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21.12.2004

Symantec kauft sich in neue Märkte ein

Mit der Übernahme des Speicherspezialisten Veritas legt der Sicherheitsanbieter ein Fundament, um im Markt für Infrastruktur- und Informations-Management-Tools anzutreten.

Für die Beteilgten war von Anfang an alles klar: Die Kunden seien die Gewinner, erklärten Symantec und Veritas, nachdem sie offiziell die Fusion zum weltweit viertgrößten Softwareunternehmen verkündet hatten. Anwender wollen nur mit wenigen Lieferanten zu tun haben, am besten alles aus einer Hand beziehen und dies nicht erst in Jahren, so der Tenor in Interviews. Norbert Deuschle, unabhängiger Speicherexperte in München und Chef des Storage Consortiums, beschleichen indes leichte Zweifel, ob die Argumente schlüssig sind: "Speicher und Sicherheit waren bislang zwei getrennte Bereiche." Bis sich Produktportfolios, Partnerbeziehungen und interne Strukturen der Firmen nach der Übernahme eingespielt hätten, würden noch einige Jahre vergehen.

Die Begründung, Kunden wollten vermehrt aus einer Hand kaufen, ist nachvollziehbar, wirkt für diese Transaktion aber vorgeschoben. Das Argument gilt vielleicht für den Vergleich mit den IT-Sourcing-Gewohnheiten Ende der 90er Jahre, als sich viele kleinere Anbieter und Startups im Markt drängelten. Inzwischen hat sich die Branche jedoch so weit bereinigt, dass man die meisten Komponenten aus den Händen einiger weniger Konzerne beziehungsweise IT-Dienstleister beziehen kann. Kein Anwender wird auf eine moderne Sicherheitssoftware oder eine Backup-Lösung verzichten, nur weil es sie bei seinem bevorzugten Lieferanten noch nicht gibt. Zudem zählten beide Unternehmen schon vor dem Deal zu den zehn größten Softwareherstellern.

Auf die Größe kommt es an

Näher liegt die Vermutung, dass es Symantec bei der Übernahme vorrangig um die reine Größe geht - sowohl, um Anwender von der eigenen wirtschaftlichen Stabilität zu überzeugen, als auch, um selbst nicht zum Übernahmeopfer zu werden. Trotz einer Marktkapitalisierung von in der Spitze über 20 Milliarden Dollar zählte Symantec mit seiner starken Position im Boom-Markt IT-Sicherheit für die großen Player zu den begehrenswerteren Firmen.

Allerdings musste auch Symantec auf Veränderungen reagieren. Das zuletzt stattliche Umsatzwachstum von über 30 Prozent hätte sich mittelfristig nicht aufrechterhalten lassen - die Sicherheit von Client-PCs wird zwangsläufig zum preislich umkämpften Allgemeingut, selbst ohne den oft vorhergesagten Angriff von Microsoft auf den Bereich. So erhalten beispielsweise AOL-Kunden inzwischen den Virenschutz vom Wettbewerber McAfee ohne Aufpreis zu ihrem Online-Account dazu.

Durch die bislang größte Transaktion im Softwaresektor bricht Symantec allerdings aus dem Desktop-Spiel aus und mausert sich zu einem ernst zu nehmenden Lieferanten für die erfolgversprechende Unternehmens-IT. Künftig werden drei Viertel der Umsätze mit Firmenkunden eingenommen. Bislang hatte das Softwarehaus die Hälfte der Einnahmen mit Privatanwendern erwirtschaftet.

Den technischen Grund für die Übernahme vermutet Speicherexperte Deuschle in einem Trend, der gemeinhin als Konvergenz der Applikations- und Datenverwaltung umrissen wird. Es gehe zunehmend um Geschäftsprozesse, den Einklang von Business und IT, um System-, Enterprise-Content- und Data-Lifecycle-Management: "Die proprietären Frameworks lösen sich langsam auf, und übrig bleiben intelligente Appliances".

Das Management der Ressourcen bewege sich weg von den Servern hinein in ein intelligentes Netz. Laut Deuschle sind die Themen Sicherheit und Speicher zentrale Aspekte einer solchen Strategie: "Hochverfügbarkeit, Performance, Security- und Storage-Management wachsen künftig immer mehr zusammen." Überschneidungen im Portfolio der beiden Unternehmen gebe es jedenfalls kaum. Eine Ausnahme ist Symantecs "Livestate Recovery Advanced Server" für Backups.

Veritas war gefragt in der Szene

Dass Veritas kein Fehlgriff zu sein scheint, lässt sich aus den kursierenden Gerüchten heraushören. Angeblich waren EMC, Hewlett-Packard (HP) und IBM an einer Übernahme des Softwarehauses interessiert, ebenso Microsoft und Oracle. Technisch sei Veritas gut aufgestellt, lobt Deuschle. Gehapert habe es in der Vergangenheit jedoch gelegentlich an den internen Prozessen und Services, da das Unternehmen sehr schnell sehr stark gewachsen sei. Übernahmen bildeten einen Grundpfeiler des Wachstums von Veritas, wenn auch nicht so ausgeprägt wie bei Symantec. Verhoben hat man sich dabei nicht: Mit einer Nettogewinnspanne von knapp 20 Prozent im jüngsten Quartal - 96 Millionen Dollar absolut - steht die Firma auf starken Beinen.

Rund 100 Millionen Dollar sollen im ersten Jahr auf Seiten der operativen Ausga-ben gespart werden, kündigten die Firmen an. Summiert man die jeweiligen Posten im ver-gangenen Geschäftsjahr, errechnet sich eine Einsparquote von weniger als fünf Prozent. Große Verwerfungen sollte die Übernahme also nicht mit sich bringen, auch wenn es gewiss zu personellen Veränderungen kommt. Allein im Vertrieb gilt es, 2000 Veritas-Mitarbeiter und 1600 Symantec-Verkäufer zu integrieren. Betroffen wird vor allem der administrative Bereich sein, wo es stets die meisten Überschneidungen gibt. Stellenstreichungen seien nicht geplant, wiegelten die Unternehmen ab. Verglichen mit der Integration von Oracle und Peoplesoft dürfte der Prozess bei Symantec und Veritas harmonisch ablaufen.

Fraglich ist indes, ob der anfangs kalkulierte Preis von 13,5 Milliarden Dollar in Aktien für Veritas angemessen ist. Das Urteil der Finanzmärkte fiel eindeutig aus - das Symantec-Papier brach in den Tagen der aufkeimenden Übernahmegerüchte und der offiziellen Ankündigung um mehr als 20 Prozent ein. Investoren argwöhnten, der Sicherheitsspezialist drossele sein rasantes Wachstumstempo mit der Akquisition ohne einen hinreichenden Grund. Analysten rechneten vor, dass Veritas den siebenfachen Umsatz kostet, während Peoplesoft für Oracle lediglich mit dem Dreifachen seiner Einnahmen zu Buche schlägt.

Ein Teil der Verluste von Symantecs Aktienwert ließ sich jedoch noch mit einem anderen Ereignis erklären, das zufällig am gleichen Tag wie die Übernahme von Veritas stattfand: Microsoft kündigte an, die Anti-Spyware-Firma Giant zu kaufen. Zwar ist der Deal, dessen finanzielle Details nicht veröffentlicht wurden, in Relation zu dem Veritas-Kauf mickrig. Allerdings erhielt erneut die Befürchtung Nahrung, Microsoft bereite seinen Einstieg in den Sicherheitsmarkt vor. Am gleichen Tag verlor das Papier des Symantec-Konkurrenten McAfee rund elf Prozent seines Wertes.

Im Nachklang der massiven Verkäufe von Symantec-Aktien errechnete sich für Veritas ein Übernahmevolumen von rund 12,5 Milliarden Dollar. Damit reduzierte sich der Aufschlag für die Aktionäre von anfangs knapp zehn auf lediglich ein Prozent. Noch müssen die Veritas-Eigner der Akquisition zustimmen. Sie haben die Wahl zwischen einem stabilen Softwareanbieter mit relativ geringen Wachstumsraten und einem deutlich schneller wachsenden Infrastrukturkonzern, dem künftig nicht nur Microsoft im Nacken sitzen wird. Symantec hingegen bleibt keine Wahl, denn auf Dauer ist die Nische als reiner Sicherheitsspezialist zu klein, um darin unabhängig zu überleben. Zudem musste der Weg in die Unternehmens-IT verbreitert werden.

Mit finanziellen Reserven von rund fünf Milliarden Dollar wird der vereinigte Konzern seine Übernahmestrategie kaum unterbrechen. Noch fehlen einige Teile im Portfolio, etwa für das Asset-Management oder die Content-Verwaltung. Die Konsolidierung der Branche, die im vergangenen Jahr auch die erste Liga der Softwerker erreicht hat, geht in eine neue Runde.