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28.04.2000 - 

Schneller Internet-Zugang über Kupferkabel

Symmetrische DSL-Dienste führen in eine Sackgasse

Die gute alte Kupferader birgt stille, aber gewaltige Reserven. Über vier Kilohertz bietet sie ein enormes Frequenzspektrum, das Raum für viel Bandbreite lässt. Das Verfahren Digital Subscriber Line (DSL) macht sich dieses Potenzial zunutze. Die Autoren Vera Kriebel*, Klaus Lohmann* und Jessica Woelm* beschreiben die Technik und wagen einen Service- und Preisvergleich unter den deutschen DSL-Providern.

Die immer breitere und intensivere Nutzung des Internet für geschäftliche und private Zwecke erfordert Anbindungen, die schnell, bezahlbar und unkompliziert sind. Als Lösung bieten sich die xDSL-Techniken an, wobei das "x" für die verschiedenen DSL-Varianten steht. Ihr Vorteil: Sie nutzen das Kupferkabel, das fast überall verlegt ist, und können zudem mit modernen Management-Systemen gut gewartet werden.

Grundlage für die Entwicklung und Einführung der xDSL-Techniken ist die bislang unzureichende Auslastung der Bandbreite bei Kupferkabeln. Für die Übertragung von Sprache im Telefonverkehr werden lediglich die Frequenzen bis vier Kilohertz belegt. Mit herkömmlicher Technik sind daher über eine Leitung nur Übertragungsraten von 56 Kbit/s bei Modems beziehungsweise 64 oder 128 Kbit/s bei ISDN möglich. Kupferkabel decken jedoch einen Frequenzbereich bis zu 1,1 Megahertz ab - haben also Platz für 250-mal so viel Information. Diese brachliegende Frequenzressource nutzt die DSL-Technik. Je nach Kabellänge können mit dem Verfahren Bandbreiten von 8 Mbit/s bis zu 55 Mbit/s bei der Variante VDSL erreicht werden.

Nutzer eines DSL-Zugangs können einen Teil der Leitung weiterhin analog zum Telefonieren, den anderen Teil jedoch parallel für die Datenübertragung nutzen. Das liegt daran, dass die Kupferleitung durch Zwischenschaltung von DSL-Modems in drei unterschiedliche Kanäle aufgeteilt wird. Einer davon - das so genannte Schmalband - steht nach wie vor für traditionelle Telefondienste zur Verfügung. Ein zweiter Kanal wird für die Verbindung vom Anwender zum DSL-Provider freigehalten. Die dritte Leitung - das Breitband - dient der Datenübertragung vom Serviceanbieter zurück zum Kunden. Eine DSL-Verbindung ist immer fest geschaltet, das heißt, es wird pro Kunde ein dedizierter Anschluss vorgehalten. Er ist also - wie bei einer Standleitung - "always on".

Aufgrund der Erfahrungen der ersten Feldversuche mit xDSL gelten derzeit Bandbreiten von 2 bis 4 Mbit/s als gesichert. Höhere Bandbreiten unterliegen bei einer Kabellänge von mehr als zwei Kilometern allerdings starken Qualitätsschwankungen. Die Umrüstung auf die DSL-Technik muss beim Kunden und Telekom-Hauptverteiler (HVT) erfolgen, wo die einzelnen lokalen Kupferleitungen zusammengeführt werden.

Beim Kunden ist sie relativ unkompliziert und erfordert meist nur den Anschluss eines DSL-Modems. Aufwendiger und teurer ist die Installation auf der anderen Seite, denn DSL kann nur eine bestimmte Entfernung überbrücken.

Der Kundenstandort und HVT dürfen nicht mehr als drei bis fünf Kilometer auseinander liegen. Daher müssen DSL-Provider ein dichtes Netz von HVTs errichten, um großflächig Kunden anbinden zu können. Vom HVT führt die Anbindung weiter über angemietete Leitungen zum City-Point-of-Presence (PoP) des Providers, von dort zum Mega-PoP und von dort über den ISP-Backbone ins Internet (siehe Grafik).

Aufgrund der hohen Transferrate ist es aber kein Wunder, dass DSL gegenwärtig in aller Munde ist. In Deutschland wird das Verfahren in zwei Varianten angeboten: zum einen als symmetrisches DSL (SDSL), zum anderen als asymmetrisches DSL (ADSL). SDSL garantiert sowohl upstream wie auch downstream die gleiche Übertragungsrate bis zu 2 Mbit/s. Damit ist es für Firmen ideal, die zum Beispiel die Leitung für Videokonferenzen nutzen wollen, oder für Versandhändler, die ihre Software zum Download anbieten. SDSL wird in Deutschland von den Providern QSC, Highway One und KKF.net sowie ihren Vertriebspartnern angeboten.

Andere Anbieter wie zum Beispiel First Telecom kokettieren ebenfalls mit DSL-Services, sind aber über das Stadium der Ankündigung noch nicht hinausgekommen. Besonders marktschreierisch geben sich in Sachen DSL Strato und Mobilcom, bei näherem Hinsehen stellt sich jedoch heraus, dass hinter deren DSL-Diensten nichts steckt: Strato wirbt mit "Sky DSL". Hinter diesem Produkt verbirgt sich bloßes Marketing: Die DSL-Anbindung wird nämlich nur vom Modem des Kunden bis zur Satellitenschüssel gelegt, danach ist alles ein ganz normaler Zugang per Satellit - mit allen Einschränkungen. Die gravierendste ist, dass nur die Downstream-Richtung per Satellit möglich ist. Eine Mogelpackung ist auch der vermeintliche SDSL-Zugang von Mobilcom. Der Carrier gibt zwar freigiebig SDSL-Preislisten an die Presse heraus - bei konkreten Anfragen müssen die Norddeutschen jedoch passen, weil es beim SDSL-Zugang von Mobilcom schlicht heißt: Fehlanzeige.

Im Gegensatz zu SDSL bietet ADSL wie schon gesagt asymmetrische Übertragungsraten. Es trägt damit dem Umstand Rechnung, dass viele Anwender einen höheren Down- als Upload-Bedarf haben. In der Anfangsphase wurde die Entwicklung vorangetrieben, um die Übertragung interaktiver Multimedia-Anwendungen zu ermöglichen, wie zum Beispiel Video on Demand. Andere Bereiche sind heute vor allem Teleworking, Remote Access, Web-Präsenz, Homeshopping, insbesondere jedoch der Internet-Zugang. ADSL ist daher für alle geeignet, bei denen es auf die Ausnutzung der vorhandenen Infrastruktur mit einseitig hohen Übertragungsraten ankommt.

Als Spitzenwerte können mit ADSL Bandbreiten von 768 Kbit/s upstream und 8 Mbit/s downstream erreicht werden. Allerdings treten starke Leistungsschwankungen auf. Die Übertragungsrate nimmt mit zunehmender Entfernung des Kundenstandorts zum HVT rapide ab. Technisch gesehen ist es bei geringer Bandbreitenanforderung kein Problem, ADSL wie eine SDSL-Verbindung zu nutzen: bis zu 768 Kbit/s sind sowohl in Down- wie auch Upstream-Raten machbar. Dieses Feature wird in Deutschland bislang aber leider noch nicht angeboten.

Auf den ersten Blick verwundert es, dass der größte deutsche Player, die Deutsche Telekom, nicht beide Varianten im Portfolio hat, um den gesamten Markt zu beherrschen. Doch in diesem Fall sind die Bonner besser als ihr Ruf: SDSL weist zur Zeit nämlich noch erhebliche Mängel auf, zum Beispiel das so genannte Übersprechphänomen. Es macht sich dadurch bemerkbar, dass in den HVTs die SDSL-Verbindungen die normalen Telefongespräche massiv stören. Im Herbst dürfte SDSL jedoch ausgespielt haben. Dann soll nämlich eine verbesserte, standardisierte Variante, wahrscheinlich unter der Bezeichnung SHDSL, auf den Markt kommen. SDSL-Nutzer und Anbieter können ihre bisherige Ausstattung dann nicht mehr weiter nutzen. Was eine solche Umstellung bedeutet, kann sich jeder ausmalen: Die Umrüstungskosten sind immens und Ausfälle in der Migration programmiert.

Fazit: Zu wünschen wäre, dass die Angebote transparenter und kalkulierbarer werden. Aufgrund der hohen Verfügbarkeit und vor allem wegen der bislang noch nicht standardisierten symmetrischen Variante sollten Interessenten auf jeden Fall eine ADSL-Anbindung wählen - oder noch warten. Und noch etwas: Die schönste DSL-Anbindung nützt nichts, wenn Provider ihren Backbone nicht aufrüsten. Denn große Bandbreiten gibt es sonst nur bis zum HVT - darüber hinaus gilt nach wie vor: World Wide Wait.

* Vera Kriebel und Jessica Woelm sind als freie Journalistinnen in Dortmund tätig. Klaus Lohmann ist Geschäftsführer der Firma VAI Value Added Internet in Dortmund.

Abb.: Die Migration auf DSL erfordert beim Kunden meist nur den Anschluss eines DSL-Modems. Quelle: VAI