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Computer-Show in Köln soll Licht ins Dunkel bringen:


18.11.1983 - 

SW-Überangebot verunsichert den Anwender

KÖLN - Etwa 250 Hardwareanbieter und rund 600 Softwarehäuser kämpfen in der Bundesrepublik um Marktanteile im Mikrobereich. Die Kompatibilität der Anlagen und Systeme hält in keiner Weise Schritt mit der stürmischen Produktentwicklung. Beratung, Kundendienst und Ersatzteilservice lassen darüber hinaus in zahlreichen Fällen viel zu wünschen übrig. Erik Pino von Friedenthal, stellvertretender Vorsitzender des Verbandes für Textverarbeitung (VTV), Esslingen, und Unternehmensberater, analysiert im Vorfeld der Internationalen Computer-Show Köln (14. bis 17. Juni 1984) in folgendem Beitrag die derzeitige Situation.

Während früher nur einige wenige Hersteller im Bereich der Daten- und Textverarbeitung als Anbieter auftraten, rief insbesondere die erfolgversprechende Mikrocomputertechnologie zahlreiche neue Anbieter auf den Plan. Zwangsläufig entstand am Markt ein harter Preiskampf, und die Hardware bewegte sich preislich mehr und mehr nach unten.

Dadurch konnten die Hersteller den einmal begonnenen Weg der Anwenderunterstützung in Form von Beratung, Aus- und Weiterbildung, persönlichen Einweisungen oder Demonstrationen nicht mehr weitergehen und mußten zum Teil auf den Direktvertrieb zugunsten des Fachhandelsvertriebes verzichten.

Zur Zeit sind drei Hauptrichtungen erkennbar:

- Hersteller stellen Standardsoftware zur Verfügung, für die sie selbst verantwortlich zeichnen.

- Hersteller konzentrieren sich nur auf die Hardware und überlassen die Software den Softwarehäusern.

- Es wird eine Mischung aus Standardsoftware von Herstellern und

Software von externen Softwarehäusern angeboten.

Die uneinheitliche Handhabung führt dazu, daß der Anwender große Probleme hat, in der Menge der angebotenen Software die für ihn geeignete auszuwählen, weil die Beratung fehlt oder nicht ausreicht. Wenn also ein Anwender individuelle Lösungen wünscht wie Modifikation von Standardsoftware oder Organisationsberatung und Schulung, so ist dieser Service häufig nicht mehr beim Kauf inbegriffen, sondern muß zusätzlich bezahlt werden. Dieser Aufwand kann unter Umständen mehr kosten als die gesamte Hardware.

Zeitdruck zwingt zur Oberflächlichkeit

Infolge des enormen Innovationsschubs der letzten Jahre wurden ständig neue Prozessoren entwickelt, vom 8- zum 16- und jetzt schon zum 32-Bit-Rechner. Hinzu kommt, daß auch laufend die Betriebssysteme der Geräte verändert wurden, siehe CP/M, MS-DOS, Xenix, Unix, und - daß Hersteller Betriebssysteme anbieten, die nur für ihr Produkt gültig, also nicht kompatibel sind.

Für die Herstellung marktgerechter, ausgetesteter Software müßte mehr Zeit zur Verfügung stehen als es die rapide technische Entwicklung erlaubt. Die Softwarehersteller stehen unter ständigem Zeitdruck bei der Anpassung an immer wieder neue Systeme. Selten kann ein Programm so weit ausreifen, daß es den Anforderungen des Anwenders in allen Aspekten gerecht wird.

Ständiger Produktwechsel verunsichert

Hinzu kommt, daß die Software überwiegend aus dem englischsprachigen Bereich kommt und nur unzureichend auf einen deutschen Standard zugeschnitten wurde. Anwender aus Mittel- und Kleinbetrieben mit unzureichenden Englischkenntnissen haben dadurch zusätzliche Probleme.

Durch die ständigen Veränderungen sowohl der Hard- als auch der Software - insbesondere der Betriebssysteme - sind die Käufer verunsichert, es fehlen solide Entscheidungsgrundlagen und die Möglichkeit, sich langfristig mit einem Produkt zu identifizieren.

Hier könnte die Empfehlung des Hardwareherstellers für eine bestimmte Software Abhilfe schaffen. Außerdem sollte der Hersteller sicherstellen, daß für die Softwarepflege und -wartung gesorgt wird und Neuerungen dem Anwender zugänglich gemacht werden. Auch wenn sich die Kenntnisse über EDV durch Schulen oder Trainingskurse mittelfristig verbessern werden, ist es für die Hersteller von Hard- und Software unumgänglich, verstärkt "selbsterklärende" Systeme auf den Markt zu bringen.

Erste VTV-Akademie für Anwender

Sowohl die Hersteller- als auch die anwenderorientierten Verbände versuchen gemeinsam, praktikable Lösungen zu erarbeiten. Hilfestellung wird gegeben in Form von Seminaren, Schulungen und Fachbeiträgen in der Presse. Allerdings steckt die Verbandsarbeit in diesem Bereich noch in den Kinderschuhen.

Der Verband für Textverarbeitung VTV, Esslingen, startet in diesen Tagen mit einer neuen Initiative: Er errichtet in Paderborn eine VTV-Akademie für angewandte Kommunikationstechnologie und Büroorganisation. In dieser Akademie haben Anwender die Möglichkeit, Software auf Geräten verschiedener Hersteller zu testen. Darüber hinaus veranstaltet die Akademie Kurse in vielen Städten der Bundesrepublik. Auch andere Verbände sind zunehmend in dieser Richtung tätig.

Die Auswahl von leistungsfähiger Anwendersoftware gleicht oft einem Glücksspiel, da kaum sichere Methoden zur Prüfung und Beurteilung geeigneter Software existieren. Man kann jedoch dem Anwender einige generelle Leitlinien an die Hand geben. Zunächst sollte er seinen exakten Bedarf festlegen und ein sogenanntes Pflichtenheft erstellen und die gewünschten Hard- und Softwareleistungen genau auflisten. Dabei sollten folgende Fragen berücksichtigt werden:

- Welche Leistungsmerkmale werden benötigt?

- Wie komfortabel soll die Anwendung in bezug auf die Bedienung sein? Worauf kann verzichtet werden?

- Welche Anforderungen werden zu einem späteren Zeitpunkt benötigt? Können Hard- und Software entsprechend mitwachsen oder ist Kompatibilität zu anderen Systemen vorhanden?

- Welche Anforderungen werden an Service und Support (Beratungsdienst des Herstellers) im Bereich der Hardware gestellt?

Gute Qualität ist nicht alles

Hat man Hersteller ausgewählt, bei denen die im Pflichtenheft beschriebene Software mit der entsprechenden Hardware korrespondiert, ist zu prüfen, ob es sich um Hersteller-Standardsoftware oder um Software eines unabhängigen Softwarehauses handelt.

Generell sollte darauf geachtet werden, ob Hardwarehersteller eine Empfehlung für die Software durch Güte- oder Qualitätssiegel aufstellen. Bei externen Softwarehäusern ist die Größe des Unternehmens zu berücksichtigen, damit man nicht an eine sogenannte "Bastelstube" gerät, die jederzeit wieder von der Bildfläche verschwinden kann. Auch wenn diese Software unter Umständen in der Qualität gut bewertet wird, ist bei sehr kleinen Häusern immer Versicht geboten.

Weitere risikomindernde Gesichtspunkte sind die Anzahl von Softwarepaketen eines bestimmten Anwendungsbereiches, die das Softwarehaus bereits vertrieben hat, und Referenzkunden. Eventuell notwendige Softwareanpassungen - Erhöhung der Mehrwertsteuer, Änderung von Zollbestimmungen und Gesetzen - sollten vom Anbieter ebenso gewährleistet werden wie die kontinuierliche Anpassung der Software an den neuesten Entwicklungsstand und der technische Kundenservice. Bei Berücksichtigung all dieser Punkte sollte der Anwender - von Anlaufschwierigkeiten abgesehen, sein wirtschaftliches Ziel erreichen können.

Gezielte und schnelle Marktübersicht angestrebt

Auf der Internationalen Computer-Show vom 14. bis 17. Juni 1984 in Köln erhält die Software nach dem Willen der Veranstalter ein gleichrangiges Gewicht neben der Hardware. Wesentlich dabei ist, daß sowohl bei der Ausstellung als auch bei den begleitenden Rahmenprogrammen wie Seminaren oder Workshops die Lösung von Anwenderproblemen im Vordergrund steht und klar gesagt werden soll, wie und womit sie bisher realisiert wurden. Ziel der Veranstaltung ist es, das Angebot so aufzubereiten, daß es dem Anwender eine gezielte und schnelle Marktübersicht erlaubt.