Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

21.11.2003 - 

Markt für Smartphone-Betriebssysteme

Symbian am Scheideweg

MÜNCHEN (pg) - Die Luft wird dünner für Symbian und sein gleichnamiges Smartphone-Betriebssystem. Derzeit erproben Gerätehersteller und Netzbetreiber ihre Business-Telefone auch mit Linux-, Microsoft- und Palm-OS. Außerdem machen Symbian proprietäre Plattformen zu schaffen.

In den lange Zeit nur als winzige Nische betrachteten Markt der Smartphones ist Bewegung gekommen. Um die Betriebssysteme der cleveren Telefone, die leistunfsfähiger sein müssen als die herkömmlicher Handys, ist unter den Herstellern ein harter Wettbewerb entbrannt. Für Aufruhr sorgte vor allem Motorola, das im September aus dem marktführenden Symbian-Konsortium ausstieg und kurz darauf ein Endgerät mit dem Betriebssystem "Windows for Smartphones" des Erzrivalen Microsoft auslieferte. Doch damit nicht genug. Der US-Hersteller debütierte kürzlich in China auch noch mit dem Smartphone "A760", dessen Innenleben auf Linux-Technik der dänischen Firma Trolltech basiert. Motorola unterzieht Linux damit einer Feuertaufe als Betriebssystem für intelligente Telefone. Im Erfolgsfall könnten Linux-basierende Geräte einen internationalen Siegeszug antreten.

Motorola, das weiterhin auch Geräte mit Symbian-OS fertigt, ist kein Einzelfall. Auch andere Hersteller fahren mehrgleisig und entwickeln Smartphones auf Linux-, Microsoft-, Palm- oder Symbian-Plattform mit dem Ziel, deren Akzeptanz und Tauglichkeit am Markt auszuloten. Diese Entwicklung bedroht vor allem Symbian, das zurzeit mit einem Marktanteil von rund 85 Prozent noch das am meisten in Smartphones verkaufte Betriebssystem liefert.

Hinter dem Konsortium stehen die Hersteller Nokia, Panasonic, Psion, Samsung, Siemens, Ericsson und Sony-Ericsson. Das Unternehmen meldete im ersten Halbjahr 2003 einen Absatz von 2,68 Millionen Smartphone-Systemen, im vergleichbaren Zeitraum 2002 waren es nur 230000 gewesen. Die deutliche Steigerung ist vor allem auf die Einführung der Handy-Modelle "7650" und "3650" von Nokia sowie "P800" von Sony-Ericsson zurückzuführen. Unterdessen, so David Wood, Symbians Executive Vice President Partnering, gibt es weltweit 26 Geräte, die mit dem OS seines Unternehmens arbeiten - Tendenz steigend. Die überwiegende Anzahl aller Handys werkelt hingegen nach wie vor mit den proprietären Systemen ihrer Hersteller.

Für Symbian heißt es nun, Flagge zu zeigen, weil der Markt für Smartphones explodiert und die Konkurrenz nicht schläft. Palmsource, die Softwareausgründung des PDA-Spezialisten Palm, trimmt Version 6 von Palm OS stark auf Telefonie. Außerdem vermarktet der von Palm übernommene Hersteller Handspring mit dem "Treo 600" bereits ein erstes Smartphone. Microsoft hingegen hat gute Chancen, über die Partnerschaften mit Motorola und Samsung den Fuß endlich in den Markt zu bekommen. Und Linux wird vor allem durch asiatische Regierungen kräftig gepusht.

Wood vertritt jedoch die Ansicht, dass die meisten Endgeräteproduzenten auf Dauer nicht mehrere Betriebssysteme für Smartphones unterstützen werden. Dafür seien die Entwicklungskosten zu hoch. Da Symbian von Anfang an als Telefonplattform konzipiert wurde, sieht der Manager Vorteile gegenüber Linux, Microsoft und Palm. Es sei, so Wood, sehr aufwändig, Sprachfunktionalität auf eher Desktop-geprägte Systeme aufzusetzen.

Die Schwierigkeiten, "Windows for Pocket PC" auf den Einsatz in Smartphones umzustricken, hat Microsoft zu spüren bekommen. Die Partnerschaft mit dem Hersteller Sendo ging im Herbst letzten Jahres wegen technischer Probleme kurz vor der Auslieferung des "Z100" in die Brüche. Auch die Netzbetreiber konnten sich nicht für das Microsoft-Betriebssystem für Mobiltelefone begeistern. T-Mobile und Vodafone ließen den Softwaregiganten bisher abblitzen. Nur Orange, die Mobilfunktochter der France Télécom, vertreibt ein vom taiwanischen Hersteller HTC gefertigtes intelligentes Telefon mit Microsoft OS - das allerdings liegt wie Blei in den Regalen. Auch das jüngste, mit Motorola entwickelte Smartphone "MPx200" hat sich bislang nicht als Kassenschlager entpuppt. In Deutschland führt einzig Service-Provider Debitel das Produkt im Portfolio, die Nachfrage ist auch hier schwach.

Konkurrenz im eigenen Lager

Trotz der bisherigen Pleiten unterschätzt das Symbian-Konsortium den Softwareriesen wegen seiner Marktmacht nicht. "Wir müssen Microsoft immer im Auge behalten", kommentiert Wood die jüngste Allianz der Company mit Motorola. Dennoch sind es nicht Microsoft und Linux, die Symbian die größten Sorgen bereiten. "Die stärksten Konkurrenten sind die proprietären Inhouse-Betriebssysteme von Herstellern wie Nokia, Sony-Ericsson oder Siemens", ortet Wood die größte Gefahr im eigenen Lager. Als Beispiel nennt er die Plattform "Series 40" von Nokia, die im Gegensatz zu "Series 60" nicht auf Symbian beruht und für Telefone mit kleinen Displays und geringer Funktionalität konzipiert ist. Sie adressiert damit zwar nicht die heute im Highend-Segment angesiedelten Smartphones, macht aber das Problem von Symbian deutlich. Das OS erreicht derzeit nur relativ wenige der insgesamt weltweit verkauften Mobiltelefone.

Um wachsen zu können, muss Symbian also versuchen, mit seinem Betriebssystem die eigenen Gesellschafter zu überzeugen. Wood sieht dafür durchaus Chancen. Seiner Meinung nach wird das Joint Venture in ein bis zwei Jahren auch stark im Midrange-Bereich vertreten sein, weil die Kunden dann im mittleren Preissegment Geräte mit dem Funktionsumfang heutiger Highend-Produkte forderten. Damit werde der Weg in große Marktvolumen frei. "Außerdem dürften immer mehr Nutzer wegen der besseren Sprachqualität sowie integrierter Organizer- und Datenanwendungen von PDAs auf Smartphones umsteigen", glaubt Wood.

Smartphones kannibalisieren den PDA-Markt

Ein Trend, den die Marktforscher von Gartner bestätigen. Ihren Berechnungen zufolge ist der Absatz der Taschencomputer rückläufig, während die cleveren Telefone boomen. Die Analysten von In-Stat/MDR rechnen bis 2008 jährlich nahezu mit einer Verdopplung der Smartphone-Absatzzahlen. In Europa sollen laut IDC heuer 3,3 Millionen Geräte über den Ladentisch gehen, aber nur drei Millionen PDAs. Damit wird der Trend sichtbar, dass Smartphones den Handheld-Markt kannibalisieren.

Darüber hinaus spricht laut Wood für Symbian, dass es außer der Plattform im Gegensatz zu Microsoft keine Applikationen, Tools, Runtime-Umgebungen oder Hardware verkauft. Symbian lasse den Geräteproduzenten und Entwicklern damit Spielraum für eigene Ideen. Dadurch könnten besser Applikationen für Smartphones geschrieben werden, die das Interesse der Netzbetreiber befriedigen. Die wollen Endgeräte, die mehr Umsatz bringen, speziell auf ihre Portale zugeschnitten sind und trotz zusätzlicher Anwendungen möglichst wenig Supportaufwand erzeugen. Derzeit gibt es für Symbian laut Wood knapp 1700 Applikationen. Allerdings, so räumt er ein, sei ein Trend erkennbar, dass Entwickler für Palm und Pocket PC geschriebene Programme für den Einsatz auf Smartphones umschreiben.

Übernahmegerüchte

Beim finnischen Handy-Marktführer Nokia sind offenbar Überlegungen im Gange, den Handheld-Hersteller Psion zu übernehmen. Aus Sicht des finnischen Konzerns würde diese Akquisition Sinn geben, um an die Symbian-Anteile von Psion zu kommen. Symbian ist ein Konsortium, an dem neben Nokia und Psion Panasonic, Samsung, Siemens, Ericsson sowie Sony-Ericsson beteiligt sind. Das Joint Venture lizenziert mit "Symbian" ein Betriebssystem, das speziell für Smartphones entwickelt ist. Durch eine Akquisition von Psion, das mit 31,1 Prozent an Symbian beteiligt ist, würde Nokia die Mehrheit an dem Konsortium erlangen und könnte die Geschicke von Symbian stärker beeinflussen. Die Finnen halten momentan 32,2 Prozent des Unternehmens.