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18.10.1991

Systems '91: Kein Glück am Messemarkt

Es gibt keine Krise der Computerindustrie", konstatiert NCR-Deutschland-Chef Rainer Liebich im Gastkommentar dieser Ausgabe (siehe Seite 8). "Wenn es eine Reihe von Computerunternehmen gibt, denen Schwierigkeiten zu schaffen machen", so Liebich weiter, "dann ist das eher ein Zeichen dafür, daß diese Firmen den Markterfordernissen nicht gewachsen sind."

Was hätte der NCR-Chef auch anderes sagen können: Die eigene Firma aus der Schußlinie zu nehmen, ohne die Konkurrenz direkt anzugreifen, das gehört zum Marketing-Einmaleins einer Branche, die mit einer tiefen Krise - und natürlich handelt es sich um eine solche - nicht umzugehen versteht. Für eine Erneuerung ist freilich auch Liebich zu haben, das relativiert seine einleitende, beschönigende Aussage.

Wie die Wende vollzogen werden kann und ob die Hersteller auf den Verlauf überhaupt noch Einfluß haben, darüber gibt es die unterschiedlichsten Meinungen. Naheliegendes Beispiel: Die Computermessen sind seit Jahren geprägt vom Druck auf jeden einzelnen Anbieter, als Aussteller präsent sein zu müssen, auch wenn es die wirtschaftliche Lage eigentlich nicht zuließe. Wang, einer der wenigen Systems-Aussteiger, bildet da eher die sprichwörtliche Ausnahme, die die olympische Die-Teilnahme-ist-wichtiger-als-der-Sieg-Regel bestätigt. So sind die großen DV-Messen, was die Ausstellerseite betrifft, heillos überfüllt - ein potemkinsches Phänomen, das die Branchensituation nicht im entferntesten widerspiegelt.

Doch irgendwie will sich das Systems-Messefieber bei den Herstellern diesmal nicht einstellen. Die Misere ist auch nur noch von wirklichkeitsfernen Marketiers zu bestreiten. Wer Entlassungen vornehmen muß, dem ist nicht der Sinn nach Messe-Monstrositäten. Selbst die IBM verhält sich moderat und abwartend, läßt durchblicken, daß ihr der ganze Rummel zuviel wird - und das will schon etwas heißen.

Für das ungewohnt trübe Vor-Systems-Klima bei den Branchengrößen findet sich in der Geschichte der bundesdeutschen DV-Messen keine Parallele. Das Messethema, nehmen wir die heilige Kuh CeBIT, war tabu. Jetzt sind Aufweichungstendenzen erkennbar, und jetzt könnte sich rächen, daß die Messe-Macher das Thema DV-Konjunktur stets heruntergespielt haben.

Zwar reden IBM & Co. auch jetzt noch nicht Tacheles, wozu das Bekenntnis gehören würde, weniger (Messe) wäre vielleicht mehr, doch lassen sich gewisse Äußerungen auch als verbale Rückzugsgefechte interpretieren. Einflußmöglichkeiten auf die Messepolitik haben die großen Aussteller allemal. Für ein neues Wende-Verständnis würde sprechen, daß sie diese Möglichkeiten nutzen - auch dies ein Ansatz zur Bewältigung der Krise.