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09.07.1993

Sybase kooperiert sowohl mit IBM als auch mit Microsoft "Open-Systems-Anbieter muessen auf mehreren Hochzeiten tanzen"

An vielen Fronten engagiert sich die Sybase Inc. Der Spezialist fuer relationale Datenbanken hat ein Netz von Kooperationen aufgebaut, das Standardisierungsgremien ebenso umfasst wie IBM und Microsoft, Firmen mithin, die eigene Standards gesetzt haben. Zugleich will das Unternehmen mit System 10 in Sachen Datenbankkonzepte neue Akzente setzen. Ludger Schmitz sprach mit Stewart Schuster, Vice President Marketing, und Mark Hoffman, Chairman, President und CEO von Sybase.

CW: Bei der Vorstellung von System 10 haben Sie den Konkurrenten Oracle mit keinem Wort erwaehnt. Gibt es die alte Rivalitaet nicht mehr?

Schuster: Da muessen wir etwas vergessen haben. Oracle ist definitiv unser wichtigster Konkurrent.

CW: Waere es fuer ein Unix-orientiertes Unternehmen nicht sinnvoller, sich staerker gegen proprietaere Firmen zu positionieren als gegen eine aus demselben Umfeld?

Hoffman: Nicht wir positionieren uns gegen Oracle, sondern Oracle sich gegen uns. Wir glauben, dass wir in den letzten fuenf Jahren die Entwicklungsrichtungen am Markt bestimmt haben, erst mit OLTP, dann mit Client-Server-Strategie. Oracle versuchte nachzuziehen. Jetzt haben wir mit System 10 die Orientierung auf unternehmensweite Client-Server-Umgebungen gegeben, und wieder versucht Oracle, zu uns aufzuschlieCW: Warum arbeitet eine Open- Systems-Company wie Sybase so eng mit Microsoft zusammen?

Schuster: Weil wir offen sind. Microsoft ist eine Marktmacht, und wir muessen einen Weg finden, deren enormer Anwenderbasis Client- Server-Konzepte zu erschliessen. Das Schoene an Client-Server ist, dass es proprietaere Teile dabei durchaus geben darf, solange sie irgendwo ins Netz passen und kommunizieren koennen.

Hoffman: Die Kunden bestimmen, was wir machen. Sie wollen die Flexibilitaet des Netzes dazu benutzen, verschiedene Dinge ihrer Wahl zusammenzubringen. Wir werden uns noch ueber Jahre mit heterogenen Welten beschaeftigen muessen. Unsere Aufgabe besteht darin, Systeme zu oeffnen, um den DV-Verantwortlichen die Integration und Koordination vielfaeltiger Umgebungen zu erleichtern.

CW: Aber Sie arbeiten doch nicht mit Microsoft in Sachen Windows NT zusammen, um diese Firma auf den Pfad der Tugend, der Offenheit, zu bringen!

Schuster: Unsere Aufgabe ist es sicher nicht, Bill Gates gluecklich zu machen. Auch wir sind auf unseren Erfolg bedacht und machen unser Geschaeft mit dem, was die Anwender wollen - unter anderem Produkte von Microsoft.

CW: Welche Folgen erwarten Sie von der Uebernahme der USL durch Novell fuer die Unix-Welt?

Hoffman: Das wird positive Wirkungen haben, denn damit bekommt Unix eine starke Marktpraesenz im Bereich Standardsoftwarepakete. Das hat Unix gefehlt. Ausserdem wird das hohe Ansehen von Novell in Bezug auf die Kompetenz in Sachen lokale Netze die Akzeptanz fuer Produkte aus unserem Hause erhoehen, die schon lange Novell- Technologie integriert haben.

CW: Diverse Bemuehungen um Datenbankstandards verlaufen im Sande, wenn es um die Netzwerkkomponenten der RDBMS geht. Zeichnet sich hier eine Loesung ab?

Hoffman: Die wichtigsten Entwicklungen laufen darauf hinaus, dass es fuer Anwender irrelevant wird, was im Netz geschieht. Es soll den Anwender nicht mehr interessieren muessen, welche Formate und Protokolle dort vorliegen. Programmier-Schnittstellen verbergen solche Tuecken zunehmend vor den Entwicklern. Die Eigenarten der zugrundeliegenden Netzwerke sollen fuer den Anwender und den Entwickler unerheblich sein.

CW: Konkret noch einmal zu Ihrer Entschlossenheit, Standards zu verfolgen: Einerseits pflegen Sie eine enge Kooperation mit dem Standardisierungsgremium SQL Access Group, andererseits arbeiten Sie mit Big Blue beim Uebertragungsprotokoll DRDA fuer IBM-eigene SQL-Datenbanken zusammen. Warum?

Schuster: Wir muessen einfach mit den wichtigsten Marktkraeften zusammenarbeiten. Das bezieht sich auf die Hersteller ebenso wie auf die Nachfrage der Anwender. Das fuehrt dazu, dass man auf mehreren Hochzeiten tanzt.

CW: Laesst sich verhindern, dass wir trotzdem in der Welt relationaler Datenbanken eines Tages vor zwei Lagern stehen wie frueher in der Unix-Welt?

Hoffman: Wir werden auch in Zukunft mehr als ein Betriebssystem, mehr als eine Datenbank und mehr als ein API haben. Die schlechte Nachricht ist also, dass es wohl mehrere sogenannte Standards geben wird. Die gute Nachricht dagegen, dass es wahrscheinlich nur noch wenige sein werden.

CW: Vor einigen Monaten hat Sybase einen Kooperationsvertrag gemeldet, wonach Ihr Unternehmen IBM auf AIX unterstuetzen werde. Wenige Tage spaeter hat Big Blue von Entwicklungen an einer eigenen RDBMS fuer AIX berichtet. Schauen Sie jetzt in die Roehre?

Schuster: Ueberhaupt nicht. Die Frage ist erstens, ob IBMs Datenbank konkurrenzfaehig wird. Zweitens will eine Menge Anwender nicht wieder gebunden werden - diesmal an eine IBM- Softwarestrategie. Die Anwender wollen Flexibilitaet und haben meines Erachtens wenig Interesse an einem RDBMS, das im Verdacht steht, proprietaer zu sein. Es ist schliesslich noch nicht klar, auf welche Plattformen DB2/6000 portiert wird, so dass Anwender moeglicherweise ausschliesslich auf AIX-Plattformen angewiesen sein werden.

CW: Und was soll die Kooperation mit IBM?

Hoffman: IBM will Hardware verkaufen und hat gemerkt, dass sich der Markt veraendert hat. Die Kunden entscheiden sich zuerst fuer die Software und kaufen die Hardware danach. IBM koennte nicht ueberleben, wenn sie nicht Software - auch die von anderen Anbietern - verkaufen wuerde.

CW: Wie Sybase mit Omni-SQL Gateway eine Bruecke zu anderen RDBMS zu schaffen, klingt gut und liegt im Trend zu offenen Systemen. Bleibt dem Anwender damit die Entscheidung fuer ein strategisches Hausprodukt erspart?

Schuster: Nehmen wir den Fall der Uebernahme einer Firma oder den der Integration von Unternehmensbereichen mit unterschiedlichen RDBMS-Strategien. Man kann da nicht einfach die eine Umgebung ueber Nacht ausschalten, sondern braucht eine Bruecke. Nicht fuer die Daten, das waere nicht so dramatisch, sondern fuer die Applikationen, die mit dem nichtfavorisierten Datenbanksystem entwickelt sind. Ein gutes Beispiel ist BP, wo man mit der Uebernahme anderer Oelgesellschaften vor der Situation stand, dass einige Ingres nutzten, andere Oracle. BP hat schliesslich beschlossen, Sybase als Integrationsplattform zu nutzen, an die die anderen RDBMS gekoppelt sind. Davon unabhaengig laufen die alten fremden Applikationen aber immer noch.

CW: Wohin geht die technische Entwicklung, wenn Sie mal ueber das neue System 10 hinausschauen?

Hoffman: Unsere Tool-Strategie zeigt den Ansatz. Wir wollen die Grenze zwischen Clients und Servern so transparent wie moeglich machen. Eine andere Herausforderung ist die Nutzbarmachung objektorientierter Programmierung fuer verteilte Datenverarbeitung. Hier ist noch viel zu tun, und wir sehen allen Anlass, in solch einen Bereich zu investieren.

CW: CW: Welchen Umsatzanteil traegt bei Sybase noch die eigentliche Datenbank im Vergleich zu den Tools?

Schuster: In den letzten 15 Monaten kamen insgesamt etwas mehr als 50 Prozent des Umsatzes von der Datenbank, 35 Prozent von Tools und 15 Prozent von Gateway-Produkten. Im letzten Quartal hat sich der Anteil der Gateway-Produkte zum Nachteil der Tools ausgeweitet, obwohl deren absoluter Umsatz weiter gestiegen ist. Das zentrale Produkt, der SQL-Server, zeigt also stabilen Anteil am Umsatz, obwohl ich glaube, dass im Laufe der Zeit Gateways und Anwendungs-Tools mehr und mehr an Bedeutung gewinnen werden.

CW: Hat die Neuerwerbung Gain Ihr Unternehmen schon in Richtung Objektorientierung vorangebracht?

Schuster: An Gain hat uns nicht so sehr deren Erfahrung mit Objektorientierung interessiert als die mit Multimedia. Auf diesem Gebiet hat Gain Technologie-Know-how, das wir womoeglich nie haetten aufholen koennen.

CW: Was will denn ein Datenbankspezialist mit Multimedia?

Hoffman: Die Hardwareleistung steigt an der Spitze jetzt bald mit einer Rate von 100 MIPS pro Jahr. Allein die damit verbundene moegliche groessere Leistungsfaehigkeit der Software macht es notwendig, ihre Anwendung zu vereinfachen. Ausserdem gestattet es die zusaetzliche Hardwareleistung ihrerseits, einen Teil davon fuer benutzerfreundliche Anwenderfuehrungs-Systeme zu nutzen. Dabei geht es um mehr als um Icons und Fenster.

CW: Naemlich worum?

Hoffman: Eine Datenbank fuer solche Umgebungen muss mehr generieren koennen als Zeilen und Tabellen. Datenbanken muessen kuenftig ganz andere Datentypen beherrschen, um Dinge wie Sprache, Musik, Animation, Bilder etc. zu bewaeltigen. Multimedia-Technologien hoeren dann auf, nur so zum Spass genutzt zu werden, wenn man sie mit grossen Datenbanken in Client-Server-Umgebungen einsetzt.

CW: Dann muessten objektorientierte Techniken mit ihren Staerken bei der Verarbeitung unterschiedlicher Arten von Daten fuer Sie von Vorteil sein.

Hoffman: Sicher. Das Speichern verschiedener Arten von Daten ist bei relationalen DBMS nicht optimal. Objektorientierte Systeme werden in den naechsten Jahren auf dem Datenbankmarkt weitere Verbreitung finden, zumindest bei den Anwendungen, bei denen es um das Speichern grafischer Daten geht. SQL ist da klar im Nachteil. Relationale Datenbanken sind gut fuer formatierte Daten, Zahlen, Buchstaben. Aber fuer darueber hinausgehende, komplexere digitalisierte Informationen wie Sound oder Bewegtbilder haben relationale Systeme in ihren SQL-Statements kein Konzept. Hier bietet Objektorientierung eine viel reichere Struktur. Ich glaube, eine Kombination - also mehr als die jetzige Koexistenz - beider Systeme wird die naechste Generation von Datenbanken sein.

CW: Solche Datenbanken sind im Umfeld der CAx-Techniken in der Diskussion. Sucht Sybase da ein neues Geschaeftsfeld?

Schuster: Ja, in Fertigungsunternehmen sehen wir eine Zukunftschance fuer uns. In letzter Zeit haben wir im Bereich Finanzwesen grosse Fortschritte gemacht. Jetzt hoffen wir, bis zum Ende dieses Jahres auf den Gebieten Konstruktion, Fertigung und betriebswirtschafliche Standardsoftware mit neuen Partnern Kooperationen einleiten zu koennen.

"Oracle versucht wieder, zu uns aufzuschlie"

Mark Hoffman

"Unsere Aufgabe ist es sicher nicht, Bill Gates gluecklich zu machen."

Stewart Schuster

"Das Schoene an Client-Server ist, dass es proprietaere Teile dabei durchaus geben darf."

Stewart Schuster

"IBM koennte nicht ueberleben, wenn sie nicht Software - auch die von anderen Anbieter - verkaufen wuerde."

Mark Hoffman