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29.09.1978

System(h)auswahl bleibt ein Lotteriespiel

Leistungsfähige Hardware, individuelle Software und kompletten Service aus einer Hand zu bekommen (das Ganze möglichst unter dem Preis einer Maiframe-Lösung) - dieser Wunsch vieler EDV-Einsteiger läßt sich leicht realisieren: mit Systemhäusern. Deren Zahl steigt. Nur: Wo der Anwender hochkarätige Spezialisten vermutet, sitzt - so die bittere Erfahrung - oft ein, vielfach weniger qualifizierter Programmierer. Auch wenn er sich den Anschein gibt, daß bei ihm der Kunde noch König sei und man mit seinen Leuten reden könne - sogar über den Preis. Daß die Ehe mit einem Systemhaus gut gehen kann, zeigen die Erfahrungen der Firma Lorch. Ein Negativ-Beispiel beschreibt das zweite Statement. Einhelliger Rat beider Firmen: Künftige Interessenten sollten sich genau über den Background des zur Diskussion stehenden Systemhauses informieren und darauf bestehen, bereits realisierte Lösungen ansehen zu können. hö

Horst Schöllkopf jr., Geschäftsführer J. Lorch Ges. & Co. KG, Waldenbuch b. Stuttgart

Wir sind ein Fertigungsbetrieb mit 180 Mitarbeitern, vertreiben unsere Produkte - 3500 Fertigerzeugnisse und 12 000 Einzelteile in Deutschland und den westeuropäischen Ländern.

Anfang 1975 entschlossen wir uns zu einer organisatorischen Umstellung und der Anschaffung eines EDV-Systems anstelle der bis dahin externen Datenverarbeitung.

Nach eingehender Marktbeobachtung - neben der Lektüre von Fachzeitschriften haben wir alle uns zu diesem Zeitpunkt bekannten

EDV-Anbieter angeschrieben und auf Messen aufgesucht - blieben noch etwa 20 Systeme für die enge???uswahl.

Wichtigstes Auswahlkriterium hierzu waren die Besuche bei den jeweiligen Anwendern bestimmter Systeme. Nachdem sich zunächst die infragekommenden EDV-Systeme auf fünf reduziert hatten, blieben durch noch intensivere Anwendergespräche schließlich zwei Firmen übrig: MAI und Sträßle Datentechnik.

Der grundlegende Unterschied zwischen diesen beiden Unternehmen war, daß MAI nur die Hardware, Sträßle jedoch Hard- und Software angeboten hat.

Da wir "blutige EDV-Laien" waren, entschieden wir uns dafür, vertraglich bestens abgesichert, alles aus einer Hand zu nehmen. Wesentlich war auch noch der Preisunterschied.

Nach Vertragsabschluß setzte sich umgehend ein Sträßle-Programmierer mit uns in Verbindung, um alle vertraglich geregelten Bereiche bis ins Detail mit uns durchzusprechen. Größten Wert legten wir hierbei darauf, EDV-Laien zu bleiben und selbst die innerbetrieblichen Informationen von unserem Vertragspartner aufbereiten zu lassen.

Die Stammdaten wurden unter Zuhilfenahme unserer Außendienstmitarbeiter während der Haupturlaubszeit - im Juli 76 erstellt. Im Januar 77 liefen bereits die meisten Programme.

Von Mehrkosten für eine inzwischen erforderliche Aufstockung oder zusätzlich erforderliche Programme wurden wir - durch unsere vertragliche Absicherung - nicht betroffen.

Für die Ende 1976 gelieferte Hardware - zwei Data-General-Minicomputer - haben wir ebenfalls einen Wartungsvertrag abgeschlossen, der hundertprozentig eingehalten wird.

Unsere heutige Konfiguration: Zwei Rechner mit 128 und 96 K, sechs Bildschirme und zwei Drucker. Sicherlich gab es - gerade in der ersten Zeit nach der Installation - Probleme. Nachdem wir aber auch in unserer Produktion mit Maschinen arbeiten, ist uns bekannt, daß solche Störungen immer einmal auftreten können.

Der Autor ist der Redaktion namentlich bekannt

Unser Versuch, seit 1975 in Zusammenarbeit mit einem sogenannten Systemhaus ein modernes, leistungsfähiges Computersystem zum Laufen zu bringen, endete vorerst damit, daß wir heute "EDV zu Fuß" betreiben müssen:

Begonnen hat die Misere mit einem Besuch der Hannover Messe

1975, wo wir uns verschiedene Computersysteme der von uns benötigten Größenklasse angesehen haben. Nach einigen Gesprächen entschlossen wir uns, von einem Händler einen Data-General-Rechner zu kaufen, inklusive der von uns gewünschten Software.

Der Vertrag sicherte uns ein komplettes "Datev-Programm-System" zu: Buchhaltungsprogramm, Bilanzprogramm, Lohnprogramm, Mandantenerfassung und Anlagenprogramm. Zu Weihnachten 75 erhielten wir dann endlich "ein bißchen Buchhaltung". Der Rechner

selbst stand längere Zeit beim Systemhaus, damit dort die Programme gestrickt werden konnten. Als wir das Unternehmen mit Zahlungsverweigerung unter Druck setzten, wurde uns ein Bilanzprogramm geliefert.

Das kam dann zwar rechtzeitig, hatte aber den Fehler, daß von insgesamt sechs Programmteilen nur etwa drei liefen. Das zugesicherte Lohnprogramm gibt es bis heute überhaupt nicht. Als dieses Jahr eine Umstellung auf neue Steuersätze erforderlich war und wir das Systemhaus daran erinnerten, war unser Gesprächspartner für längere Zeit in Urlaub.

Danach haben wir eine Ausschlußfrist gesetzt für Ende Februar 78, die jedoch zu keiner wesentlichen Veränderung mehr geführt hat.

Das gelieferte Buchhaltungspaket war - wir konnten das nach mühsamem Suchen herausfinden so speicheraufwendig, daß es nicht einmal auf zwei Bildschirmen laufen konnte. Mein Sohn hat dann versucht, ohne eigene EDV-Kenntnisse ein neues Programm in Basic zu schreiben, mit dem wir jetzt tatsächlich arbeiten können.

Änderungen in bestehende Programme haben grundsätzlich Probleme gebracht. Es war sehr zeitaufwendig, diese geänderten Programme wieder zum Laufen zu bringen. Die Umsatzsteuer-Voranmeldung von 6 und 12 Prozent ist zwar installiert, läuft jedoch bis heute nicht.

Um unseren laufenden Betrieb überhaupt weiterführen zu können, arbeiten wir auch heute noch parallel mit dem Olivetti-Datenerfassungssystem, das eigentlich gegen den neuen Computer ausgetauscht werden sollte.

Gegen den Rechner allein ist nichts zu sagen, die Schuld liegt in unserem Fall bei dem Händler.

Die Wartung für den Rechner wurde übrigem auch recht leicht genommen. Man sagte uns auf eine entsprechende Anfrage, daß 40 Grad plus oder minus hier gar keine Rolle spielen würden. Als wir dann einmal eine Platte herausgenommen hatten und nach einer Stunde wieder einlegen wollten, lief die nicht mehr. Weil wir Laien uns selbst helfen mußten, wurde die Platte in den Kühlschrank gelegt, Danach ging sie wieder.

So also kann einem EDV-Laien mitgespielt werden, der versucht, für den stolzen Preis von rund 140 000 Mark Hard- und Software aus der Hand eines Systemhauses zu kaufen.

**Da es sich in diesem Fall um ein schwebendes Verfahren handelt, kann dieses Statement nur ohne Nennung der Beteiligten veröffentlich werden.