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31.05.2005

Symantec kämpft gegen Widerstände

Der angekündigte Zusammenschluss von Symantec und Veritas hat die Wallstreet nicht überzeugt. Analysten vermissen Synergien und Wachstumsphantasien.

John Thompson, erfolgsverwöhnter CEO von Symantec, hat sich verkalkuliert: Statt Ovationen entgegenzunehmen für den verwegenen Schachzug, mit Veritas kurzerhand ein Unternehmen aus einem anderen Softwaresegment zu kaufen, musste sich der Manager über Monate massive Kritik der Finanzanalysten gefallen lassen. Diese störten sich vor allem am vermeintlich fehlenden Sinn des Deals sowie an der Tatsache, dass Symantec sich mit der langsamer wachsenden Veritas einen Klotz ans Bein gehängt habe. Quasi zwangsläufig stürzte der Kurs der Symantec-Aktie in den Monaten seit Mitte Dezember von 34 auf zwischenzeitlich 18 Dollar ab.

"Zwischen den Produkten der Firmen gibt es keine Synergien, und eine überzeugende Kombination aus den Programmen kann ich gegenwärtig nicht erkennen", resümiert Helmut Bartsch. Wie der Softwareanalyst der Stuttgarter BW-Bank haben viele seiner Kollegen eine ähnlich ernüchternde Bilanz des Deals gezogen. In den Wochen nach der offiziellen Ankündigung stuften Investmentbanken reihenweise ihre Kaufempfehlungen für die zuvor stark gestiegenen Symantec-Papiere herunter.

Keine Massenentlassungen

Die Übernahme passt in der Tat nicht in das traditionelle Raster. Symantec und Veritas haben keine Massenentlassungen, kaum finanzielle Einspareffekte und aus dem Stand keine breite Produktpalette aus kombinierten Programmen angekündigt. Auch waren Fusionen zweier großer und zudem erfolgreicher Unternehmen aus verschiedenen Marktsegmenten bislang die Ausnahme. Üblicherweise wird eine Firma geschluckt, die wahlweise klein und innovativ, finanziell angeschlagen und mit vielen Bestandskunden ausgestattet oder ein direkter Wettbewerber mit einem komplementären Portfolio ist. Nichts davon trifft auf Veritas zu.

Symantec-CEO Thompson ging angesichts der Schelte auf Konfrontationskurs und beharrte auf dem Standpunkt, dass die Strategie seines Unternehmens nicht an der Wallstreet bestimmt werde. Mit Kursverlusten von über 40 Prozent in den Monaten nach Bekanntgabe der Fusionspläne musste er sich häufig die Frage gefallen lassen, wie lange er noch die Interessen seiner Anteilseigner als nachrangiges Ziel betrachten wolle. An dem Problembereich scheiden sich seit jeher die Geister: Soll eine Unternehmenstrategie drei Monate bis zum nächsten Quartalsbericht tragen, oder ist es möglich, bis zu zwei Jahre in die Zukunft zu planen?

Die Zukunft sehen Symantec und Veritas in der Kombination von Sicherheit und Verfügbarkeit von Informationen. Beide Themen sind für sich genommen aktueller denn je: Kaum eine Woche vergeht, in der nicht in den USA persönliche Daten aus Unternehmensdatenbanken gestohlen werden. Meist sind auf einen Schlag hunderttausende Verbraucher betroffen. Die angegriffenen Firmen sind zumindest in Kalifornien kraft Gesetz gezwungen, Verstöße gegen die Unversehrtheit der Daten den Kunden zu melden - mit fatalen Folgen für das Image der Unternehmen sowie das Vertrauen in den Online-Kanal.

Gebranntes Kind scheut das Feuer, und wer einmal Opfer eines Identitätsdiebstahls war, überlegt es sich, ob er nicht lieber auf die traditionellen Übermittlungsverfahren zurückgreift. Hier sind jedoch die Transaktionskosten für die Firmen höher als im Internet. Unter dem Strich rechnen sich also Investitionen in die Sicherheit. "Unsere Währung sind Informationen", sagte Veritas-CEO Gary Bloom auf der Anwenderkonferenz Ende April - "und Informationen müssen geschützt werden." Statt wie bislang nur die Eingangstür eines Unternehmens abzuschließen, sollen künftig auch Zimmer sowie Aktenschränke verriegelt werden.

Speichermarkt im Wandel

Aber nicht nur das Sicherheitsbedürfnis, sondern auch das Volumen der Daten und Informationen steigt kontinuierlich. Daher strahlt der Markt für Speichersoftware in einem hellen Licht. Nach Einschätzung der Marktforscher von Gartner wuchs der Umsatz mit Lizenzen im vergangenen Jahr um zwölf Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar. Hier liegt Veritas hinter EMC und vor IBM auf einem stabilen zweiten Platz.

Dennoch sei das Klima im Segment der Speicher-Management-Werkzeuge rauer geworden, so Bartsch. "Der Druck auf Veritas nimmt zu. Hardwarehersteller wie EMC und IBM gehen dazu über, eigene Management-Tools mit anzubieten". Auch seien Anwender bestrebt, ihre IT-Systeme zu standardisieren und die Zahl der Lieferanten zu verringern. Die Bilanzstrukturen von Veritas sind immer noch solide, urteilt der Analyst, doch hätten die Risiken zugenommen. Dies gilt auch für Symantec, wobei die Bedrohung durch Microsoft gegenwärtig noch eher theoretischer Natur ist.

Der kleinste gemeinsame Nenner von Sicherheit und Verfügbarkeit sei das Risiko-Management, führte Veritas-Chef Bloom aus. Hier dreht sich derzeit alles um die Compliance, der sich zumindest in den USA alle bedeutenden Unternehmen unterwerfen müssen. Einen ersten Schwerpunkt der gemeinsamen Produktstrategie bildet folglich die elektronische Post. Bloom stellte ein gemeinsames E-Mail-Paket mit Komponenten für Antispam, Antivirus, Compliance und das Management innerhalb des ersten Jahres nach der Fusion in Aussicht. Etwas länger wird es jedoch dauern, bis Antiviren-Scanner für Archive auf den Markt kommen. "Das Paket hätten sie auch ohne eine Fusion schnüren können", kritisiert Software-Analyst Bartsch.

Am heftigsten wurde jedoch die Frage diskutiert, ob sich Symantec die hervorragenden Wachstumsraten durch die Veritas-Übernahme ruiniere. Im vergangenen Fiskaljahr waren die Umsätze des Sicherheitskonzerns um 38 Prozent, der Gewinn trotz einer hohen Steuerquote sogar um 45 Prozent gestiegen. Demgegenüber wuchsen die Veritas-Einnahmen im Jahr 2004 um 17 Prozent, der Profit legte um 19 Prozent zu. Manchmal ist gut einfach nicht gut genug, auch wenn sich ein kombiniertes Umsatzwachstum von knapp 20 Prozent durchaus sehen lassen kann.

Nicht stichhaltig geklärt ist zudem, wieso das Veritas-Management überhaupt einen Verkauf des Unternehmens angestrengt hat. Dass die Wahl auf Symantec als Käufer gefallen ist, könnte einen simplen Grund haben: Womöglich waren die Alternativen schlechter - einige große IT-Konzerne der ersten Garde sollen sich nachhaltig für die Firma interessiert haben. Die jahre-lang beschworene Unabhängigkeit von einem Hardwarehersteller wäre möglicherweise vorbei gewesen. Indes: Mit liquiden Mitteln von zwei Milliarden Dollar hätte Veritas zumindest versuchen können, aktiv gegen eine Übernahme anzukämpfen und selbst auf Einkaufstour zu gehen.

Der Deal gilt als sicher

In zwei außerordentlichen Hauptversammlungen am 24. Juni sollen die Anteilseigner der Softwareunternehmen über den Zusammenschluss entscheiden. Alles andere als eine Zustimmung käme überraschend, auch wenn der Wert der Transaktion inzwischen stark dezimiert wurde. Dennoch geht BW-Bank-Analyst Bartsch nicht davon aus, dass die Anteilseigner das Vorhaben der jeweiligen Management-Riegen torpedieren.

Das kombinierte Unternehmen wird ein Schwergewicht und schiebt sich vor Adobe und Computer Associates auf den vierten Rang der Softwarekonzerne, basierend auf der Marktkapitalisierung. Der Abstand zu SAP, der Nummer drei, ist ohne weitere Akquisitionen allerdings nicht aufzuholen. Gemeinsam mit Veritas wird Symantec über finanzielle Reserven von fünf Milliarden Dollar verfügen. Potenzial, aktiv an der Konsolidierung im Softwaremarkt mitzuwirken, ist also vorhanden. Die Frage ist nur, ob sich CEO Thompson das nächste Mal für eine Übernahme nach traditioneller Manier entscheidet. (ajf) u