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Münchner IT-Event hinterlässt zwiespältige Eindrücke


25.10.2002 - 

Systems 2002: Kleiner, aber feiner

Angesichts stark rückläufiger Besucher- und Ausstellerzahlen auf der Systems müssten bei der Messe München eigentlich alle Warnlichter auf Rot stehen. Doch dort herrscht Zweckoptimismus: Wenn der Markt nicht floriere, könne auch eine Messe nicht mit neuen Rekorden dienen, heißt es sinngemäß. Auch die überwiegend zufriedenen Kommentare von Ausstellern sprechen dafür, dass der im Vorfeld vereinzelt zu hörende Abgesang auf die Systems verfrüht gewesen sein könnte.

Joachim Enßlin und Klaus Dittrich hatten sich die "Stabübergabe" wohl anders vorgestellt. Die Abschlusspressekonferenz der diesjährigen Systems sollte die Arbeit Enßlins in gewisser Weise krönen, der seit 1995 als verantwortlicher Geschäftsführer der Messe München für den Bereich Neue Technologien das heutige Profil der Systems maßgebend geprägt und dabei unter anderem die Veranstaltung auf einen Jahresturnus umgestellt hatte. Gleichzeitig sollte der Weg für Enßlins Nachfolger Dittrich geebnet, das Feld bestellt sein. Nun aber mussten beide Verantwortliche der Messe München gute Miene zum bösen Spiel machen. Mit nur rund 80000 Besuchern verbuchte der Herbst-IT-Event in der bayerischen Landeshauptstadt erneut einen herben Einbruch in der Publikumsgunst. Noch im Vorjahr waren gemäß FKM (Freiwillige Kontrolle von Messe- und Ausstellungszahlen) 117000 Fachbesucher gezählt worden - und bereits das war ein Fünftel weniger als im Boomjahr 2000. Auch bei den Ausstellerzahlen gab es mit 1600 gemeldeten Firmen (die in nur acht Hallen Platz fanden) gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 25 Prozent.

Mit dieser Zahl waren die Systems-Macher bereits im Vorfeld der Messe an die Öffentlichkeit gegangen, nachdem es zuvor wochenlang Spekulationen über einen noch drastischeren Rückgang der Ausstellerzahl gegeben hatte. Die Systems "spiegelt das aktuelle Marktgeschehen", wurde Anfang Oktober als offizielle Lesart verbreitet, eine Interpretation, für die sich nun auch Enßlin vor der Presse in München stark machte. "Man kann nicht erwarten, dass die Messe brummt, wenn der Markt nicht brummt", gab der kantige Chef der Systems zum Besten und wies alle Zweifler am Konzept in die Schranken: "Die Entwicklung der Systems seit 1995 war über die Jahre gesehen positiv - so sehen wir es jedenfalls."

Positiv sahen die in München vertretenen Firmen zumindest die Qualität der Besucher. Wie schon im Vorjahr bescheinigten die Aussteller der Systems ein qualifiziertes Fachpublikum. Einer Umfrage von NFO Infratest zufolge hat sich die diesjährige Messe hier in allen relevanten Bereichen verbessert: Rund 90 Prozent der Fachbesucher waren demnach Entscheider (2001: 86 Prozent), 49 Prozent hatten leitende Positionen inne (2001: 45 Prozent). Rund 30 Prozent der Gäste verfügten eigenen Angaben zufolge über ein Investitionsvolumen von über 100000 Euro; über 55 Prozent gaben zu Protokoll, keine andere IT-Messe zu besuchen.

"Diese Ergebnisse bestätigen uns, dass wir mit unserer zweistufigen Besucherkommunikation - einmal die IT-Entscheider im Mittelstand, zum anderen die Top-Executives anzusprechen - auf dem richtigen Weg sind", zeigte sich auch Dittrich von dem Mitte der 90er Jahre eingeschlagenen Weg überzeugt, die Systems zusammen mit dem "Fachmessen-in-der-Messe"-Konzept als reine B-to-B-Veranstaltung zu positionieren. Positiv bewertet man seitens der Verantwortlichen auch die im Rahmen eines Pilotprojekts erstmals vorgenommene Registrierung aller Besucher. "Mit marginalen Ausnahmen" sei das gut akzeptiert worden, so Dittrich. Auf der Basis der erhobenen Daten und mit einer "ganzjährigen zielgruppenspezifischen Kommunikation" solle das Messekonzept in den nächsten Jahren noch besser auf die Bedürfnisse der IT-Entscheider wie auch der Aussteller ausgerichtet werden.

Ob der Unmut über die Zwangsregistrierung bei Besuchern wie Ausstellern wirklich marginal war, bleibt dahingestellt. Recherchen der CW ergaben hier jedenfalls ein etwas anderes Bild. Schließlich mussten alle Besucher, die eine Eintrittskarte kaufen wollten, aber auch Besitzer von Gastkarten, diese Prozedur über sich ergehen lassen, sofern die Registrierung nicht schon vor der Veranstaltung über die Website vorgenommen worden war. Neben Anschrift, Telefon und E-Mail waren auch Angaben über die berufliche Position, Interessengebiete sowie Firmengröße beziehungsweise Investitionsvolumen notwendig.

Ein weitgehend einheitliches Stimmungsbild ergab die Befragung einzelner Aussteller. Steffen Heine, Vorstand des Rechenzentrums-Backup-Spezialisten Info AG, meinte beispielsweise: "Eine große Zahl von Besuchern war fachlich sehr kompetent, so dass die Chancen für die Auftragserteilung kalkulierbar sind. Die diesjährige Systems war so betrachtet ein messbar größerer Erfolg als 2001 - sicher auch, weil im Security-Bereich eine höhere Sensibiliät und auch ein Nachholbedarf an Projekten besteht." Ein ähnlich positives Fazit zog Martin Häring, Director Marketing bei Sun Microsystems: "Die Resonanz war phänomenal. Wir haben mehr Leads geschrieben als auf der CeBIT. Die 80000 Besucher, die gekommen sind, haben ein handfestes Business-Motiv mitgebracht - nämlich Kosten senken."

Auch der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) zeigte sich in einem offiziellen Statement zum Abschluss der Systems mehr als zufrieden. Laut Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder war "trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage und der negativen Vorberichterstattung" sowohl bei Ausstellern als auch Besuchern eine "zunehmend optimistische Stimmung" zu spüren. Dies decke sich auch mit den jüngsten Bitkom-Marktanalysen. Demnach könne man von einem allmählichen Ende der Talfahrt und einer Stabilisierung der Nachfrage ausgehen.

Inwieweit sich indes die Situation für die Systems stabilisiert, dürfte im kommenden Jahr noch eine spannende Frage bleiben. Während Bitkom-Sprecher Rohleder für den Münchner IT-Event dann "wieder steigende Ausstellerzahlen" erwartet, halten hartgesottene Skeptiker die Systems mit Verweis auf die zunehmende Konkurrenz anderer deutscher IT-Herbstmessen zumindest im Jahresturnus auf Dauer für nicht überlebensfähig. So betrachtet wird der neue Systems-Chef Dittrich, der offiziell Ende Januar 2003 die Geschäfte von Enßlin übernimmt, sich mit einigen alten Problemen beschäftigen müssen. Die ewig aktuelle Frage des "Universalkonzepts", mit dem man so gerne die CeBIT kopieren möchte, gehört da sicher dazu, oder das (natürlich auch von der Konkurrenz viel genannte) Stigma einer "süddeutschen Regionalmesse". Dittrich nahm es jedenfalls bei besagter Stabübergabe sportlich. Enßlin hätte "bei seinem Abschied wahrlich eine bessere Branchensituation verdient". Aber Bangemachen gelte nicht - erst recht nicht für die Zukunft der Systems! Erst kürzlich habe ihm als Läufer beim "Medien-Marathon" in München ein Zuschauer bei Kilometer 38 ein Schild mit der Aufschrift "Pain is temporary, glory is forever" entgegengehalten. (gh/tc/fn/uk/ba)