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25.04.1986 - 

Patentamtspräsident plädiert für Know-how-Pendant zu den USA:

Systeme für Informationsfundus schaffen

MÜNCHEN (lo) - Im Fokus bundesrepublikanischer Technikentwicklung, dem Deutschen Patentamt in München, zentrieren sich für die kommenden Jahre mechanische Technologie, Maschinenbau und - an dritter Stelle - Elektronik als bestimmende Konstanten der Wirtschaft hierzulande. Kritisch allerdings könnte für deutsche Innovatoren ihre fast vollständige Abhängigkeit von US-Datenbanken werden, gibt Dr. Erich Häußer, Präsident der Behörde, zu bedenken.

Eine internationale Spitzenstellung weisen die Zahlen aus dem Tätigkeitsbereich des Patentamts für 1985 der deutschen Industrie bei dem Einsatz von Mikroelektronik in mechanischen Geräten zu. Bessere Noten erhalten der traditionelle Schwerpunkt Maschinenbau, ebenso die Raumfahrt- und Raketentechnik wie auch die Medizin- und Umwelttechnik. Auf diesen Sektoren erfolgten, wie schon in den vergangenen (...)ren, die meisten Patentanmeldungen. Mit 80 Prozent dominieren dabei die selbständigen Erfinder und mittelständischen Unternehmen. Lediglich 20 Prozentanteile der Innovation fallen auf die Großindustrie.

Während der deutsche Weltmarktanteil bei den speziellen Anwendungen der Mikroelektronik etwa 20 Prozent betrage, seien im Bereich Bauelemente nur zwei Prozent zu verzeichnen. Der Münchner Statistik zufolge hinkt hierzulande auch die technische Entwicklung bei Taschenrechnern, Mikrocomputern, Robotern sowie der Bildübertragung hinterher.

Hohe Anmeldezahlen von technischen Novitäten weisen zugleich auf Innovationsfreudigkeit der deutschen Wirtschaft hin. Als Indiz wertet der Patentamtschef den Anstieg (...) 23 618 neuen Warenzeichen im (...)vorigen Jahr auf 24 824 im vergangenen Jahr. Auch die inländischen Patentamtanmeldungen, ein weiterer Indikator, stiegen von 31 948 Nennungen 1984 auf 32 215 Meldungen 1985. Bei internationalen Lizenzverhandlungen, so lasse sich beobachten, werde besonderer Wert auf ein vom Deutschen Patentamt geprüftes Patent gelegt.

Bedenklich stimmt den Präsidenten der deutschen Innovationszentrale in München indes die Abhängigkeit bundesrepublikanischen Forscher- und Erfindergeistes vom gigantischen Informationsmonopol der US-Datenbanken. Sie speicherten über 90 Prozent des verfügbaren technischen Wissens. Von einem funktionierenden Informationsmarkt sei hierzulande aber noch nicht zu sprechen. Häußer über bereits praktizierte Abfragesperren bei US-Know-how: "Extrem kritisch." Zudem sei mit einer weiteren Verschlechterung der deutschen Lizenzbilanz zu rechnen, falls dieses Defizit nicht abgebaut werde. Daher sei es endlich an der Zeit, ein Gegenpotential zu errichten. Damit ließe sich gegen eine Abhängigkeit der Bundesrepublik bei dem für künftige Forschung und Entwicklung (FuE) überaus wichtigen Rohstoff Information steuern, deren Zusatzeffekte sich auch auf Kapital und Arbeitsplätze auswirkten .

Bis zu 30 Prozent der für FuE aufgewendeten Finanzierungsmittel, so die Beobachtungen, könnten eingespart werden, wenn das vorhandene technische Wissen konsequent abgefragt und benutzt würde. "Bei privatem und staatlichem 52-Milliarden-FuE-Aufwand verheizen wir runde 15 Milliarden Mark", betont Häußer. Hier könnten nur rasch ins Leben gerufene technisch-naturwissenschaftliche Patent- und Fachinformationssysteme helfen, denn, so der Behördenchef zur COMPUTERWOCHE, wes ist schon nicht mehr fünf vor zwölf " .

Mit Blick auf die Verhandlungen um das SDI-Programm sagte der Präsident der Münchner Behörde weiter: "Ich halte gesprochene und geschriebene Worte für nicht so zuverlässig wie Fakten, die wir selbst schaffen können."

Gegen die Auswirkungen von Informationsbeschränkungen wollen sich die Münchner mit einem eigenen Informationssystem wappnen. Damit soll deutsches Wissen dann auch effizienter vermarktet werden können. Ab Ende Juni 1986 wird die Patent-Datenbank (Patdpa), die in Zusammenarbeit mit dem Fachinformationszentrum Karlsruhe errichtet wurde, öffentlich zu nutzen sein. Sie bietet in rund 200 000 Datensätzen jeweils die ersten Seiten der seit 1981 erschienenen Patentdokumente einschließlich der Patentzeichnung und der Verfahrensinformation aus dem Patentblatt an.

Für Unabhängigkeit auf dem Feld aufbereiteter Technik-Information ist jedoch eine Datenbank mit dem vollständigen Inhalt der Papiere konzipiert. Vorbilder dabei sind die USA und Japan. Rund 60 Millionen Mark reichten schon aus, kalkuliert Häußer die Kosten für diesen Stein im Fundament bundesdeutscher Innovationsautonomie durch, um etwa 60 000 Patentvolltexte in deutscher Sprache zu speichern.