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20.06.2003 - 

Butler bewertet Produktsegment

System-Management im Vergleich

MÜNCHEN (CW) - Für Produkte des System-Managements gelten neue Regeln. Modularität, Geschäftsprozess-Monitoring und Prognosefähigkeit heißen die geforderten Disziplinen. Analysten der Butler Group haben den Markt untersucht und festgestellt, dass vor allem die großen Anbieter ihre Hausaufgaben weitgehend erledigt haben.

Die IT-Administration gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits steigen die Erwartungen der Anwender an den Service Level, andererseits wächst mit der Einführung neuer Applikationen etwa in Form von Content-Management, Data-Warehousing oder Enterprise Portals die Komplexität der IT. Doch der große Kraftakt steht noch bevor: Den Experten der Butler Group zufolge sind gegenwärtige IT-Infrastrukturen noch harmlos im Vergleich zu dem, was Administratoren mit der Einführung neuer Techniken wie Web-Services oder Grid-Computing erwartet.

Die Kontrolle gilt dem Prozess

Die Anbieter von System-Management-Produkten haben Mühe, mit diesen Herausforderungen Schritt zu halten. Konzentrierten sich ihre Werkzeuge lange Zeit auf das Management von IT-Komponenten, die Bewältigung von Systemproblemen und die Performance-Kontrolle, verschiebt sich der Fokus nun auf die Unterstützung von Geschäftsprozessen. Dabei geht es nicht nur um den reibungslosen Betrieb interner Anwendungen. Vor allem die Bereitstellung von IT-Funktionen außerhalb des Unternehmens etwa für Kunden oder Zulieferer verlangt Systeme, die selbst bei ungewöhnlich hoher Belastung noch funktionieren müssen - schon aus Image-Gründen. Mehr denn je ist vorausschauendes Handeln gefragt, und das kann auch eine gut geschulte DV-Abteilung nur mit der entsprechenden Tool-Unterstützung erreichen.

Vier Forderungen stellen deshalb die Butler-Analysten an die Hersteller von System-Management-Produkten:

- die Entwicklung proaktiver und intelligenter Diagnose-Tools,

- die Einhaltung von Standards, damit sich Anwender je nach Bedarf eine Best-of-Breed-Lösung zusammenstellen können,

- eine stärkere Ausrichtung der Produkte an den Belangen mittelständischer Unternehmen (bislang haben die Hersteller eher Großkonzerne im Visier) sowie

- modulare, einfacher implementierbare und bedienbare Systeme.

Vom Framework zur Komponentenarchitektur

Vor allem die Großen der System-Management-Branche hatten erheblichen Entwicklungsaufwand, um diese Aspekte in ihren Produkten zu berücksichtigen. Ob Computer Associates (CA), Hewlett-Packard, IBM Tivoli oder BMC: Allen Anbietern war gemein, dass ihre komplexen Pakete als Framework integriert waren, von Modularität konnte keine Rede sein. Großprojekte mit hohen Investitionskosten waren die Folge - ein Abenteuer, auf das sich nur weltweit operierende Konzerne einließen. Doch die Hoffnung, mit einer proprietären Gesamtlösung eine Art De-facto-Standard in Sachen System-Management setzen zu können, hat sich für keinen der Anbieter erfüllt.

Eine neue Softwarearchitektur sollte den Abschied von der Kompaktidee einleiten. Computer Associates meldete Mitte 2001 das Re-Design von "Unicenter", das inzwischen ein Set von rund 80 System-Management-Modulen umfasst. Auch die übrigen Framework-Anbieter reagierten. Neben CA hat sich Butler HP und IBM/Tivoli näher angesehen - BMC wollte sich an der Befragung der Analysten nicht beteiligen.

Das Ranking der drei Schwergewichte fällt knapp aus. Von den insgesamt 70 erreichbaren Punkten (sieben Kategorien mit jeweils maximal zehn Punkten) sammelt Unicenter 57, gefolgt von Tivoli (55 Punkte) und "HP Openview" (54 Punkte). Deutlichere Unterschiede ergeben sich erst beim Blick auf die einzelnen Kategorien.

In der Disziplin "Architektur" ging es Butler in erster Linie um den Wandel der Produkte vom Framework zum Modulbaukasten. Auch der vom passiven Monitoring zum proaktiven Management veränderte Aufgabenbereich hatte Folgen auf die technische Infrastruktur der Lösungen. Das Resultat ist eine vom prinzipiellen Aufbau bei allen Anbietern ähnliche Architektur: Das Framework wurde in Komponenten unter anderem für Netz-, Operations-, Ressourcen- und Web-Infrastruktur-Management zerlegt, deren Verbindung nun "Common Services" (CA) beziehungsweise "Component Services" (Tivoli) übernehmen.

Ferner geht es bei der Architekturbewertung um die Automatisierung von Routine-Tasks sowie das Management beziehungsweise Monitoring von Datenbanken und Applikationen. Letzteres lösen die Produkte mit vorgefertigten Spezialzusätzen für gängige Software wie R/3, Peoplesoft, Microsoft Exchange oder Lotus Notes. Die Unterschiede in dieser Kategorie sind nicht allzu groß: Während CA die volle Punktzahl erreicht, kommen HP und IBM jeweils auf acht der zehn möglichen Punkte.

CAs Neugents alarmieren

Deutlichere Differenzen zeigen sich dagegen im Bereich "proaktives Management und Automation". Hierunter verstehen die Analysten Features wie fortgeschrittene Funktionen zur Ereigniskorrelation, Ursachenforschung (Root Cause Analysis), Historienprotokolle, die im Störfall ein Roll-back des Systems erlauben, Datenbankkontrolle und Cluster-Management. Auch Prognosefähigkeiten zur Kapazitätsplanung fallen in diesen Bereich. Vor allem das Thema Automation gehen die Hersteller mit Agententechnik an. So werden im Fall von HP Openview Richtlinien (Policies) für bestimmte Probleme definiert, auf deren Grundlage dem Operator automatisch Lösungsvorschläge angeboten werden. Die auf neuronalen Netzen basierenden "Neugents" von CA trainieren sich selbständig im laufenden Systembetrieb und verbessern damit ständig die Vorhersagen zu drohenden kritischen Situationen. Tivoli setzt wie die Mutter IBM auf integrierte Selbstheilungskräfte, so zum Beispiel auf die automatisierte Problemverfolgung mit anschließender Systemkorrektur. Unterm Strich konnten Tivoli ebenso wie HP allerdings nur sechs Punkte erreichen, während es CA immerhin auf neun brachte.

Integration ist kein Thema

Keine Wünsche lassen die Konkurrenzprodukte offensichtlich in Bezug auf den Integrationsaspekt offen: Hier liegen alle drei Kandidaten mit voller Punktzahl gleichauf. Gleiches gilt für das Deployment, bei dem die Hersteller zu einem Out-of-the-Box-Ansatz ihrer Module tendieren. So gab Tivoli an, dass sich die Monitoring-Lösung im Vergleich zum Voränger dreimal so schnell installieren lässt. Dazu gehören auch das automatische Erkennen von IT-Komponenten sowie Grundeinstellungen des Systems, die nach den Best-Practice-Erfahrungen des Herstellers ausgelegt sind. Dennoch sollten System-Management-Implementierungen nicht unterschätzt werden. HP spricht von einem Zeitrahmen, der je nach Projektgröße von mehreren Wochen bis zu Jahren dauern kann, wobei in jedem Fall tiefgehendes Produkt-Know-how seitens der Anwender und Systemhäuser gefragt ist.

Offensichtliche Differenzen tun sich in der Kategorie "Administration und Reporting" auf. Standard ist hier eine zentrale Konsole, die sich über ein Portal oder eine Browser-Oberfläche bedienen lässt. Wichtig ist auch die Personalisierung beziehungsweise Anpassung der Oberfläche, sei es in Bezug auf die Administratorfunktion, auf Geschäftsprozesse oder priorisierte Problemfälle. Die Berichtsfunktionen enthalten in der Regel ein reichhaltiges Angebot an Vorlagen. Das CA-Produkt bewertet Butler mit zehn Punkten, HP und Tivoli kommen dagegen nur auf fünf Punkte, wobei die Analysten diese Differenz nicht näher begründen.

Schwäche beim Business-Level-Management

Eine besonders auffällige Schwäche weist Unicenter in der Kategorie "Business-Level-Management" auf. Hierunter versteht Butler die Möglichkeit einer ganzheitlichen Sicht auf die IT-Infrastruktur. Dabei wird das Monitoring von Service Levels und einzelnen Systemen dahingehend erweitert, dass im Rahmen von Geschäftsprozessen auch das Zusammenspiel und die gegenseitige Beeinflussung der Komponenten sichtbar wird. Im Idealfall reicht die Prozessdefinition bis zum Endbenutzer: so etwa die Frage, welche Systeme priorisiert werden sollten, damit der IT-Zugriff eines Kunden nicht auf Performance-Probleme stößt.

Um den Aufgaben des Business-Level-Management gerecht zu werden, verfügen die Produkte über eine zentrale Management-Konsole, in die sich die entsprechend benötigten Daten aus der gesamten IT importieren lassen. Worauf es dann ankommt, ist die grafische Darstellung (inzwischen Browser- oder Portal-basierend) sowie Filter- und Personalisierungsmechanismen, um die Informationsflut zu kanalisieren. Eine fortschrittliche Lösung zeichnet sich laut Butler auch durch Analysetechniken aus, die aus der Kombination aktueller und historischer Daten eine Trendvorhersage erlauben.

Business-Level-Management ist eine derzeit in allen Produkten noch wenig ausgereifte Trenddisziplin. In Bezug auf Unicenter hebt Butler in diesem Zusammenhang die Module für Service-Level-Management hervor, die unter anderem ein Messen der Antwortzeiten bis auf die Ebene von Applikationen etwa in Form von J2EE- und .NET-Geschäftslogik erlauben. Doch das reichte den Analysten offensichtlich nicht, um der CA-Lösung mehr als einen Punkt in dieser Kategorie zu geben.

HPs Openview kann hier mit fünf Punkten aufwarten. Zusätzlich zu den bei CA erwähnten Features wie das Monitoring von Antwortzeiten oder der Vergleich von Service Level Agreements mit der tatsächlich erreichten Dienstequalität werden bei Openview eine Drill-down-Funktion hervorgehoben, mit der sich aufspüren lässt, wo J2EE- und .NET-Transaktionen unnötig lange Zeit verbringen.

Tivoli schneidet beim Business-Level-Management mit sechs Punkten noch etwas besser ab. Als wichtige Funktionen des Systems betont Butler das tägliche Zusammenführen von operativen Daten aus diversen Unternehmens- und Web-Servern, um vorhersagen zu können, wann eine technische Störung einen kritischen Geschäftsbereich oder ein Service Level Agreement tangieren könnte. IT-Ressourcen werden nicht nur in Bezug auf die Funktionsfähigkeit einzelner Komponenten überprüft, sondern in ihrem Zusammenspiel für einen priorisierten Geschäftsprozess.

Langjährige Erfahrung macht sich bemerkbar

Die volle Punktzahl erreichen alle drei Kandidaten dagegen in den Disziplinen "Standards" sowie "Deployment". Hier kommt die lange Erfahrung der großen Framework-Anbieter zum Tragen, deren Systeme keine Ecke der IT-Infrastruktur auslassen. Sie geben Status, Events und die Konfiguration sämtlicher Komponenten wider: sei es Windows oder ein OS/390-Mainframe, ein Frame-Relay- oder TCP/IP-Netz, ein Cluster oder ein SAN. Entsprechend umfangreich ist die Unterstützung von Industriestandards und Netzprotokollen ausgelegt.

Schließlich wirft Butler unter der Bezeichnung "Emerging Technology" noch einen Blick auf die Zukunftsfähigkeit der Systeme. Gemeint ist damit einerseits die Unterstützung neuer Techniken wie Web-Services, Grid-Computing, .NET oder die Verwaltung der im Server-Umfeld zunehmenden Linux-Installationen. In die Beurteilung fließt aber auch die Skalierbarkeit des Systems selbst ein, etwa aufgrund einer leistungsfähigen Messaging-Technik als Kommunikations-Backbone oder der Cluster-Fähigkeit der Software. Hier trumpfen die Infrastrukturspezialisten IBM und HP mit je zehn Punkten auf, da zum Beispiel Tivolis System-Management-Suite sehr stark von der Autonomic-Computing-Initiative IBMs sowie der Nähe zu Applikations-Servern profitiert. Auf CA entfallen dagegen nur sechs Punkte.

Bezüglich der Kosten haben von den drei Branchengrößen nur Tivoli und HP Angaben gemacht. So liegt eine Tivoli-Neuinstallation je nach Projektumfang und den benötigten Modulen zwischen 50000 und 500000 Dollar. Etwa 25 Prozent davon sind zusätzlich für Services zu veranschlagen sowie 15 bis 20 Prozent für die jährlichen Wartungskosten. Bei HP reichen die Installationskosten aufgrund der modularen Openview-Architektur von 10000 bis mehrere Millionen Dollar. Services lassen sich mit 50 Prozent und mehr der Lizenzkosten veranschlagen, Wartungsverträge mit 15 bis 20 Prozent.

Compuware und Candle im Mittelfeld

Von den insgesamt zwölf bewerteten Angeboten dürfte viele Anwender noch die Platzierung von Candle und Compuware interessieren. Beide Urgesteine stammen aus der Mainframe-Ära und genießen auf jeden Fall im Großrechnerumfeld eine nennenswerte Verbreitung. Candles "Omegamon" belegt mit 46 Punkten Platz fünf und liegt in den meisten Kategorien im Mittelfeld. Einen positiven Ausreißer (zehn Punkte) hat das Produkt in Sachen Deployment, eine vergleichsweise schlechte Bewertung (vier Punkte) verzeichnet es beim Business-Level-Management. Im Fazit ordnet Butler die Omegamon-Module als eine der wenigen großen Lösungen ein, die sich auch für Unternehmen unterhalb von Konzernstrukturen eignen.

Auf Platz sieben rangiert mit 45 Punkten Compuwares "Vantage"-Suite. Auffällig an dem Produkt, das in den Einzeldisziplinen überwiegend im Mittelfeld der Skala platziert wurde, ist die maximale Punktzahl beim proaktiven Management. Hier macht sich die Spezialisierung des Herstellers auf Test- und Simulationslösungen bemerkbar. (ue)

Infrastruktur-Management

Die Branche ist sich weitgehend einig. Zu den Aufgaben von Infrastruktur-Management zählen:

- der Roll-out neuer Betriebssysteme und Applikationen innerhalb des gesamten Unternehmens bis hin zu remote angeschlossenen und mobilen Benutzern;

- das Desktop-Management von der Geräteanschaffung bis zu deren Ausmusterung;

- das Implementieren von Richtlinien für Risiko-Management;

- das Automatisieren von Routineaufgaben;

- das Identifizieren und Beseitigen von Flaschenhälsen und anderen Softwareproblemen;

- das Verwalten heterogener IT-Landschaften (Server, Applikationen, Betriebssysteme);

- das Analysieren, welche Technik kritisch für einen speziellen Geschäftsprozess ist;

- das Berechnen, welche Performance-Ressourcen für bestimmte Geschäftsaktivitäten einkalkuliert werden sollten.

Die Studie

Die Analysten von Butler (www.butlergroup.com) haben in ihrer Studie "Infrastructure Management" zwölf Produkte bewertet, von denen hier aber nur auf die großen Anbieter Computer Associates (57 Punkte), IBM/Tivoli (55) und Hewlett-Packard (54) sowie kurz auf zwei "alte Hasen" der Branche, Candle (46) und Compuware (45), eingegangen wird. Im Ranking enthalten, hier aber nicht weiter erwähnt, sind außerdem die Hersteller Smarts (49), Managed Objects (46), Micromuse (41), Aprisma (38), Heroix (33), Concord (31) und Mercury Interactive (30). Zu den Großen der Branche zählt sicher auch die BMC Software Inc., die laut Butler jedoch nicht im Report aufgenommen werden wollte. Zu beachten ist, dass die Studie auf einer Hersteller- und Anwenderbefragung des vergangenen Jahres beruht, also auch nur die seinerzeit aktuelle Technik berücksichtigt.

Abb: Drei Schwergewichte

Trotz der Schwachpunkte in manchen Einzeldisziplinen: Die drei großen System-Management-Player führen nahezu gleichauf das Butler-Ranking an. Quelle: Butler Group