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Bis 2004 zwei Milliarden Mark Umsatz im Visier


10.12.1999 - 

Systemhaus Gedas läßt sich die weitere Expansion einiges kosten

BERLIN - Weiter auf Wachstumskurs bleibt die Volkswagen-Tochter Gedas. Nach dem Umsatzsprung im vergangenen Jahr legte das Berliner Systemhaus auch 1999 noch einmal tüchtig nach. Zudem wurde der Personalstamm um rund 1000 Mitarbeiter erhöht und die internationale Präsenz ausgebaut.

"Die Volkswagen AG mißt Gedas große Bedeutung bei und hat kein Interesse daran, die 100prozentige Beteiligung an dem Unternehmen durch Hereinnahme von Partnern oder einen Börsengang aufzugeben", stellte Dieter Schacher, Aufsichtsratsvorsitzender der Gedas-Gruppe, vor Journalisten in Berlin unmißverständlich klar. Tatsächlich besteht derzeit für den Wolfsburger Autoriesen auch kein Grund, sich seiner IT-Tochter zu entledigen. Nach ihrer Schwächeperiode Mitte des Jahrzehnts mit zwei Verlustjahren verzeichneten die Berliner zuletzt beachtliche Wachstumsschübe und schreiben schwarze Zahlen.

So auch 1999. Zwar ist das Geschäftsjahr noch nicht ganz abgeschlossen, doch Gedas-Chef Robert Stauß wollte mit den Erfolgsmeldungen nicht länger warten. Mehr als 600 Millionen Mark Umsatz werden ihm zufolge bei der Endabrechnung zu Buche schlagen. Gegenüber den 405 Millionen Mark, die das Vorjahr an Einnahmen bescherte, bedeute dies ein Wachstum von rund 50 Prozent und damit ein noch größeres Plus als im schon guten Vorjahr. Da hatten sich die Berliner um 42 Prozent verbessert. Nicht ganz so konkret wollte sich die Gedas-Verantwortlichen allerdings in Sachen Erträge äußern. Nur zögerlich ließ der kaufmännische Geschäftsführer Frank Schakau vor versammelter Presserunde durchblicken, daß die Gedas-Gewinnentwicklung in diesem Jahr "eine ähnliche Qualität wie das Umsatzwachstum" aufweisen werde.

Nach wie vor erzielt Gedas mehr Umsatz im Ausland als in Deutschland. Für 1999 rechnet Schakau für die hiesigen Aktivitäten mit rund 200 Millionen Mark Einnahmen. Den Rest steuern die internationalen Geschäfte bei, an deren Ausbau die VW-Tochter mit tatkräftiger Unterstützung der Mutter in den vergangenen zwölf Monaten weitergearbeitet hat. So kommt das Systemhaus neben seinen 13 Niederlassungen in Deutschland mittlerweile auf 17 Standorte weltweit - davon neun in Europa, sechs in den USA und zwei in Asien.

Höhepunkt der Internationalisierung war Mitte des Jahres die Gründung der Gedas Inc. in Detroit, einem Zentrum der US-Autobranche. Sie erfolgte gemeinsam mit der Volkswagen of America, die 40 Prozent der Anteile übernommen hat. Die enge Verflechtung mit der Konzernmutter spiegelt sich auch in der Kundenstruktur von Gedas wider. Noch immer ist VW der größte Kunde. Rund 65 Prozent des Umsatzes stammten 1999 aus Geschäften mit den Wolfsburgern - ein Anteil, der sich in den nächsten Jahren deutlich zugunsten der externen Klientel ändern soll. "Bis zum Jahr 2004 werden wir das Verhältnis umgedreht haben", kündigte Schakau an.

Gleichzeitig will man kräftig weiterwachsen. Die Pläne von Geschäftsführer Stauß sehen vor, im Jahr 2004 mit Einnahmen von rund zwei Milliarden Mark, die zu gleichen Teil im In- und Ausland erzielt werden, und 6000 bis 8000 Mitarbeitern (derzeit knapp 3000) ganz oben in der Weltliga der IT-Beratungshäuser und -Dienstleister mitzuspielen. Was im Moment noch ein ehrgeiziges Unterfangen darstellt. Zwar sieht sich Gedas in Deutschland derzeit nach einer etwas eigenwilligen eigenen Marktinterpretation hinter CSC Ploenzke, Andersen Consulting und Pricewaterhouse-Coopers als Nummer vier, doch in Europa gehört man bislang noch nicht einmal zu den 20 Größten, gestand Stauß ein.

Damit dieses Ziel keine reine Vision bleibt, bastelten die Berliner zuletzt kräftig an ihrem Geschäftskonzept. Vor allem in die neu implementierte Business-Unit E-Mobility zur Forcierung ihres Telematikbereiches setzen Stauß & Co. große Hoffnungen. So will sich Gedas künftig in diesem Zusammenhang auch als Portalanbieter (vorwiegend für Autohändler) versuchen und Content-Provider für sich gewinnen. Angesprochen werden soll damit keineswegs nur der Autofahrer, sondern der "mobile Business-Kunde", hieß es in Berlin. Noch allerdings befindet sich besagtes Projekt in der Konzeptionsphase, erst im nächsten Jahres soll es marktreif sein. Insgesamt geht Stauß für den E-Mobility-Bereich bis 2004 von einem Umsatzanteil von rund acht Prozent aus.

Berliner wollen globaler SAP-Logo-Partner werden

Schwerpunkt soll aber bei den Berlinern neben dem Outsourcing das ERP-Segment bleiben. Bislang nach eigenem Bekunden Logo-Partner von Weltmarktführer SAP in Deutschland, Spanien, Mexiko, Brasilien und China, trachtet die VW-Tochter noch nach mehr. "Wir wollen das schaffen, was bislang nur den ganz großen Beratungshäusern gelungen ist, nämlich globaler SAP-Logo-Partner zu werden", stellte Stauß klar. Daß selbst den Walldorfern in einem zunehmend schwierigeren Marktumfeld der Wind schärfer ins Gesicht bläst und letztlich auch seine Company darunter leiden könnte, ließ Stauß nicht gelten. "Mit derzeit rund 100 Millionen Mark Umsatz sind wir nicht abhängig von SAP. Prinzipiell sieht Stauß auch im ERP-Markt in den kommenden Jahren ein großes Potential: "Customer-Relationship-Management und Supply-Chain-Management werden eine ganz zentrale Rolle spielen." Im Jahr 2004 sieht er jedenfalls den ERP-Bereich bei einem Anteil von 17 Prozent des Unternehmensumsatzes.

Aus eigener Kraft werden die Berliner ihre ehrgeizigen Ziele nicht erreichen können. Akquisitionen sollen dabei helfen. Allerdings beeilte sich Stauß anzumerken, daß man dabei wie schon in der Vergangenheit nicht überhastet vorgehen werde. 1999 wurde unter anderem die Datenrevision GmbH, Spezialist für Leitstände, gekauft. Insgesamt steuerten die Übernahmeaktivitäten etwa 30 Millionen Mark Umsatz und 150 Mitarbeiter zum Gesamtergebnis bei. "Ein wenn auch mühsames Wachstum aus eigener Kraft ist letztlich einfacher, als ein Unternehmen mit 100 Leuten zu kaufen und die Kulturen zusammenzuführen", gab der Gedas-Chef in diesem Zusammenhang zu bedenken. Und in Sachen Investitionsbedarf, der für die nächsten Jahre auf 200 bis 300 Millionen Mark geschätzt wird, weiß Stauß die starke Mutter im Rücken. "Unsere Liquidität ist durch VW abgesichert."

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.