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22.09.1995

Systeme der mittleren Datentechnik drastisch reduziert Rhenus optimiert die Logistik durch Client-Server und ISDN

Es ist nur konsequent, wenn ein Logistikdienstleister auch in der IT-Infrastruktur die Optionen des Client-Server-Computing ausschoepft. Anhand der Dortmunder Stinnes-Tochter Rhenus zeigt Uwe Scholz*, wie das Unternehmen versucht, Anforderungen an Flexibilitaet und Geschwindigkeit in der Logistik mit geeigneten DV- und Kommunikationssystemen gerecht zu werden. Der Autor legt dabei den Schwerpunkt auf die prozessorientierte Kommunikation mit Kunden sowie das unternehmensweites Netzwerk auf Basis von ISDN.

Wer bei Logistik in erster Linie an Container, Binnenschiffe oder Lkw-Kolonnen denkt, taeuscht sich. In dieser Branche findet im Gegensatz zu frueher eine grundlegend veraenderte Arbeitsteilung statt. Just-in-time-Anlieferung - frueher ein Credo zukunftsweisender Organisationsformen in der Fertigung - wird heute nicht mehr diskutiert, sondern in der Praxis als selbstverstaendlicher Bestandteil des umfassenden Logistikkonzeptes vorausgesetzt.

Gefragt ist vielmehr eine umfassende Dienstleistung, die haeufig einem kompletten Outsourcing der Lager- und Transportaufgaben gleichkommt oder gar die Vorfertigung komplexer Aggregate einschliesst. Damit steht die Beschaffungslogistik vor einer Herausforderung ganz neuer Art. Es muessen naemlich Vorprodukte, komplette Aggregate oder Systeme, aber auch Roh- und Hilfsstoffe zur Aufrechterhaltung kontinuierlicher Produktionsprozesse gefertigt, gesammelt, bevorratet und zeitgerecht beim Produzenten angeliefert werden.

Vor allem bei Grossproduzenten wie etwa in der Automobilindustrie geht der Trend in Richtung auf die Uebernahme der Gesamtverantwortung als Logistikdienstleister fuer einzelne Logistikprozesse - inklusive der Koordination der Zulieferer. So wird etwa vom Systemzentrum Heilbronn aus die Produktion des Audi A6 von Rhenus mit 1200 verschiedenen Stossfaengerausfuehrungen versorgt. Alle zwei Minuten ruft Audi per DFUE den passenden Stossfaengersatz fuer die Endmontage ab. Rhenus bleiben dann fuer die Montage und sequenzgerechte Anlieferung ins Audi-Werk exakt 200 Minuten Zeit. Nicht anders bei Mercedes im Motorenwerk Untertuerkheim. Die Belieferung mit Kaufteilen erfolgt hier zweischichtig direkt ans Band - in Zukunft sogar ohne den Umweg ueber die Wareneingangskontrolle.

Aber auch in anderen Branchen sind zunehmend komplexe Dienstleistungen gefragt. So sorgt Rhenus etwa beim Antennenbauer Fuba in Hildesheim in der Distributionslogistik fuer den Wareneingang, die Kontrolle, Importabfertigung, Lagerverwaltung, Auftragsverwaltung, Kommissionierung und transportgerechte Verpackung.

Bei aller Unterschiedlichkeit der Projekte gibt es dennoch eine Reihe struktureller Gemeinsamkeiten. Alle Aufgaben werden von weitestgehend autarken Organisationseinheiten in direkter Kundennaehe wahrgenommen.

Zur Optimierung der Ablaeufe muessen die Prozesse beim Kunden sowie beim Dienstleister sowohl organisatorisch als auch informationstechnisch integriert werden. Voraussetzung ist jeweils die kontinuierliche und sichere Kommunikation mit dem Kunden, den Lieferanten sowie innerhalb des Unternehmens.

Mit der strategischen Neuausrichtung der DV-Landschaft unter Aspekten wie Flexibilitaet, Skalierbarkeit, Standards und Sicherheit bei der Abwicklung hatte die Zentralabteilung DV- Systeme/ Organisation unter der Regie des Leiters Werner Habryka eine harte Nuss zu knacken. Mit kleinen Spezialteams, bestehend aus externen Partnern, DV-Mitarbeitern aus den operativen Einheiten sowie der Hauptverwaltung, wurden nach der Strukturierung der Aufgabe die entsprechenden Teilgebiete in Angriff genommen.

Modellierung der Prozesse erfolgt mit CASE-Tool

Mit der Umsetzung eines neuen IT-Konzeptes hat Rhenus dem Wandel vom Speditionsunternehmen zum Systemdienstleister auch hinsichtlich der DV und Kommunikation Rechnung getragen. Damit verbunden war die voellige Reformierung der DV-Landschaft sowie als Basis die Installation eines unternehmensweiten Netzwerkes. Einer der Schwerpunkte der Rhenus-Strategie liegt dabei im konsequenten Aufbau einer umfassenden DV-Kompetenz fuer logistische Prozesse.

Die Planung und Integration der Ablaeufe geschieht sowohl in organisatorischer wie auch technischer Hinsicht unter Einbeziehung der Kunden mit geeigneten Hilfsmitteln. So kommt etwa bereits zur Modellierung der Prozesse ein CASE-Tool zum Einsatz. Mit diesem Werkzeug werden alle erforderlichen Ablaeufe sowie die jeweiligen Schnittstellen festgelegt. Zur DV-technischen Integration der Prozesse war eine voellige Neuorientierung in der IT erforderlich. Aeusseres Kennzeichen ist die weitestgehende Abloesung der bis dato praegenden mittleren Datentechnik durch Client-Server- Architekturen.

Setzte Rhenus im Jahre 1989 als Resultat der historisch dezentral gewachsenen Einheiten noch 56 zum Teil unterschiedliche Systeme der mittleren Datentechnik ein, so wurde ihre Zahl bis heute auf zwei reduziert. Auf der anderen Seite stiegen die PC-Systeme von 240 auf heute 900 an. Um den Betrieb der Infrastruktur sicherzustellen, sind gegenwaertig 120 Server noetig.

Mit der Substitution der zumeist proprietaeren DV-Systeme geht eine weitgehende Abloesung der Anwendungssysteme einher. Statt der bisherigen herstellerspezifischen oder selbstentwickelten Programme kommen Standardsoftware-Pakete zum Einsatz. Waehrend die buerospezifischen Aufgaben mit Standard-Tools fuer den PC abgewickelt werden, wird im Kerngeschaeft Logistiksoftware eingesetzt. Bei Grossprojekten wie der Baustofflogistik fuer die Neugestaltung des Potsdamer Platzes in Berlin oder bei BMW realisiert Rhenus - nicht zuletzt auch auf Kundenforderung - den Einsatz von SAP R/3.

Nicht die Software, sondern die Netzwerkinfrastruktur stand jedoch bei der Entwicklung des neuen IT-Konzeptes zunaechst im Mittelpunkt. Fuer Rhenus-DV-Organisator Holger Schmitt war schon bei Projektbeginn klar, dass nur ein flexibles und leistungsfaehiges unternehmensweites Netz die Basis fuer alle folgenden Anwendungen bilden konnte. Analog wurden Aufgabenstellungen bereits beim Projektstart definiert. Es galt, die eigenen Niederlassungen an die Hauptverwaltung in Dortmund, die Aussenbetriebe an die Niederlassungen sowie den Kunden an die auftragnehmenden Einheiten anzubinden. Zudem sollten der Online-Support durch das beratende Systemhaus sowie die zentralen Rhenus-Dienste realisiert werden.

Die Anforderungen an die Netzwerkstruktur wurden zum einen durch die Erfordernisse bei Rhenus selbst, zum anderen durch die Forderungen der Kunden definiert. So sollte das Netz verschiedene Dienste bereitstellen, einen schnellen Verbindungsaufbau ermoeglichen, eine hohe Verfuegbarkeit mit einem hohen Datendurchsatz vereinen sowie den wirtschaftlichen Betrieb garantieren. Die intensive Interaktion mit den Kunden verlangte zudem ein Hoechstmass an Standardisierung, offene Systeme und die Moeglichkeit zur schnellen Realisierung neuer Projekte. Eine grundlegende Kundenforderung gilt zudem der Ausfallsicherheit und letztlich sollte das Netzwerk groesstmoegliche Transparenz bieten. Zur Auswahl kamen deshalb durchweg Technologien, die aufgrund ihres Reifegrades einen sicheren und wirtschaftlichen Betrieb ermoeglichen.

Waehrend die hausinterne Vernetzung mittels Novell-Netzwerken realisiert wurde, bildet im WAN-Bereich das ISDN die zentrale Basis. Dabei bedeutete WAN auch die Integration anderer Dienste wie etwa X.25 oder Fax bis hin zum Desktop-Conferencing. Vor allem die Moeglichkeit zur Uebertragung von Daten, Sprache und Bewegtbildern ueber ein Netz waren wesentliche Argumente fuer den Einsatz von ISDN.

Bedingt durch die besondere Konstellation bei Rhenus, gaben die Features zur Systemintegration einen weiteren Ausschlag fuer den integrierenden Netzddienst der Telekom. Schliesslich galt es, nicht nur die eigenen SAA-, Windows-, OS/2- und Unix-Plattformen zu vernetzen, sondern auch die jeweiligen kundenspezifischen Systeme in die eigenen Ablaeufe einzubinden.

Mit ISDN wurde jedoch nicht nur die Basis fuer eine plattformunabhaengige Multiprotokollumgebung geschaffen, sondern auch die fuer die Rhenus-Anwendung kostenguenstigste Alternative gewaehlt. Im Vergleich zu Datex-P schneidet die WAN-LAN-Verbindung in fast allen Kalkulationsszenarien durch die Gebuehrenstruktur, den schnellen Verbindungsaufbau und die Moeglichkeit zu virtuellen Verbindungen guenstiger ab.

Der Umsetzung des Client-Server-Konzeptes auf Grundlage einer ISDN-Infrastruktur kam entgegen, dass eine hinreichende Basis an standardisierten Produkten verfuegbar ist, die eine sichere Integration aller Komponenten ermoeglicht. Fuer die Realisierung der ISDN-Infrastruktur setzte das Konzept vollstaendig auf Hard- und Software des Dortmunder Telekommunikations-Anbieters ITK. Gestuetzt wurde die Entscheidung, weil bei Projektstart bereits ein Adapter fuer den S2m-Primaermultiplexanschluss erhaeltlich war.

Mit 30 ISDN-Kanaelen bildet der Primary-Adapter das Kernstueck der Netzinfrastruktur in der Dortmunder Rhenus-Zentrale. Die Fillialen und Beteiligungsgesellschaften sind mit ISDN-Adaptern der Serie ix-Eins ausgestattet. Gleiches gilt fuer die beiden Systempartner in Bremen und Ettlingen, die ueber ISDN direkten Zugang zum Rhenus- Netz haben, um Wartungs- und Servicearbeiten remote vornehmen zu koennen.

Auf Softwareseite kommt ein Netware-Multiprotokollrouter fuer ISDN zum Einsatz. Er realisiert die Integration unterschiedlicher Transportprotokolle und ermoeglicht so nicht nur die Einbindung vorhandener Systeme, sondern auch die Interoperabilitaet mit DV- Systemen der Kunden: Waehrend bisher das Fax die Kommunikationsgrundlage bildete, laeuft die Datenuebertragung jetzt zunehmend papierlos.

Neben der Performance galt der Sicherheit des Gesamtsystems ein natuerlich ein besonderer Augenmerk. Alle Server des Systems sind sind komplett gespiegelt, fuer die Security in der Datenuebertragung sorgen in die ISDN-Adapter integrierte Features.

Wurde mit der Umsetzung des neuen IT-Konzeptes die Basis fuer eine sichere, flexible und kostenguenstige Kommunikation gelegt, so hat sich Rhenus bereits weitere Ziele gesteckt. In Teilbereichen schon heute praktiziert, soll der Service bei der Entwicklung der Informationslogistik des Kunden weiter intensiviert werden. Dazu bietet Rhenus nicht nur die Konzeption der Kommunikationsprozesse an, sondern schafft auch die noetigen Schnittstellen: Sie bilden nach der Ueberzeugung von DV-Organisator Schmitt heute den wesentlichen Wettbewerbsfaktor.

Rhenus AG

Mit 3400 Mitarbeitern an ueber 100 Standorten und einem Umsatz von fast einer Milliarde Mark ist die Dortmunder Rhenus AG heute einer der fuehrenden Logistikdienstleiter Europas. Auf 2,4 Millionen Quadratmetern eigener Lagerflaeche werden Gueter aller Art umgeschlagen. Neben dem klassischen Lagergeschaeft mit Getreide oder Kohle nimmt der Recycling-Bereich mit Altglas, PET-Flaschen oder Papier einen immer groesseren Raum ein.

*Uwe Scholz ist freier Journalist und Berater fuer Unternehmenskommunikation in Schwerte.