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01.11.1996 - 

Thema der Woche

Systems '96: Messebilanz kann Schwächen nicht verdecken

Erstmals verging zwischen zwei Systems-Terminen nur ein statt wie gewohnt zwei Jahre, was im Vorfeld nicht nur von der Fachpresse kritisch bewertet wurde. Wie bekannt, nahmen auch einige große DV-Hersteller Abstand von einer Teilnahme an der diesjährigen Herbstmesse in der bayerischen Landeshauptstadt.

Messeleitung und Ausstellerbeirat waren sich jedoch einig, daß man mit den drei Neuerungen im Konzept - Umstellung auf den jährlichen Rhythmus, Integration der Systec sowie dem "Messen-in-der-Messe"-Ansatz - München als attraktiven Standort für eine zweite DV-Fachmesse halten werde.

Mit dem jährlichen Turnus zeigten sich Aussteller wie Besucher der Systems überwiegend zufrieden. Marielle Bureick, Public-Relations-Managerin bei der Compuserve GmbH: "Die neue Regelung ist in unserem Sinne. Einen Zwei-Jahres-Rhythmus kann ich mir für das Online-Geschäft überhaupt nicht vorstellen."

Compuserve hatte den Stand in Halle 14, die im vergangenen Jahr noch "Multimedia"-Halle hieß und diesmal unter dem Motto "The World Online/New Media" stand. Hier wurde das Konzept der Messen in der Messe verwirklicht, das beim Publikum alles in allem gut ankam.

Kritisch beurteilt Martin Häring, bei Sun zuständig für die Messeorganisation, allerdings die dort anzutreffenden "Hacker und Freaks, die im Internet-Freeway surfen". Auf den Ständen in der Mitte der Halle sei oft wenig Betrieb. Er hätte sich gewünscht, daß die Messegesellschaft diese Halle besser beworben hätte.

Das bestätigt Horst Nasko, Chairman der EU-nahen Joint European Submicron Silicon Initiative (Jessi) und Mitglied des Ausstellerbeirats der Systems: "Das war wohl vergangenes Jahr gelungener. Sonderaktionen sollte man zukünftig besser hervorheben." Sein Kollege im Beirat, der scheidende Zentral- und Osteuropachef von Microsoft, Christian Wedell, verweist allerdings auf die dadurch entstehenden Zusatzkosten, die ja wohl die Aussteller zu tragen hätten. Er vermißte in der Online-Halle "lebendigere Präsentationen über die Möglichkeiten des Internet". Offenkundig sei mehr Augenmerk auf den Zugang zum Internet als auf den Inhalt gelegt worden.

Sun-Manager Häring vermerkt positiv, daß es in diesem Jahr gelungen sei, die Systec besser in das Messekonzept zu integrieren, was vergangenes Jahr noch nicht der Fall war. Unter diesem Gesichtspunkt habe man allerdings Wettbewerber Hewlett-Packard vermißt.

Daß einige Branchengrößen nicht mit von der Partie waren, erklärt sich Beirat Nasko damit, daß aus 1,5 Messen - jährlich die CeBIT und alle zwei Jahre die Systems - nun vier (zweimal Hannover, zweimal München) geworden sind. "Das muß erst einmal verdaut werden." Keine Gefahr für die Systems sieht Nasko in Veranstaltungen ê la Internationale Funkausstellung in Berlin, die eher den Konsumenten als den Fachbesucher ansprechen würden.

Einig war man sich unter den Ausstellern, daß die Qualität der Besucher deutlich zugenommen hat. Norbert Manderfeld, Vertriebsleiter Deutschland für das Partnergeschäft der IBM: "Es ist gut, daß die Eintrittspreise erhöht wurden, wir haben nur qualifiziertes Fachpublikum an unseren beiden Ständen."

Big Blue kam mit rund 300 Mitarbeitern nach München und war in Halle 7 (Anwendungssoftware) und Halle 24 (Computertechnik) mit je 500 Quadratmetern vertreten. Für das kommende Jahr sucht IBM allerdings einen Ersatz für die Präsenz in Halle 24 und will - getreu dem neuen Leitspruch "Lösungen anbieten" - sich lieber in Halle 2 etablieren. "Da wir insbesondere Lösungen unserer externen Partner zeigen, sind wir dort besser untergebracht."

Eher positiv sehen auch die Fachbesucher die Systems. Christoph Heiss, verantwortlich für die Projektorganisation der Deinhard AG in Koblenz, kam mit einem Kollegen zum erstenmal auf die Messe und war angenehm überrascht: "Es wird eine solche Fülle von Software für das produzierende Gewerbe angeboten, daß man wirklich auswählen kann." Die Koblenzer Kellerei hat kürzlich auf eine neue Hard- und Softwaregeneration umgestellt. Heiss war auf der Suche nach Optimierungsmöglichkeiten des neuen Systems und "hat sehr vielversprechende Ansätze gefunden und gute Kontakte geknüpft".

Die Qualität des Publikums ging aber offensichtlich zu Lasten der Quantität: Fast alle Aussteller melden weniger Kontakte als im vergangenen Jahr. Uwe Scholz, beim ISDN-Spezialisten AVM (Halle 16) verantwortlich für die Messeorganisation der Berliner, meinte im CW-Gespräch süffisant: "Die Systems hat durchaus erholsam angefangen. Nur zwischendrin gab es den Anschein eines Staus auf den Gängen."

Für ihn bleibt München der zweite Messehöhepunkt im Jahr, "wenngleich vielleicht nicht mit aufsteigender Tendenz". Immerhin hat sich AVM beeilt, fünf Neuentwicklungen rechtzeitig zur Systems fertigzustellen.

Die internationale Bedeutung der Systems bleibt wie in den Jahren zuvor eher gering. Zwar berichtet die Messeleitung von mehr als 100000 Besuchern aus 72 Ländern, Aussteller und Beiräte haben aber den Duft der großen weiten Welt nicht so recht gewittert. "Wir hatten herzlich wenig internationale Besucher, die Alpenregionen ausgenommen", vermeldet beispielsweise AVM-Messechef Scholz. Ähnliches war von IBM, Sun oder Compuserve zu hören.

Auch Messebeirat Wedell bestätigt: "Das Kernpublikum der Systems findet sich im Umkreis von 250 Kilometern um München, die internationalen Besucher machen zwischen zehn und zwölf Prozent aus." Sein Kollege Nasko mag das für die Zukunft nicht hinnehmen: "Wir müssen weiter in Richtung Internationalisierung gehen, daran führt kein Weg vorbei."

Daß es für Ausländer durchaus seine Reize haben kann, sich in München statt in Hannover zu präsentieren, beweist die Aussage von Peter Stulken, Vizekonsul des kanadischen Konsulats. Er betreute die Teilnehmer des Gemeinschaftsstands unter dem Ahornblatt-Logo und hat seine Messeziele erreicht.

Neben dem Aufbau von Kontakten zur Fachpresse wollte er sein Land als High-Tech-Investitionsstandort bekannt machen. Mit Blick auf den großen nordamerikanischen Handelsraum erkundigten sich einige deutsche Firmenvertreter nach den Bedingungen für eine Unternehmensgründung in Kanada. Manche wollen sich dort an der Mittelstandsmesse "Softworld" beteiligen.

Für kleine Unternehmen, die sich zum erstenmal in Deutschland präsentierten, sei die CeBIT ohnehin zu groß und unüberschaubar. "Hier auf der Systems kann man auch mit einer Standgröße von nur zehn Quadratmetern Aufmerksamkeit erzielen", lobt Stulken.

Jessi-Chairman Nasko setzt bei der Frage der stärkeren internationalen Ausrichtung vor allem auf das neue Messegelände in Riem, wo sich für die Unternehmen bessere Möglichkeiten zur Präsentation bieten werden. Ab 1998 soll die Systems auf dem ehemaligen Flughafengelände stattfinden.

Dann wird vielleicht auch die Messeorganisation jene Flexibilität entwickeln, die Peter Zerres, Marketing-Manager von Acer Computer, bislang vermißt. Er kämpfte für einen Unteraussteller stundenlang um eine Änderung des Eintrages in das elektronische Informationssystem und ärgerte sich außerdem über die starre Haltung der Messeleitung, als es um die Festlegung der Standgröße ging. Ein Quadratmeter Standfläche auf der Systems koste fast soviel wie auf der CeBIT, nur hinke der Service hinterher.

Nicht zufrieden mit der Organisation war auch Karl Müller, Ingenieur bei Blumberger Telefon- und Relaisbau, der mit zwei Kollegen aus dem Stuttgarter Raum angereist war: "Das ist keine Messe mehr, auf die man gehen sollte." Früher wären die Angebote für Netzwerke immer in Halle 16 versammelt gewesen, nun müsse man sie auf dem ganzen Gelände zusammensuchen. In den CAD-Hallen fehlten die Produkte zum Leiterplatten-Layout, alles sei schlechter zu finden. Als Alternative kommt für ihn allerdings nicht die CeBIT in Frage, sondern: "Da müssen wir wieder auf die Electronica..