Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Integrierte Verwaltung von DEC-, IBM- und Tandem-Netzen


09.10.1992 - 

System Center und DEC bringen Netz-Management auf CMIP-Basis

FRANKFURT (gh) - Wovon OSI-Verfechter meist noch träumen, scheinen Digital Equipment (DEC) und Systems Center zumindest im Bereich Netzwerk-Management realisiert zu haben: die Administration heterogener Strukturen auf CMIP-Basis. Mit den von beiden Unternehmen entwickelten - Softwarelösungen "Polycenter SNA-Manager" und "Solve:Connect für EMA" sollen Decnet- und SNA-Netze in jeweils einer der beiden Umgebungen von einer einzigen Konsole aus verwaltet und gesteuert werden können.

Als "Evolution, die eigentlich eine Revolution ist", wollte Rolf Levenhagen, Geschäftsführer der deutschen Systems Center GmbH, anläßlich der Präsentation die beiden neuen Produkte für das Peer-to-peer-Management zwischen DEC- und IBM-Umgebungen verstanden wissen.

Weltweit gebe es mehr als 10000 Rechenzentren und unternehmensweite DV-Strukturen, die bislang netzwerktechnisch über getrennt voneinander zu betreibende DEC- beziehungsweise IBM-Installationen verfügten. Diesen Anwendern werde nun, so Levenhagen, erstmals ein End-to-end-Management über eine heterogene Netz-Infrastruktur ermöglicht.

Nach Angaben beider Unternehmen verwirklichen Polycenter SNA Manager 1.0 von Digital und Solve:Connect für EMA von Systems Center den Austausch von Informationen über Digital- und IBM-Ressourcen in beide Richtungen. Auf diese Weise ist es möglich, verschiedene Netzstrukturen und Protokolle (SNA, Decnet Phase IV, Decnet OSI und TCP/IP) von jeweils einem der drei folgenden Management-Systeme aus zu verwalten: von Digitals "Decmcc Director", "Netmaster" von Systems Center oder IBMs "Netview".

Beide Softwarepakete arbeiten dabei, wie es bei Systems Center heißt, so zusammen, daß eine 'Verbindung zwischen Decmcc und Netmaster beziehungsweise Netview hergestellt wird. Sowohl der Polycenter SNA Manager als auch Solve:Connect für EMA enthalten jeweils ein Zugangsmodul, das Befehle an externe Management-Systeme weiterleitet sowie ein Presentation-Modul, das Befehle von einem externen Management-System akzeptiert. Darüber hinaus wird zur physikalischen Verbindung ein Server benötigt, der die Verbindungen zwischen den einzelnen Systemen aufbaut und die Meldungen weiterleitet.

Die Verbindung der unterschiedlichen Management-Systeme erfolgte, wie Thomas Offermann, Product-Manager System- und Netzwerk-Management bei Systems Center, ausführte, nach einem "Management of Management"-Prinzip, bei dem es darauf ankam, "die jeweils andere Welt abzubilden".

Die Funktionen von Solve:Connect für EMA basieren deshalb auf einem von Systems Center entwickelten objektorientierten Datenmodell der SNA-Umgebung, das auf der "Grundlage offener Systeme agieren kann". Anders formuliert: Das Datenmodell bildet den von SNA-Netzen erzeugten NMVT-Ereignisstrom (Network Management Vector Transport) auf von Decmcc verwendete CMIP-Tools ab.

Auf diese Weise ist es dem Datenmodell möglich, als Übersetzer für die Informationsflüsse zwischen den zwei Netzwerk-Management-Systemen zu fungieren jeder Netzadministrator kann also von der Decmcc-Konsole aus SNA-Objekte verwalten, indem er die Icons und Menüs im Decmcc Director manipuliert; Dabei stehen dem DEC-Operator alle Befehle und Steuerfunktionen von Netmaster beziehungsweise Netview zur Verfügung; SNA-Alerts werden innerhalb von Decmcc als EMA-Ereignisse gemeldet.

Sowohl Netview als auch Netmaster korrespondieren demnach auf einem gleichen "Connectivity-Level" mit Decmcc, wobei nach Angaben von Systems Center alle Alerts, Ereignisse und Befehle auf CMIP abgebildet werden, um eine Steuerung in jede Richtung zu ermöglichen.

Interoperabilität wollen die Management-Softwarespezialisten aus dem US-Bundesstaat Virginia aber nicht nur zwischen DEC- und IBM-Welt herstellen, sondern auch mit den Nonstop-Systemen von Tandem. Gleichzeitig mit den beiden Connectivity-Lösungen für Decnet beziehungsweise SNA wurde von Systems Center die Freigabe des Softwarepaketes "Nonstop Netmaster" bekanntgegeben. Das Produkt wurde gemeinsam mit Tandem entwickelt und basiert auf der seit längerem verfügbaren Netmaster-Version für IBM-Systeme.

Durch den Einsatz von Nonstop Netmaster soll - analog zu Polycenter SNA Manager und Solve:Connect für EMA - das Management heterogener Strukturen mit IBM- und Tandem-Systemen ermöglicht werden. Anders als etwa Digital haben die Tandem-Verantwortlichen dabei nicht auf die Weiterentwicklung ihres eigenen Netzwerk-Management-Systems gesetzt, sondern portierten auf die IBM-Netmaster-Basis von Systems Center eine Erweiterung ihrer Distributed-Systems-Management-Architektur (DSM). Das Produkt wurde da bei nach Angaben von Tandem nicht nur auf eine Nicht-MVS-Plattform portiert, sondern stellt eine für das Betriebssystem "Guardian" optimierte Neuimplementierung - basierend auf C - dar.

Während die Kommunikation mit IBMs Netview über Solve:Connect erfolge, könne beim Einsatz von Nonstop Netmaster gleichzeitig auch die Automatisierungssprache NCL (Network Control Language) von Systems Center dazu verwendet werden, Operationen in Tandem-Systemen zu automatisieren, auf denen Guardian als Betriebssystem laufe. Sowohl der Systemkern von Guardian als auch alle strategisch wichtigen Subsysteme - beispielsweise TP-Monitor, diverse Kommunikations-Zugriffsmethoden sowie bestimmte kundenspezifische Applikationen - seien mit den DSM-Schnittstellen SPI (Command Interface) und EMS (Event-Interface) ausgestattet.

Mit den drei neuen Produkten verfolge man, so Systems-Center-Manager Offermann, einen "strategischen Ansatz", weil die Möglichkeiten zur Informations- und Datenverarbeitung an die sich ständig ändernden Geschäftsprozesse angepaßt werden müßten. Mehr denn je gelte daher der Grundsatz, daß "das Management heterogener Strukturen zu einer Überlebensfrage für die Unternehmen wird". Schützenhilfe erhielt der Product Manager auch durch seine Kollegen von Digital und Tandem, die unisono die Ansicht vertraten, daß die zukünftig noch höheren Anforderungen an Netzwerk-Management-Systeme nur über ein "kooperatives End-to-end-Management" zu erfüllen seien.

Ob sich die Euphorie im Kaufverhalten der Anwender widerspiegeln wird, bleibt abzuwarten. Erste Pilotinstallationen bei der Bayer AG (Polycenter SNA Manager beziehungsweise Solve:Connect für EMA) und der Karstadt AG (Nonstop Netmaster) haben jedenfalls, so die drei Hersteller, einen guten Eindruck hinterlassen. Solve:Connect für EMA soll laut Systems Center Mitte November zusammen mit 'dem Polycenter SNA Manager verfügbar sein, Nonstop Netmaster ist ab sofort erhältlich. Über die Preise für den deutschen Markt lagen bis Redaktionsschluß keinerlei Angaben vor.