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Cyrus Intersoft verspricht mit Speiros Plattformunabhängigkeit


30.07.1999 - 

Systemneutrale Entwicklung ist noch Zukunftsmusik

SAN MATEO (IDG) - Mit Cyrus Intersoft drängt ein neuer Player auf den Middleware-Markt. Dessen Chief Technology Officer (CTO) Daniel Berg verspricht mit dem Produkt "Speiros" einen deutlichen Fortschritt beim Network-Centric-Computing. "Infoworld"-Redakteur Michael Vizard sprach mit Berg, der zuvor Java-Chefentwickler bei Sun Microsystems war.

CW: Ihr Unternehmen hat "Speiros", eine Middleware von Java-Services angekündigt, mit der Sie der Lösung "i-Planet" Ihres alten Arbeitgebers Konkurrenz machen wollen.

Berg: Cyrus versteht sich als Anbieter von Technik für das "Pervasive Network Computing", soll heißen, daß mit Hilfe von Speiros jeder Anwender zu jeder Zeit von jedem Ort aus Zugriff auf Daten erhalten soll und zudem Office- und Mail-Produkte, aber auch andere Geschäftsanwendungen ausführen kann. Die Software eignet sich insbesondere für Systemhäuser, unternehmensinterne IT-Shops und Service-Provider, die ihre Applikationen damit Endkunden zur Verfügung stellen können.

CW: Genau das soll auch i-Planet ermöglichen: Mobile Anwender können über einen Web-Browser die Desktop-Oberfläche ihres Firmenarbeitsplatzes aus dem Netz laden. Mit dem Programm können Nutzer also eine virtuelle Arbeitsumgebung aufbauen. Die Anwendungen selbst liegen dabei auf zentralen Servern.

Berg: Ja, aber i-Planet funktioniert nur, wenn der Anwendungs-Server ein Sun-Rechner ist. Viele große Anbieter versprechen derzeit durch den Einsatz von Java zwar ein "Anytime-any- where"-Computing. Doch muß die Server-Hardware dabei immer aus dem eigenen Stall kommen, da einige technische Features dieser Konzepte eben in der Hardware verankert wurden und sie somit proprietär sind. Das entspricht natürlich genau dem, was sich die Großen auch wünschen - zusätzlich Hardware verkaufen.

Die Flexibilität und Wahlmöglichkeit stehen Anwendern lediglich im Rahmen der Fähigkeiten eines Browsers zur Verfügung, der sich zwar bewährt, um Inhalte wie Text und Bilder zu verteilen, doch für die Distribution von Anwendungen ist er lausig.

CW: Das ist mit einem Browser doch auch möglich. Was genau ist Speiros dann und worin besteht der Unterschied zu Suns i-Planet?

Berg: Die Middleware besteht aus einer Reihe von Servern, die die unterschiedlichsten Hardwareplattformen unterstützen. Der Anwender erhält somit eine Softwarekomponente die im Gegensatz zu i-Planet Hardware-unabhängig einsetzbar ist.

Die Server-Komponente wurde zu 100 Prozent in Java geschrieben, so daß wir tatsächlich keine plattformspezifischen Betriebssystem-Funktionen eingebaut haben. Darüber hinaus stehen mit Speiros Funktionen für die Benutzerverwaltung und Sicherheitmechanismen wie Zugangs- und Zugriffskontrollen sowie das Management von Druckern und File-Systemen zur Verfügung. Aber mit Java allein ist nicht alles realisierbar. Zusätzlich haber wir in Speiros Sicherheits-Feature eingebaut.

CW: Bislang hat sich das Netzwerk-zentrische Computermodell, also fette Server zur Verteilung der Anwendung auf mehr oder weniger "dumme Terminals", das Sie unterstützen und wie es von Oracle propagiert wird, nicht durchgesetzt.

Berg: Das stimmt. Ein Problem dabei ist, daß jede Java-Anwendung eine eigene virtuelle Maschine (VM) braucht, um zu laufen. Das bedeutet, es kann zu jeder Zeit nur eine Applikation abgearbeitet werden. Bei unserem Ansatz haben wir den Adreßraum (Name Space) der VM aufgeteilt, so daß mehrere Anwendungen gleichzeitig ablaufen können. Wenn ein Benutzer zwischen Applikationen wechseln möchte, kann er dies tun, ohne daß die VM neu gestartet werden muß.

CW: Heutige Netzwerk-basierte Ansätze versprechen zwar preiswert zu sein, da die Anwendungen wie Office-Programme nur einmal zu installieren sind. Aber benutzergenaues Abrechnen von Leistungen etwa ist damit nicht möglich.

Berg: Die Konzepte sind bislang viel zu sehr technischer Natur. Ziel sollte es jedoch sein, die Nutzung der Anwendungen zu messen und Kunden im Falle von Outsourcing oder auch für die unternehmensinterne Leistungsverrechnung verbrauchsabhängige Preise anbieten zu können. Warum soll ich im Zeitalter von Network-Computing als Endbenutzer den vollen Preis für ein Tool bezahlen, wenn ich nur fünfzehn Prozent der Anwendung in zehn Prozent meiner gesamten Arbeitszeit überhaupt verwende? Durch sogenannte Zähler in unserer Software können wir den Gebrauch von Anwendungen mit den Parametern Nutzungszeit, benötigte Bandbreite, File-System etc. messen und ähnlich wie bei der Stromabrechnung Daten für eine verbrauchsabhängige Vergütung ermitteln.

CW: Welchen Einfluß hat der Streit um die Java-Spezifikation auf die Programmiersprache?

Berg: Es hat sich zwar einiges getan, aber das Versprechen "Write once, run anywhere" ist noch nicht eingelöst; einmal entwickelt und überall getestet trifft den derzeitigen Status wohl besser.