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27.09.1996 - 

Beim Intranet-Management sieht es noch düster aus

Switch-Hersteller wollen den Router-Markt aufrollen

Das Ringen um die Gunst der Anwender eröffnete Cabletron Systems bereits am Vorabend der Messe. Die Company sagte Marktführer Cisco den Kampf an und setzt dabei voll auf Switching: Das Cabletron-Verfahren werde, so der Hersteller, mit der Technik des virtuellen Routing (dabei wird nur das erste Paket geroutet, der Rest geswitcht) die Technologie Netflow von Router-Champion Cisco um etliche Pakete pro Runde schlagen.

Unterstützung gegen die CiscoKomponenten erhält nun Cabletrons 14-Slot-Switch "Multi Media Access Center (MMAC)-Plus" durch einen kleinen Bruder, der etwa die Hälfte des größeren Modells kostet. Das Gerät, das über sechs Einschubplätze verfügt, steht in direkter Konkurrenz zu Produkten wie Ciscos "Catalyst 5000" oder 3Coms "Lanplex 6012".

Cabletron ist allerdings nicht der einzige Hersteller, der dem Router-Lager künftig das Leben schwer machen will. Unter Federführung der Ipsilon Networks Inc. demonstrierten auf der Interop insgesamt zwölf Hersteller die Interoperabilität von IP-Switches. An dem IP Switching Showcase nahmen die Advanced Telecommunications, Digital Equipment, Efficient Networks, Ericsson, Fore Systems, General Datacomm, Hitachi Telecom, NEC, Network General, Radcom sowie Starbust Communications teil.

Gleichzeitig zeigte das Testnetz auch, daß die Tage von ISDN- und Modemverbindungen wohl zumindest in den USA gezählt sind, denn wie in Atlanta deutlich wurde, scheinen immer mehr Hersteller auf Techniken wie Asymmetrical Loop Digital Subscriber (ADSL) und Kabel-TV-Netze mit CATV-Modems (Community Antenna TV) zu setzen. Diese Verfahren erlauben es, so die Anbieter, remote Anwender mit höheren Geschwindigkeiten an Unternehmensnetze oder das Internet anzubinden.

Höhere Geschwindigkeit ist derzeit auch im Ethernet-Lager das Thema des Tages - Interesse findet vor allem das Gigabit Ethernet. Obwohl Branchenkenner davon ausgehen, daß die IEEE entsprechende Spezifikationen für das High-speed-Ethernet nicht vor 1997 verabschiedet, überboten sich die Aussteller in Atlanta gegenseitig, was Produktankündigungen betrifft. Zu den Unternehmen, die erste Ergebnisse zeigten, gehörten unter anderem die NBase Communications Corp., Alteon Networks Inc., Anchor Communications Inc. sowie Cabletron.

Während der Präsentation des Gigabit-Ethernet-Moduls für den MMAC Plus meinte Bob Levine, CEO von Cabletron, mit einem Seitenhieb auf Ciscos jüngste Neuerwerbung Granite System: "Wir legen den Schwerpunkt auf die Entwicklung neuer Produkte und nicht auf die Vergrößerung unserer Company durch den Zukauf neuer Unternehmen." Unterschiedlicher Meinung sind die Hersteller bezüglich der Diskussion ATM versus Gigabit Ethernet. Cabletron wird zum Beispiel beide Verfahren unterstützen, während Fore Systems ein Bekenntnis zu ATM ablegt.

Zumindest in einem Punkt hat das ATM-Lager einen Vorteil gegenüber den Gigabit-Vertretern: ATM stellte seine Eignung für die Übertragung von Daten, Sprache und Video bereits unter Beweis. Für Gigabit Ethernet dürfte dagegen vermutlich die leichtere Implementierung in bestehende LANs sprechen, da hier nicht der Umweg über die LAN-Emulation erforderlich ist. Doch auch in diesem Bereich gibt es Fortschritte. So hat beispielsweise Madge nach eigenen Angaben als erster Hersteller den Windows-NT-Kompatibilitätstest in Sachen LAN-Emulation bestanden.

Insgesamt zeichnete sich auf der Networld + Interop in puncto ATM jedoch ein Paradigmenwechsel ab. Wurde das zellbasierte Übertragungsverfahren früher immer auch als Medium für die Verbindung von Arbeitsplatzrechnern betrachtet, so sehen die Anbieter das Einsatzspektrum von ATM jetzt vor allem im WAN-Bereich sowie in Netzen mit gemischtem Sprach-, Daten- und Videoverkehr. Gigabit Ethernet wird dagegen als Medium zum Anschluß von Servern und zur Realisierung kleinerer Backbones favorisiert.

Angesicht der immer komplexeren Netze, in denen die unterschiedlichsten Technologiegenerationen wie ATM, Gigabit Ethernet etc. zu verwalten sind, haben Management-Tools derzeit Hochkonjunktur. Das in Atlanta vorgestellte Produktportfolio reichte dabei von einfachen Monitoring-Werkzeugen bis hin zu umfassenden System-Management-Plattformen.

Tivoli und Intel arbeiten an Integrationsmodul

Der wachsenden Heterogenität der Netze trugen gerade Hersteller wie Tivoli oder Hewlett-Packard Rechnung. HP beispielsweise arbeitet künftig mit Microsoft zusammen und plant die Migration von Openview-Produkten auf NT. Zudem ist im Gespräch, daß HPs Openview-Plattform Systeme, die Microsofts System Management Server verwaltet, als Openview Nodes erkennt und anspricht. IBM-Tochter Tivoli arbeitet dagegen gemeinsam mit Intel an einer Verbesserung des Desktop-Managements. Im Zuge der Kooperation entwickeln die Partner Integrationsmodule, die das Zusammenspiel zwischen TME 10 und Intels Landesk-Produkten verbessern.

Ein weiterer Trend, der sich in Sachen Netzadministration abzeichnet, ist die verstärkte Nutzung der vom Inter- beziehungsweise Intranet bekannten Web-Technologien zur Verwaltung der Geräte. Entsprechende Produkte entwickeln, wie in Atlanta zu erfahren war, beispielsweise 3Com, Bay Networks, Cabletron oder Frontier Software Development.

Wenig zu sehen gab es, was die Verwaltung der Intranets betrifft. Zwar haben die Amerikaner nach der anfänglichen "Lets-do"-Mentalität auch die möglichen Sicherheitsrisiken der neuen Netzideologie erkannt und diesbezüglich darauf reagiert, doch in Sachen Administration sieht es noch düster aus. Während auf den Ständen der Aussteller zahlreiche Programme zum Management von Web-Inhalten zu finden waren, hieß es in Sachen Intranet-Management meist nur: "Wir arbeiten daran."

Eine Ausnahme bot Sun Microsystems. Mit einer erweiterten "Solstice"-Software nahm sich die Company dem Thema Intranet-Verwaltung an und präsentierte gleichzeitig einige neue Verwaltungsmodule. In der neuesten Version unterstützt Solstice zudem Windows NT, um so auch die Administration von Multiplattform-Intranets zu gewährleisten (mehr zu diesem Thema lesen Sie in der nächsten CW).

Sorgte in den vergangenen beiden Jahren die Auseinandersetzung zwischen Novell und Microsoft für Gesprächsstoff, so verhielten sich die beiden Kontrahenten heuer friedlich. Jim Allchin, Senior Vice-President der Desktop und Business Systems Division ging in seiner Keynote auf die künftige Weiterentwicklung von Windows NT ein. So bekräftigte der Manager in Atlanta erneut, daß Microsoft kein Betriebssystem mit Namen Cairo entwickle, wie lange Jahre propagiert worden war. Nach neuester Lesart aus Redmond steht Cairo für eine Technologiestudie, die sukzessive in verschiedenen NT-Varianten verwirklicht werden soll, um das Konzept des Distributed Networking zu realisieren. So sollen beispielsweise mit NT 5.0 endlich auch Directory Services aus dem Hause Microsoft kommen.

Zum erstenmal zeigte die Gates Company auf der Networld + Interop auch "Netshow", eine Technologie zum Verteilen und Abrufen von Audio- und Videodaten über ein Netzwerk. Die Software ist in die beiden Komponenten "Netshow on demand" und "Netshow live" untergliedert. Ersteres dient zum Abruf entsprechender Multimedia-Daten, während letzteres quasi Rundfunk über das Netz erlaubt.

Ganz im Mittelpunkt des Novell-Messeauftritts stand die vor zwei Wochen in New York offiziell vorgestellte Groupware-Plattform "Groupwise 5", bislang besser bekannt unter dem Codenamen "Groupwise XTD (vgl. CW Nr. 29, Seite 23) Im Zuge des Groupwise-Rummels gingen auf dem Novell-Stand zwei Neuerungen fast unter: "Intranetware" und "Kayak". Bei Intranetware handelt es sich letztlich um ein Produkt-Bundle, das unter anderem aus Netware 4.11, dem Netware Web Server 2.5, FTP-Services, dem Netscape Navigator und einem IPX/IP-Gateway besteht.

Mit Kayak erblickte in Atlanta auch erstmals das vom ehemaligen Novell-CEO Bob Frankenberg vor zwei Jahren in einem Interview mit der COMPUTERWOCHE angekündigte Netzwerk-Betriebssystem für kleinere Unternehmen das Licht der Welt. Nach amerikanischer Lesart sind darunter Netze mit bis zu 100 Clients zu verstehen. Nach Aussagen amerikanischer Novell-Mitarbeiter besitzt Kayak den gleichen Kernel wie der große Bruder Netware, so daß alle gängigen NLMs auch unter dem neuesten Novell-Sprößling verwendbar sind. Der Hauptunterschied, so ein Novell-Mitarbeiter, bestehe in den Novell Directory Services (NDS). Sie verfügten im Gegensatz zu NDS in Netware nicht über Container und könnten deshalb einfacher angelegt werden, weil sie weniger verschachtelt seien.

Interop Dotcom feiert zweite Premiere

Gerüchte, nach denen Microsoft NDS lizenzieren werde, wollte Novell nicht bestätigen. "Wir hätten aber nichts dagegen", sagte Michael Simpson, einer der Marketing-Direktoren bei Novell. Dafür werden aber wahrscheinlich noch einige der wichtigsten Unix-Anbieter im diesjährigen Geschäftsjahr die Verzeichnisdienste lizenzieren, so Simpson.

Eine Premiere anderer Art kam dem deutschen Besucher der Networld + Interop dagegen nur allzu bekannt vor: die Interop Dotcom. Schamhaft verschwieg Messeveranstalter Softbank Expos, daß diese Zusatzmesse zum Thema Internet bereits in Frankfurt ihre Welturaufführung hatte. Der Grund hierfür offenbarte sich schnell auf einem Messerundgang. Während die Interop Dotcom in Frankfurt mit einer Ausstellerzahl, die sich an beiden Händen abzählen ließ, eine Pleite war, kamen in Atlanta zur Premierenwiederholung über 180 Aussteller.