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21.11.1980

Systemhaus entwickelt schlüsselfertige Lösung für Tanzschulen:Max, wenn Du den "Tango" programmierst

Obwohl die Münchner Tanzschule Wolfgang Steuer in Deutschland das größte Unterrichtsangebot in Rock 'n' Roll pflegt, zieht im hauseigenen Computer ein "Tango"-Softwarepaket seine Schleifen. Aber diese Bezeichnung ist der kürzelfreudigen Softwarebranche wohl eher zufällig eingefallen. Viel ungewöhnlicher erscheint auf den ersten Blick die Tatsache, daß gerade eine Tanzschule sich mit einem Systemhaus zusammensetzt und über eine Computeranwendung diskutiert. Spielerei? Geldverschwendung? Oder ein Grand Ecart im sportlichen Gesellschaftstanz-Management?

"Anfangs standen wir dem Computerwunsch von Herrn Steuer etwas ungläubig gegenüber", kommentiert ein Sprecher der GSE-Gesellschaft für Software-Engineering mbH das Tanzschulprojekt. "Erst nachdem wir die Probleme erkannt haben, empfanden wir den DV-Wunsch nicht nur als legitim, sondern seine Erfüllung sogar lebenswichtig." Grund: Nach Meinung von Tanzschulen-Chef Steuer haben die Lehrinstitute bereits ab 1984 weniger Neuanmeldungen durch den "Pillenknick". Das bedeutet, daß Teilnehmer von bestehenden und zurückliegenden Kursen viel intensiver als bisher angesprochen und für Fortgeschrittenenkurse gewonnen werden müssen. "Bei dieser Konzeption", so ein GSE-Sprecher, "haben wir mit Begeisterung die Aufgabe angepackt."

Die schlüsselfertige Lösung besteht aus einem Data-General-Minicomputer, dem CS 40 der Commercial Systems (Nova). Angeschlossen sind eine Magnetplatte mit 25 MB Kapazität, zwei Bildschirme sowie ein Matrixdrucker. Die Cobol-Programme decken folgende Bereiche ab:

- Kursverwaltung einschließlich der Selektionsroutinen für die Teilnehmerverwaltung und Änderungsdienst für neue Kurse;

- Getränkeverwaltung einschließlich der Lieferscheinerfassung, Inventur und Mitarbeiter-Konten;

- Kassenbuchprogramme mit Kursgebührenverwaltung einschließlich automatischer Übernahme ins Kassenbuch, Buchungen, Tageslistendruck und Änderungsdienst;

- Teilnehmer-Archiv-Verwaltung mit Auflistung der Kurssaison, Datenpflege, Selektionsprogramm und Ausdruck der Archivliste;

- Adressen-Verwaltung einschließlich Adreßdateiverwaltung mit Druckprogrammen. Darüber hinaus werden Aufklebeadressen für Werbebriefaktionen erstellt.

- Schallplattenverwaltung mit Datenpflege und Auskunftsmöglichkeiten über Titel, Komponisten oder Tanzarten.

Die Idee zum Computereinsatz erhielt Steuer durch das Flugbuchungsverfahren. Allerdings nahm er nach einigen Kostenvoranschlägen bei großen Computerherstellern erst einmal

Abstand von seinem Plan. Steuer: "Die Anschaffungskosten waren untragbar. Darüber hinaus sollten die Anwendungsprogramme noch einmal erhebliche Summen verlangen."

Die Kooperation mit der GSE-Gesellschaft für Software-Engineering mbH kam durch eine Empfehlung zustande. Steuer engagierte sich selbst bei der Programmentwicklung sehr stark. Er sorgte auch schließlich dafür, daß das "Tango"-Paket so aufgebaut wurde, daß es auch auf kleineren Anlagen lauffähig blieb. Hintergrundgedanke: Die Software sollte in Lizenz auch anderen Tanzschulen angeboten werden.

Daher kann die GSE das "Tango"-Paket mit Hardware auch an kleinere Tanzschulen weitergeben, die bis etwa 1000 Adressen verwalten müssen. In diesem Fall reicht ein kleines CS-System mit Bildschirm, Drucker und Diskettenstation zum monatlichen Mietpreis von etwa 600 bis 800 Mark. Die Software ist in diesem Preis eingeschlossen.

Steuer selbst hat sich von vorneherein für die nächstgrößere Ausbaustufe entschieden: In seiner Tanzschule läuft "Tango" auf einer CS/40 mit normaler 25 MB-Magnetplatte, zwei Bildschirmen und einem Drucker. Damit sind selbst aufwendige Selektionsläufe schnell abzuarbeiten. Aber auch bei normalen Magnetplatten gibt es abgestufte Konfigurationen und damit mehrere Auswahlmöglichkeiten für Tanzschulen aller Größen. So wird eine CS mit 12 MB-Platte einschließlich der Software und Ausgabedrucker für monatlich 1100 bis 1200 Mark Miete angeboten. Wer noch mehr Adressen von Tanzschülern im direkten Zugriff haben will, setzt eine 25 MB-Platte ein. Die monatlichen Mietkosten liegen dann bei rund 1500 Mark.

Heute kann sich der Münchner seine Tanzschule ohne den eigenen Computer gar nicht mehr vorstellen: "Eine aktuelle Archivierung mit rechtzeitigen Einladungen, Bestätigungen, Erinnerungsschreiben, Drucken von Mitgliedsausweisen und vor allem genauer Teilnehmer- und Adreßverwaltung ist ohne dieses Hilfsmittel gar nicht möglich."

Alle Programmteile sind integriert. Das stärkste Argument für einen Tanzschulen-Computer sieht Steuer in der "... schnellen und selektiven Kundenverwaltung. Bereits bei Anfragen nach Informationsmaterial werden Namen und Adressen der potentiellen Kursusbesucher über die Bildschirmtastatur in das CS-System eingegeben. Mit der einmaligen Aufnahme jeder Adresse kann man dann programmgesteuert mehrere Aufgaben im Sinne eines echten Marketings betreiben."

Erweiterungen sind bei dem aufgeschlossenen Tanzlehrer ständig im Gespräch. So berät man derzeit mit der GSE über ein Optimierungsprogramm für die Partnerwahl. Durch eine Art von Wunschliste kann jeder Kursusteilnehmer diejenigen Kriterien in den Minicomputer eingeben, die er bei seinem Tanzpartner besonders schätzt. Nach einem Vergleichslauf im "Tango"-Schritt selektiert dann der CS-Minicomputer den diesem Wunschbild am nächsten kommenden Tanzpartner.

Die Cobol-Programme in Menütechnik und Bildschirm-Klartext sind den Mitarbeitern der Tanzschule Wolfgang Steuer nach kurzer Einweisung wie ein neuer Tanz beherrschbar geworden: Alle Lehrer können mit dem Computer umgehen.

Klaus Rosenthal ist freier EDV-Fachjournalist.

Informationen: GSE-Gesellschaft für Software-Engineering mbH, Karlstraße 60, 8 München 2, Telefon 0 89/55 52 34.

Tanzschule Wolfgang Steuer, Schützenstraße 8 und Sonnenstraße 25, 8 München 2, Telefon 0 89/59 51 42-43.