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17.07.1992

Systemintegration oder wie oder was?

Die großen Universalanbieter wie IBM, Digital, Unisys, Bull und SNI sind eifrig bemüht, einer selbst gestellten Forderung zu entsprechen: Als Ende der 80er Jahre deutlich wurde, daß die Anwender Unverträglichkeiten in Multivendor-Umgebungen nicht mehr hinzunehmen bereit waren, machten sich IBM & Co. für offene Systeme stark - die Idee der Systemintegration war geboren. Aber damit auch der Systemintegrator? Als solchen bezeichnet sich heute jeder Hersteller, der von dem Wandel in der DV-Branche in der Weise betroffen ist, daß Überkapazitäten zu Verlusten führen. Gemeint ist der Preisverfall bei der Hardware, am stärksten im PC- und Workstationbereich, moderat noch - wenn auch für die Anbieter besonders schmerzhaft - in der Großrechnerwelt. Ursächlich für die Krise ist ein verändertes Bewußtsein bei den Anwendern: Kritik richtet sich zunehmend gegen diejenigen Produzenten, die Loyalität erzwingen wollen, indem sie von ihrer proprietären Linie nicht abgehen.

Nun kann man einwenden, daß viele Kunden zwar offene Systeme wollen, daß ihnen aber die Mittel - und ausdrücklich nicht nur die Moneten - fehlen, diese auch zu verwirklichen. So wohnt etwa der Software-Entwicklung ein retardierendes Moment inne, vor dem jede Innovation kapitulieren muß: Weil Spezialisten-Know-how gefragt ist, das sich auf vorhandene proprietäre Systeme bezieht, die es - aus welchen Gründen auch immer - zu erhalten gilt, werden von unserem heutigen DV-Ausbildungssystem nur solche Leute produziert, die am Arbeitsmarkt hier und jetzt Chancen haben. Der Systemintegrator ist nicht darunter.

Daraus folgt: Nicht nur die Anwender haben Mühe, mit der technischen Entwicklung beispielsweise beim Client-Server-Computing Schritt zu halten - den Herstellern (korrekt: den Herstellern mit proprietärer Vergangenheit) geht es nicht anders. Nur merken sie nicht, daß sie unglaubwürdig erscheinen. Siemens-Nixdorf lieferte dafür gerade einen schönen Beweis (CW Nr. 28 vom 10. Juli 1992, Seite 1: "Mängel-Projekt bringt SNI um Millionenauftrag"). Von einem geplagten Anwender bekommt SNI zu hören: Es sei ein Fehler, mit einem großen Hardwarehersteller zusammenzuarbeiten, der sich auch als Systemintegrator versucht.

Für die Münchner liegen die Gründe für das Scheitern beim Anwender. Was Marketing nicht alles vermag! Eines offenbar nicht: den SNI-Entwicklern auf die Sprünge zu helfen. Wo ist denn das Workstation-, das Client-Server-Angebot von SNI, Marke Eigenbau, kein OEM-Sammelsurium? Frei nach einer bekannten Comic-Unterzeile: Systemintegration ist ... wenn ein Hersteller keine vernünftigen Produkte hat! Nun werben sie also mit dem Prädikat "Systemintegrator". Und wenn sie nicht gestorben sind, dann ...