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Systems 95/SAP-Dominanz auch auf der Systems manifest PPS-Systeme: In den Nischen tummeln sich kleine Anbieter

06.10.1995

Von Friedrich Koopmann*

Passende Software fuer Fertigungsunternehmen zu finden, ist schwer. Auf der diesjaehrigen Systems besteht fuer den Anwender Gelegenheit, die grossen Anbieter, Branchenspezialisten und auch weniger bekannte Softwarehaeuser mit teilweise innovativen Ansaetzen unter die Lupe zu nehmen. Neu an mehreren Staenden: Workflow- Integrationen und verbesserte Module fuer die Vertriebsunterstuetzung.

Allerdings ist nicht alles, was im PPS-Bereich Rang und Namen hat, auf der Systems 1995 vertreten. Vergeblich sucht man zum Beispiel Ratioplan. Geschaeftsfuehrer Hermann Messmer begruendet den Verzicht damit, dass auf den "regionalen Messen Systems und Orgatec die Ergebnisse zuletzt nicht so waren, dass wir unbedingt teilnehmen muessten".

Bei Marcam stellt man den Nutzen von Messen fuer Anbieter sehr komplexer Systeme grundsaetzlich in Frage. Man habe, so Anwendungsberater Markus Linsin, auch die Kunden zu diesem Thema befragt. Mit dem Ergebnis, dass die meisten auf grossen Messen wie CeBIT und Systems kaum mehr Gelegenheiten zu detaillierten Gespraechen sehen. Nicht dabei sind ausserdem J.D. Edwards, Andersen Consulting, PS Systemtechnik, Dakoda und Ordat.

Um so staerker ist die Praesenz des derzeit dominierenden deutschen Softwarehauses. Der Messebesucher bekommt gleich in Halle 1 einen massiven Eindruck vom Konzentrationsprozess im PPS-Markt. Denn im komplett von SAP gemieteten Gebaeude finden sich viele mittelstaendische Anbieter, die statt eigenstaendiger Produktlinien inzwischen SAP-Software vertreiben beziehungsweise Loesungen um R/3 als Kern entwickeln.

Die Walldorfer zeigen die Neuerungen, die das langerwartete Release 3.0 bringt. Dazu zaehlt ein spezielles System fuer Prozessfertiger (PP-PI) in der chemischen, pharmazeutischen und Lebensmittelindustrie sowie fuer Halbleiterhersteller. So wird in der neuen Version die bisher vermisste Unterstuetzung fuer Kuppelproduktion, die Fertigung unterschiedlicher Materialien in einem Auftrag, nachgereicht.

Ihre verstaerkte Hinwendung zu kleineren Unternehmen demonstriert die SAP im Mittelstandszentrum, wo sie mit Partnern Softwareloesungen praesentiert. Ein anderes Zentrum widmet sich dem Thema R/3 und AS/400.

Das Geschehen zwischen den Plattformen AS/400 und Unix wird auch vom R/3-Systemhaus Steeb (B13), ehemals reiner AS/400-Spezialist, thematisiert. In Forumsvortraegen werden Konzepte fuer die Migration von der AS/400 zu R/3 auf Unix vorgestellt.

Die Stuttgarter praesentieren branchenspezifische Ergaenzungen zu R/3, Release 3.0, fuer die Bereiche Industrie, Handel und Dienstleistungen, Druckereien und Verlage.

Zwei Highlights in dieser Halle liefert BIW (B11). Eine Prototyp- Anwendung im R/3-Materialstamm soll demonstrieren, wie das leidige Problem langer Maskenabfolgen zu loesen ist. Die sonst erforderlichen 30 Masken wurden auf drei reduziert.

Das andere Schaustueck von BIW ist eine Aussendienst-Applikation, die das R/3-Vertriebsmodul ergaenzt. Sie bietet zum einen Multimedia-Unterstuetzung beim Verkauf und zum anderen einen grafischen Produktgenerator, mit dem Vertriebsspezialisten beim Kunden das Produkt konfigurieren koennen.

Die Ettlinger Command GmbH (A02) stellt eine kompakte R/3-Version fuer den Mittelstand vor. Multimedia-Integration und Vertrieb sind Schwerpunkte der R/3-Ergaenzungen von Seitz (B05).

Das Unternehmen praesentiert sich als Anbieter von "schluesselfertigen R/3-Projekten" und von "Outsourcing- Vollservice" fuer mittelstaendische Betriebe.

Als SAP-Partner ist in Halle 1 auch der Firmenverbund Actis, Ikoss und Ikoss CSS vertreten. Die franzoesische Konzernmutter Sligos hat die drei Unternehmen zur Sligos Industrie GmbH vereint. Dies soll die Zusammenarbeit bei der branchenspezifischen Umsetzung von R/3 intensivieren. Actis ist auf Automobilzulieferer spezialisiert, Ikoss bietet unter anderem Fertigungsleitsysteme sowie Logistikprogramme, und Ikoss CSS ist fuer CAD/CAM zustaendig.

In dieser Halle sind einige Konkurrenten von SAP versammelt. In der Mitte findet man den PPS-Spezialisten Baan (C12/E05), dessen "Triton" die meistdiskutierte Alternative zu R/3 ist. Mit 370 Quadratmetern Ausstellungsflaeche bekunden die Hannoveraner, wie wichtig ihnen die Messe-Praesenz in Muenchen ist.

Baan zeigt Triton in Version 3.1 mit Windows-Oberflaeche. Neu ist die Branchenloesung "Triton Automotive" fuer die Automobilindustrie und ihre Zulieferer. Sie bildet die in diesem Industriesektor sehr enge Kooperation zwischen Lieferanten und Kunden nach, die besondere Funktionalitaet wie etwa Abrufplaene, Feinabrufe und Abgleich der Fortschrittszahlen verlangt.

Wichtiger Partner bei dieser Loesung ist das Debis Systemhaus, mit dem Baan in einem Competence Center zusammenarbeitet. Die Mercedes-Tochter bringt Branchenerfahrung und speziell das erforderliche Know-how im DFUE-Sektor ein. Neben Debis sind auf dem Baan-Stand Demo-Arbeitsplaetze von B+K, BCT, WFI, Bull, RSP, HDS, Informix und Ditec zu sehen. Ditec ist gleich mit drei Plaetzen vertreten. Die Digital-Tochter zeigt Verbindungen des DEC- Workflow-Produkts "Linkworks" sowie eigene Module fuer Lohn und Gehalt mit Triton. Ditec hat ausserdem einen eigenen Stand in Halle 9 (A10/B11).

Ein weiterer grosser PPS-Anbieter findet sich auf dem Oracle- Partnerstand, der direkt an den Hauptstand von Oracle (A10/C13) in der Mitte von Halle 2 anschliesst. Die Stuttgarter Straessle GmbH zeigt dort die kuerzlich fertiggestellte Version 5.0 ihres Pakets "PSK 2000". Neu ist daran unter anderem das Workflow-Management. Integriert hat das Unternehmen ausserdem das Aris-Toolset von IDS sowie als Loesung fuer das Rechnungswesen "Oracle Financials".

Ein interessanter Newcomer im PPS-Markt ist ebenfalls auf dem Oracle-Partnerstand zu besichtigen. Die Ismaninger Kybernon GmbH hat 1991 das Paket "Factory" herausgebracht, das bisher etwa 50 Firmen (Anlagenbau, Kfz-Zulieferer und Flugzeugbau) einsetzen. Mit dem Entwicklungswerkzeug "4GL Forms" laesst sich die branchenneutrale Software an spezifische Geschaeftsprozesse anpassen. Vorgestellt wird ein neues Modul fuer unabhaengige Grobplanung, das schnellen Ueberblick ueber den Fertigungsablauf fuer einen Auftrag ermoeglichen soll, ohne in die Feinplanung einsteigen zu muessen.

Neben den Oracle-Partnern befindet sich der Stand von Computer Associates (A12/C15). Der Anbieter von drei PPS-Systemen - "CA- CAS" fuer Grossrechner, "CA-PRMS" fuer AS/400 und "CA-ManmanX" fuer Unix - zeigt Neuerungen bei der letztgenannten Software. ManmanX wurde mit Client-Server-Funktionen unter anderem fuer Produktkonfiguration, Lieferantenverwaltung und Materialbedarfsplanung ausgestattet.

Auf der anderen Seite der beiden Oracle-Staende findet man BIW (A06/B03). Hier konzentriert sich das als SAP-Partner in Halle 1 angetroffene Systemhaus auf die AS/400-Plattform. Zum einen gibt es die erwaehnte Aussendienst-Applikation auch fuer die AS/400, zum anderen wird Middleware fuer das IBM-Midrange-System praesentiert. So sollen etwa von Unix-CAD-Workstations aus direkte Aenderungen in den Stuecklisten auf dem Host generiert werden.

Weiterhin ist etwa in der Mitte der noerdlichen Stirnseite von Halle 2 der Ulmer Software-Anbieter Wilken (C02/D01) zu finden. Zusammen mit Aperia und WSW Software zeigt Wilken das System "CS/2". Als Besonderheit dieser Loesung wird ihre Plattformunabhaengigkeit herausgestellt: Als Server lassen sich neben Unix-Systemen und PCs auch Mainframes nutzen.

Um einen Vergleich zum Automotive-Konzept von Baan zu haben, kann man gegenueber von Wilken bei Rembold + Holzer (Stand D03) vorbeischauen. Der schwaebische Spezialist fuer die Automobilbranche sieht seine Staerke darin, die immer engeren Verflechtungen zwischen Kunden und Lieferanten, Mutter-, Tochter- und Schwesterfirmen an weitverstreuten Produktionsstandorten zu unterstuetzen. Zentrales Thema sind die verschiedenen DFUE-Standards - von der noch immer dominierenden Automobilindustrie-Norm VDA ueber den europaeischen Odette-Standard bis zu Edifact.

Aus Halle 2 kommend findet man in der Mitte der Halle 3 links die Software AG (Stand B07). Dort bildet die PPS-Loesung "Prodis", das auf unterschiedlichsten Plattformen, unter anderem MVS, BS200, VMS und Unix, lauffaehig ist, einen Schwerpunkt der Praesentation. Von der Berliner Softwerker GmbH ist das Leitstandsystem "Leitwerk" zu sehen.

Vom konzentrierten Angebot in den ersten Hallen am Nordostende des Messegelaendes kann der PPS-Interessierte in Zeitnot direkt zum Suedteil uebergehen, wo es wieder eine Ansammlung von Anbietern gibt. In Halle 21 gibt es eine PPS-Loesung zu besichtigen, die mit allen EDI-Varianten vertraut ist: "Fepa" von Planat (E02) unterstuetzt VDA, Odette und Edifact. In der gleichen Halle zeigt das saarlaendische Softwarehaus Infor (D03) sein PC-basiertes Paket "VPPS". Die jetzt einsatzfaehige Version 5.0 ist mit einer neuen Benutzeroberflaeche ausgestattet.

In Halle 23 stellt Command (A01) "Frida4" aus. Interessant ist die Software, die IBM als Basis fuer MAS90 gewaehlt hat, auch deswegen, weil man sie mit dem IBM-Produkt in der naechsten Halle vergleichen kann. Das Neueste zu "MAS90" ist in der Mitte von Halle 24 auf dem IBM-Partnerstand (B08) zu erfahren. An Release 1.7., das demnaechst - spaetestens zur CeBIT - verfuegbar sein soll, wird vor allem ein Variantengenerator gepriesen, der nicht nur in der Fertigungsplanung, sondern auch in Warenwirtschaft und Vertrieb einsetzbar sein soll.

Wer sich ueber das Projekt "MAS-open", die Weiterentwicklung der IBM-Mittelstandssoftware in Richtung offener Systeme und Objektorientierung, informieren will, kann sich auf dem Partnerstand auch an den PPS-Spezialisten PSI wenden. Die Berliner steuern zu MAS-open Konzepte und Objektmodelle fuer die logistische Basis des Kernmoduls bei.

PSI bietet eine kostenlose Schnittstelle zwischen dem Rechnungswesen von MAS90 und dem eigenen PPS-Paket "Piuss" an.

Ebenfalls MAS-open-Entwicklungspartner ist die GUS GmbH aus Koeln, Spezialist fuer Chargenfertigung. Das Unternehmen mit Schwerpunkten bei Lebensmittel- und Pharmaherstellern ergaenzt auf der AS/400 die eigene PPS-Loesung mit dem MAS90-Rechnungswesen. Wer im Zusammenhang mit MAS90 eine Anwendung fuer betriebliche Datenerfassung sucht, wird auf dem IBM-Partnerstand bei GSE Graebert fuendig. Die Berliner zeigen ausserdem Produkte fuer Buerokommunikation und Image-Verarbeitung rund um die AS/400.

Auch Cimdata aus Gunzenhausen bei Nuernberg stellt auf dem IBM- Partnerstand aus. Frueher ausschliesslich AS/400-Anbieter, haben sich die Franken inzwischen plattformunabhaengig gemacht. Die Client-Server-Loesung "PPS-cd/2000", von der ein Pre-Release bereits zur CeBIT zu sehen war, ist zur Systems fertig. Das Paket ohne spezielle Branchenauspraegung wird bevorzugt fuer RS/6000 angeboten, kann aber ebenso auf anderen Unix-Plattformen laufen.

Hewlett-Packard hat in Halle 24 - schraeg gegenueber von IBM - ein Anwendungszentrum aufgebaut. Man will dem Besucher einen Ueberblick ueber das Angebot fuer produzierende Betriebe bieten. Als Alternativen sind die konkurrierenden Produkte von fuenf PPS- Anbietern zu sehen: Neben SAP mit R/3 und Baan mit Triton sind das Kumatronik mit dem Paket "Navision", SSA mit "BPCS" und AT&T Istel mit "CI".

Navision beruht auf objektorientierten Finanz- und Analyseprogrammen des daenischen Softwareherstellers PC&C, die Kumatronik um Logistik- und Fertigungsmodule ergaenzt hat. BPCS von SSA ist vor allem in der Prozessindustrie verbreitet.

Mit CI verfolgt AT&T Istel einen Ansatz, der sich gegen klassische Standardsoftware abgrenzt.

Statt vordefinierter Anwendungen, die durch Parametrisierung angepasst werden, will man Individualloesungen schaffen. Den Rahmen bildet jeweils ein Business-Re-Engineering-Projekt. Ziel der Loesung ist es, fuer jedes Unternehmen individuelle Datenmodelle, Funktionalitaeten und Prozessmodelle zu schaffen.

Als Fortsetzung zu den Softwaregeruesten fuer Fertigungsunternehmen zeigt HP auch Loesungen fuer das werkstattnahe Produktions- Management. Im Zentrum steht dabei das "Open-CAM"-Konzept. Dies ist eine von HP entwickelte Integrationsarchitektur, um CAM- Anwendungen verschiedener Hersteller zu verbinden. Es gibt bisher Loesungen fuer Prozessvisualisierung und -steuerung, Leitstand, NC- Programmierung, Qualitaets-Management und Betriebsdaten von verschiedenen Herstellern. Gezeigt wird beispielsweise der Leitstand "FI-2" von IDS Prof. Scheer.

Nebenan bei SNI sind ebenfalls mit Open-CAM realisierte Loesungen zu sehen. Die SNI-Tochter GSSE zeigt auf dem Hauptstand (Halle 24 B12/C11) auch den Leitstand FI-2 und die Integration von CAD/CAM- Produkten des Nuernberger Siemens-Bereichs fuer Automatisierungstechnik. Ausserdem praesentiert GSSE zwei Produkte fuer das Qualitaets-Management in der Produktion und bei Dienstleistungen. Die SNI-eigene Software "ALX Comet" wird mit dem Modul Flexible Fertigungsorganisation (FFO) vorgestellt.

Auf dem SNI-Partnerstand (C 13), kann man sich ueber die branchenspezifische Ergaenzung von ALX Comet fuer die chemische Industrie mit Entwicklungs- und Rezepturverwaltung ("SQL Blending") informieren. Dort laeuft auch Triton von Baan in Verbindung mit dem Qualitaetsmodul von GSSE. Ausserdem werden Logistik-Module gezeigt, die sich in R/3 integrieren lassen. Dazu gehoert ein Transportleitsystem "TLS", das die Disposition von automatischer Foerdertechnik oder Staplerleitsystemen uebernehmen kann. Als weiteres PPS-System ist auf dem SNI-Partnerstand "Dialog Total" von BOG zu sehen, das in Varianten fuer Auftrags-, Serien- und Mischfertiger lieferbar ist.

Am Ende von Halle 24 kann man sich nach den Grossanbietern noch einmal einem kleineren System- und Beratungshaus widmen. Abas aus Goeppingen stellt in Stand B17 (rechts neben dem Ausgang zu Halle 25) eine branchenunabhaengige Software vor. Ihr liegt ein Konzept zugrunde, das zu hohe Funktionalitaet vermeidet und statt dessen auf flexible Anpassung nach den Anforderungen des jeweiligen Projekts setzt.