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28.11.2005

Swisscom wird an die Kette gelegt

Die Schweiz hat Angst vor finanziellen Experimenten im Ausland.

Die seit Jahren geplante Auslandsexpansion des Schweizer Carriers Swisscom gerät zu einem politischen Possenspiel. Mit der Entscheidung des Justizministeriums, dem Management einen Zukauf im Ausland vorerst zu untersagen, sind die strategische Position des Carriers sowie seines Chefs Jens Alder stark geschwächt worden.

Debitel als Warnschuss

Zwar soll das mehrheitlich in Staatsbesitz befindliche Unternehmen privatisiert werden, doch dabei will die Regierung ihre Anteile in aller Ruhe versilbern. Ein finanzielles Experiment will sich der Staat nicht leisten, zu präsent sind noch die Erinnerungen an das Debakel um den deutschen Mobilfunkbetreiber Debitel. Bei dem Engagement der Swisscom waren über zwei Milliarden Euro verbrannt worden.

Für Firmenchef Alder ist der Erlass ein Schlag in den Nacken, denn er sondiert seit geraumer Zeit die TK-Märkte in anderen europäischen Ländern und sucht geeignete Übernahmeobjekte. Hierzu zählten die Telekom Austria und die Cesky Telecom, deren Akquisitionen jedoch gescheitert sind. Zuletzt hat die Swisscom ihre Fühler zur irischen Eircom und zur dänischen TDC ausgestreckt. An letzterer Telco sind auch zwei Konsortien von Finanzinvestoren interessiert. Der Kurs der irischen Eircom ist nach der Intervention der Schweizer Regierung um über zehn Prozent abgestürzt. Auch das Swisscom-Papier gab angesichts der Unsicherheit etwas nach.

Nur einen Tag vor dem Ukas hatte die Regierung die Privatisierung der Swisscom eingeläutet. Knapp zwei Drittel der Anteile gehören noch dem Staat. Berichten zufolge will Bern vorerst die Anteile bis zur gesetzlich vorgeschriebenen Mindestschwelle von 50 Prozent plus eine Aktie abstoßen. Danach soll im Anschluss an eine Gesetzesänderung der Rest verkauft werden. Vermutlich müssen die Schweizer Bürger dem Vorhaben in einem Referendum zustimmen. Für diesen Fall gehen Beobachter davon aus, dass sich die komplette Transaktion noch mindestens drei Jahre hinziehen wird.

Kommentatoren in Schweizer Zeitungen bewerteten den Schritt zur Privatisierung unterschiedlich: Einerseits wurde das Vorhaben begrüßt, andererseits sahen einige Stimmen die TK-Grundversorgung in ländlichen Regionen aus Gründen des Rationalisierungsdrucks gefährdet. Zudem könnte der Blick auf den Shareholder Value vermehrt zu Entlassungen führen. Von der Privatisierung der Swisscom versprechen sich die treibenden Kräfte in Bern eine Kapitalspritze, das Management des Carriers hofft auf einen größeren Handlungsspielraum. Allerdings steigt auch die Chance, dass die ungebundene Swisscom selbst in den Sog eines großen Carriers wie der Deutschen Telekom oder der spanischen Telefonica gerät und übernommen wird.

Finanziell steht die Swisscom auf soliden Beinen, auch wenn es an Wachstumsphantasie fehlt: Der Carrier bestätigte unlängst die Jahresprognose und peilt einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von rund 4,1 Milliarden Franken sowie einen Umsatz von rund 9,6 Milliarden Franken an. (ajf)