Hand bekommen, das die bestehenden Festlegungen berücksichtige.

Der Vorteil eines solchen Handbuches läge zum einen in der Möglichkeit, bei der Programmierung planmäßig und qualitätsorientiert vorzugehen, um so kostenintensive Fehler im voraus zu vermeiden. Andererseits kann für eine so erstellte Software mit einer Qualitätsgarantie geworben werden, deren Inhalte der Kunde anhand des Qualitäts-Handbuches überprüfen kann.

Auch hier war die Zustimmung eher grundsätzlicher Natur. Die Befürchtung wurde laut, daß eine allzu strenge Reglementierung der Entwicklungstätigkeit der Kreativität schade. Programmierer, so hieß es, könnten den Spaß an der Arbeit verlieren, wenn ihnen von außen in ihren "persönlichen Stil" hineinreglementiert würde.

Keinen Widerstand löste dagegen die Perspektive aus, Software-Entwicklung computerunterstützt vorzunehmen. Mit diesem Vorschlag für die 90er Jahre kam Ernest Wallmüller, Handlungsbevollmächtigter der Schweizerischen Bankgesellschaft, der Neugier und Innovationsbereitschaft der Programmierer entgegen. Für ihn stellt CASE den Versuch dar, ingenieurmäßiges Vorgehen bei Entwicklung, Wartung und Dokumentation zu automatisieren, womit die Sicherung der Qualität gleich mit automatisiert würde . Bei einem Blick über die Palette der entsprechenden Produkte stellt sich laut Wallmüller heraus, daß CASE zwar derzeit noch nicht richtig funktioniert, die Realisierung jedoch kurz bevorsteht. Er kritisiert jedoch, daß beinahe alle CASE-Tools derzeit auf PCs laufen und daher keine Teamarbeit unterstützten. Den Angelpunkt jeder CASE-Anwendung sieht er bei den Software-Engineering-Datenbanken, die auch Repositories oder Enzyklopädien genannt werden. CASE werde sich durchsetzen sobald hier entsprechende Produkte auf den Markt kommen - und daran werde seinen Informationen zufolge bereits fieberhaft gearbeitet.

Eher konventionell nahmen sich dagegen die Vorschläge anderer Referenten aus, die SW-Qualität durch gezielte Mitarbeiter-Schulungen erhöhen möchten oder die Erstellung einer übersichtlichen Softwarebibliothek auf DOS-Ebene empfehlen.

SQS ist gut und schön, so der Tenor in den Kaffeepausen; bei Neuentwicklungen ließe sich auch der zusätzliche Zeitaufwand vertreten. Für die meisten Programmierer bestünde der Alltag jedoch aus Verbessern und Ergänzen alter, tausendmal "geflickter" und schlecht dokumentierter Software. Qualitätssicherung bei der Wartung solcher Programme sei fast: unmöglich. "Das", nahm Wintersteiger die Anregung auf, "wäre ein gutes Thema für unsere nächste Softwaretest-Fachtagung."