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20.04.2001 - 

Trotz eklatanter Marktflaute im vergangenen Jahr

Systemhaus Bechtle bleibt auf Wachstumskurs

STUTTGART - Die allgemeine Nachfrageschwäche im deutschen IT-Markt vergangenes Jahr hat auch bei der Bechtle AG, Gaildorf, Spuren hinterlassen. Im Gegensatz zu manch anderem Konkurrenten aber konnte der Systemintegrator und IT-Händler seinen Umsatz steigern und nach wie vor schwarze Zahlen schreiben. Von Beate Kneuse*

"Wie alle anderen sind auch wir im vergangenen Jahr gebeutelt worden", gab Bechtle-Lenker Gerhard Schick bei der Präsentation der Bilanz 2000 zu Protokoll. Man habe wie viele Marktanalysten geglaubt, nach einem durch den Jahrtausendwechsel bedingten müden ersten Quartal werde das Geschäft kräftig anziehen, weil nach gemeisterter Jahr-2000-Umstellung die zuvor auf Eis gelegten Projekte nachgeholt würden. Das Gegenteil war jedoch der Fall: "Die IT-Leiter in den Unternehmen gönnten sich eine längere Verschnaufpause als erwartet, dann sind die ersten Signale eines wirtschaftlichen Abschwungs aufgetaucht, und viele Investitionen wurden eingefroren", so Schick weiter. Gemessen am Umfeld sei das Bechtle-Ergebnis passabel, schob er nach, ohne seine Unzufriedenheit verbergen zu können.

Die Enttäuschung ist verständlich, denn das schwäbische Systemhaus stand in der Vergangenheit dafür, seine Planziele nicht nur zu erreichen, sondern auch zu übertreffen. Im Jahr 2000 ist jedoch die Serie gerissen, denn vorgenommen hatten sich die Schwaben den Sprung über die Umsatzmilliarde. Dies missglückte zwar, jedoch konnte Bechtle den Umsatz um komfortable 55,5 Prozent von 614,5 auf 955,5 Millionen Mark steigern. Beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) hingegen verfehlte die Firma das angepeilte Ziel von 53,1 Millionen Mark nicht nur kräftig, sondern blieb mit erreichten 15,5 Millionen Mark auch noch deutlich unter der Vorjahresmarke von 26,2 Millionen Mark. Der Jahresüberschuss reduzierte sich gegenüber 1999 geringfügig von 10,3 auf 10,1 Millionen Mark.

Aller Unzufriedenheit zum Trotz aber konnten die Gaildorfer sowohl im Projekt- als auch im Handelsgeschäft Boden gutmachen. Der Bereich Systemintegration verzeichnete einen Anstieg um 44 Prozent von 522,1 auf 751,9 Millionen Mark. Dafür sorgte nicht zuletzt die schon traditionelle Akquisitionspolitik von Bechtle. Fünf Systemhäuser holte man an Bord - und erweiterte dadurch die bundesweite Präsenz auf über 30 Standorte. Beim IT-Handel, den Bechtle international betreibt und als Geschäftsbereich E-Commerce bezeichnet, stiegen die Einnahmen um rund 120 Prozent von 92,4 auf 203,7 Millionen Mark.

Zukauf in der SchweizHier verstärkten sich die Schwaben mit drei Unternehmen und kauften mit der Schweizer Comsoft Data Direct AG erstmals in ihrer Firmengeschichte eine Gesellschaft im Ausland. Umtriebig zeigte sich Bechtle auch in Frankreich und in Belgien, wo man aber aus eigener Kraft Stützpunkte aufbaute.

Im laufenden Geschäftsjahr hat die seit einem Jahr börsennotierte Bechtle AG ebenfalls schon kräftig akquiriert. Anfang März angelte man sich den Systemhausbereich des Berliner Bürotechnikspezialisten Horn & Görwitz und ist damit nun auch in der Hauptstadt vertreten. Gerade im Norden und im Osten der Republik ist die Präsenz der Schwaben noch eher dürftig. Schick ließ aber keinen Zweifel daran, dass die weißen Stellen auf der deutschen Landkarte in diesem Jahr durch weitere Akquisitionen reduziert werden sollen. Darüber hinaus verstärkte man das Apple-Angebot durch die Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent am Stuttgarter Anbieter Uhlmann Computersysteme.

Dass man auch nicht zögert, "lästige" Wettbewerber vom Markt wegzukaufen, sobald sich eine Möglichkeit bietet, stellte Bechtle gerade mit der Übernahme des Handelsgeschäfts der Neckarsulmer TDS Informationssysteme AG unter Beweis. Der benachbarte IT-Dienstleister mit Hang zum Application-Service-Provider hat nach einem miserablen Geschäftsjahr die Lust am margenschwachen Hardwaregeschäft verloren. Außerdem ging der Umsatz der 1987 als CHG gegründeten und Anfang des Jahres in TDS Infrastrukturservice GmbH umbenannten Handelstochter mit angeschlossenem Desktop-Services-Bereich von 130 auf rund 90 Millionen Mark zurück und zeigte ein negatives Ebit von fast fünf Millionen Mark. Bechtle nutzte die Gunst der Stunde, stach Mitbewerber M+S Elektronik sowie Arxes aus und baut somit die eigene Handelsabteilung auf einen Schlag um 200 Mitarbeiter sowie fünf Standorte aus.

Aber auch ohne die ungebrochene Akquisitionsfreude scheint Bechtle im laufenden Geschäftsjahr zu alten Erfolgen zurückkehren zu können. "Das Jahr 2000 war ein Ausnahmejahr. Der Verlauf des ersten Quartals stimmt uns zuversichtlich, die Ziele für 2001 zumindest halten zu können", so Schick. Diese sehen vor, beim Umsatz insgesamt auf 1,2 Milliarden Mark zu kommen. Als Gewinn vor Zinsen und Steuern sind 30 Millionen Mark geplant.

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.

Abb: Unternehmensentwicklung

Quelle: Bechtle