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29.10.1999 - 

Thema der Woche

Systems '99: "Der 14jährige Fachbesucher fehlte völlig"

Die Systems auf dem neuen Messegelände in Riem hat sich als Fachmesse mit regionalem Hintergrund etabliert. Mit rund 136 000 Besuchern und 2709 beteiligten Unternehmen verzeichnete die Messe München GmbH in diesem Jahr ein Rekordergebnis. Die Hersteller waren mit der Qualifikation der Besucher zufrieden, übten allerdings teilweise Kritik an derOrganisation des Veranstalters.

Die Besucher, die sich vom 18. bis 22. Oktober auf dem Areal des ehemaligen Flughafens Riem einfanden, dürften meist einen positiven Eindruck gewonnen haben. Eine vom Veranstalter durchgeführte Umfrage ergab, daß 89 Prozent des Publikums die Messe mit einer Note von "gut" bis "ausgezeichnet" bewerten. Bei den Ausstellern liegt die Rate bei immerhin 75 Prozent.

Wie gut das Fachpublikum den neuen Standort annimmt, zeigt sich auch am steigenden Andrang. Das Debüt in den neuen Hallen hatte im vorigen Herbst 2371 Aussteller und rund 125000 Gäste angezogen. In diesem Jahr konnte die 18. Ausgabe der Veranstaltung bei den Ausstellern um 14,2 und bei den Besuchern um 8,8 Prozent zulegen.

Joachim Ensslin, Geschäftsführer der Messe München GmbH, hatte vor Beginn der Systems ''99 neben der Produktpräsentation den Kommunikationsaspekt in den Mittelpunkt gerückt: "In einer Vielzahl von Foren innerhalb der Messehallen organisieren wir für den Messebesucher kosten-frei Information ,mittendrin''. Die durchweg gutbesuchten Veranstaltungen bestätigen dieses Konzept."

Der Start ins Messegeschäft verlief wie in den vergangenen Jahren schleppend. Ein Großteil des Publikums interessierte sich zunächst offenbar für die Job-Börse und die Karriereplanung. "Traditionell ist am Montagmorgen an den Ständen noch wenig los", lautete ein Kommentar eines Besuchers zu Beginn der Woche. Die meisten Aussteller konnten das bestätigen: "Im Vergleich zur CeBIT passiert an den ersten beiden Tagen recht wenig", so Sabine Deitz, von Great Plains Software, einem Anbieter betriebswirtschaftlicher Standardsoftware für den Mittelstand. Im Karrierezentrum der COMPUTERWOCHE zog allerdings bereits am Montag die Vorstellung der CW-Gehaltsstudie Scharen von Besuchern an. "Die Besucher sind jedoch durchweg hochqualifiziert, wissen genau, was sie wollen und suchen gezielt nach bestimmten Produkten", berichtete die Marketing-Managerin weiter.

Helmut Knappe, Geschäftsführer des Münchner Softwarehauses DC Soft, drückte es so aus: "Das Konzept der Messe ist sehr benutzerfreundlich. Das heißt, daß die Besucher direkt zu den Ständen geleitet werden, die sie suchen, ohne über Los zu gehen." Relativ freie Gänge zwischen den Ständen freuten demnach zwar den CeBIT-geschädigten IT-Massentouristen, sorgten im Gegenzug jedoch für eine geringe "Streuwirkung" auf der Suche nach Information.

Deutlich weniger Ärger als im Vorjahr bereitete die Anfahrt zum Messegelände: Der kürzlich fertiggestellte U-Bahn-Anschluß entlastet den Straßenverkehr erheblich. Größere Staus waren auf den Zufahrtswegen nicht auszumachen. Zur Orientierung in den Hallen konnte sich der technikbegeisterte Besucher das Ausstellerverzeichnis auf seinen Palm-Organizer laden. Wie bei anderen Messen, etwa dem großen Konkurrenten in Hannover, standen die benötigten Daten im Web zum Download bereit. Besitzer eines elektronischen Kalenders mit Infrarotschnittstelle konnten die Informationen auch im Eingangsbereich direkt auf ihr Gerät übertragen.

Zu einem der Hauptthemen der Messe war vom Veranstalter der Linux-Park erkoren worden. Hier fanden etablierte Aussteller der Szene ihren Platz, etwa der Distributionen-Anbieter Red Hat oder Hewlett-Packard (HP) mit speziell auf Linux abgestimmten Lösungen. Zusätzlich sollte Newcomern die Möglichkeit gegeben werden, sich auf kleineren Ständen mit geringer Miete zu präsentieren. Insgesamt zeigten sich rund 40 Firmen unter dem Pinguin-Logo.

Wer den Linux-Park in Halle A3 finden wollte, mußte sich allerdings einige Mühe geben. Nach den Ankündigungen hätte man ihn an etwas prominenterer Stelle und besser gekennzeichnet vermutet. Die Stellungnahmen der Aussteller fielen denn auch zwiespältig aus: "Über mangelndes Interesse können wir uns nicht beklagen", erklärte Simon Budig vom Grafikanbieter Gimp. "Mit dem Messebau sind wir jedoch überhaupt nicht zufrieden. Unsere Box war viel zu spät fertig, und selbst jetzt funktioniert noch nicht alles." Die dreiköpfige Gimp-Crew, die ihren Stand als Untermieter einer Linux-Zeitschrift bezogen hatte, zeigte sich jedoch zufrieden, an einer Messe dieser Größenordnung teilnehmen zu können.

Der Auftritt von Hewlett-Packard im Linux-Park hatte da schon größere Diemensionen. HP-Berater Frank Benke fand den Publikumszuspruch gerade richtig: "Wir haben reichlich zu tun. Allerdings ziehen unsere Themen E-Mail-Systeme und SAP unter Linux auch genau die Geschäftskunden an, die wir erreichen wollen." Wie stark der Bedarf an Information im Umfeld des alternativen Betriebssystems ist, läßt sich zum Beispiel am Interesse an der Podiumsdiskussion mit dem Titel "Linux im kommerziellen Einsatz" ablesen. Hier drängte sich das Publikum so dicht, daß ein Durchkommen kaum möglich war.

Kritik hatte Ralf Gärtner, Marketing-Chef von Soft M aus München, anzubringen. Er war zwar mit dem Ergebnis der Messe, nicht aber mit der Organisation zufrieden. Das Softwarehaus, das Mittelstandslösungen für AS/400-Umgebungen anbietet, meldet leicht gestiegene Besucherzahlen und einen deutlich erhöhten Anteil an sehr qualifizierten Kontakten. "Von einem Nachfrageknick kann keine Rede sein", so Gärtner. Der Informationsfluß vom Veranstalter zum Aussteller sei allerdings erneut in wichtigen Fragen ungenügend gewesen. Die Organisation habe sich zu unflexibel gezeigt, Erwartungen der Aussteller, das heißt ihrer Kunden, in der erforderlichen Zeit zu erfüllen.

Über durchweg hochqualifizierte Besucher freute man sich auch am Stand von Sun Microsystems. Martin Häring, zuständig für den Messeauftritt, konnte den vom Veranstalter angegebenen Prozentsatz von 97 Prozent bestätigen. Insgesamt sei man von der Anzahl der Interessenten jedoch ein wenig enttäuscht, so Häring weiter. "Am Montag passierte bis zum Mittag überhaupt nichts." Außerdem habe die Messe eindeutig süddeutschen Charakter, es sei also etwas vermessen, sie als international zu bezeichnen. Unklar ist es laut Häring auch, ob Sun Microsystems im nächsten Jahr wieder teilnehmen werde: "Darüber wird in jedem Jahr neu entschieden."

Ein ähnliches Stimmungsbild vermittelte Peter Brandl, der als Regionalleiter Süddeutschland für die Messeorganisation bei Compaq zuständig ist: "Montag war ein ruhiger Tag. Das ist auf den Messen immer so. Die Profis kommen nie am ersten Tag, weil sie wissen, daß sich die Standmannschaften und auch der Verkehr erst einspielen müssen." Offensichtlich war das bis zum Mittwoch geschehen, denn zur Veranstaltungsmitte war laut Brandl "ab zehn die Hölle los". Den regionalen Charakter der Messe bewertet der Compaq-Manager positiv: "Für mich ist es schwierig, süddeutsche Kunden auf die CeBIT zu bekommen. Die Systems eignet sich in dieser Hinsicht optimal." Keine Kritik äußerte Brandl an den Rahmenbedingungen: "Wir sind mit der Messeorganisation sehr zufrieden." Über ein Kommen im nächsten Jahr werde ebenfalls erst später entschieden.

Ein Schwergewicht auf Fachbesucher legte man auch bei anderen Ausstellern. Wilfried Thom, Marketing-Direktor der Acer Computer GmbH in Ahrensburg: "Wir haben hier zwar viel weniger Besucher als auf der CeBIT, dafür aber hochkarätigere." Ähnlich äußerten sich die Verantwortlichen am Epson-Stand: "Es gibt weniger Schaulustige als in Hannover. Die Besucher sind aber sehr interessiert und wissen auch recht genau, was sie wollen." Von der humorvollen Seite sieht Jens Loewenhardt, Verantwortlicher für die Pressearbeit bei Fujitsu-Siemens, den Wettstreit mit der niedersächsischen Übermesse: "Die 14jährigen Fachbesucher von der CeBIT fehlen hier völlig."

Wer vermutet hatte, der Trend zu alternativen Betriebssystemen ließe das Interesse an Software aus dem Hause Microsoft schwinden, sah sich getäuscht. Besonders zu Beginn der Messe drängten sich Menschentrauben am Stand des Betriebssystemgiganten, um einen Blick auf das kommende Windows 2000 werfen oder sich über Office 2000 informieren zu können. Ein Grund könnte der hohe Anteil an technisch interessierten Besuchern sein. Arne Stoffregen vom Beratungs- und Trainingsunternehmen BOV AG sagte dazu: "Wir treffen hier die Techniker, weniger die Entscheider. Unter den Besuchern sind zum Beispiel viele Systemadministratoren."

Neben Schwerpunkten in verschiedenen Hallen, wie dem Linux-Park oder dem Software Development Center, hatten die Veranstalter für jeden einzelnen Messetag ein thematisches Hauptaugenmerk vorgesehen. Dem akuten Mangel an IT-Fachkräften - Experten sprechen von mindestens 75000 unbesetzten Stellen - sollte mit einem eigenen "Fokustag" Rechnung getragen werden. Der "Jobtag" am Montag löste dabei nach Abgaben der Messegesellschaft einen regelrechten Run auf die entsprechenden Stände aus. Helmut Krings, Geschäftsführer von Sun Microsystems, hatte einen solchen Ansturm nicht unbedingt erwartet: "Am Montagmorgen standen die Interessierten bei uns Schlange." Rudolf Möcklinghoff von SAP berichtete: "Die Fokustage haben gut funktioniert. Am Montag konnten wir eine große Zahl von interessanten Bewerbern kennenlernen."

Im Zentrum für "Job & Karriere" hatte die COMPUTERWOCHE eine Kontaktbörse eingerichtet, um Firmen und Bewerber zusammenzubringen. Die 50 beteiligten Unternehmen konnten sich nicht nur am Messemontag über einen enormen Zulauf freuen, auch an den folgenden Tagen herrschte reges Treiben. Die Systems eigne sich besonders, um Kontakte zu knüpfen, war immer wieder zu hören. Einerseits seien exakt die gesuchten Profis anzutreffen, andererseits finde man im Gegensatz zur hektischen CeBIT genügend Muße und Raum für ernsthafte Gespräche.

Den Anbietern im Netzwerkbereich bereitete der Termin der Systems ''99 einige Probleme. Die direkte Nachbarschaft zur Telecom in Genf und zur Exponet in Düsseldorf war einer der Gründe für das Fernbleiben der Großen in diesem Marktsegment. So fehlten 3Com und Cisco, die auf der Fachmesse am Rhein das qualifiziertere Fachpublikum in ihrem Bereich vermuteten. Der regionale Charakter der Systems sei eher ein Minuspunkt, hieß es.

Das Internet wird immer mehr zum gängigen Instrument für die Vorbereitung auf eine Veranstaltung wie die Systems. Mit jeweils 2,3 Millionen Zugriffen gehörte Messe-Seite an den ersten beiden Tagen zu den meistgenutzten Websites in Deutschland. Neben üblichen Informationen wie Hallenplänen und einem Ausstellerverzeichnis bot der Internet-Dienst auch Live-Übertragungen der einzelnen Foren und Diskussionen. Für Interessenten stehen die Präsentationen und Texte noch bis Ende des Jahres zum Download zur Verfügung.

Wer sich als Aussteller einen Platz für die Systems 2000 reservieren möchte, kann seine Anmeldung ebenfalls über die Homepage der Messe abgeben. Auf einer um zwei Hallen erweiterten Ausstellungsfläche steht vom 6. bis zum 11. November des nächsten Jahres die 19. Ausgabe der Münchner IT-Schau an.