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11.10.2002 - 

Messen leiden unter der IT-Marktkonsolidierung

Systems kämpft gegen Ausstellerschwund

MÜNCHEN (ba) - Den Messeverantwortlichen weht ein schärferer Wind ins Gesicht. Rückläufige Aussteller- und Besucherzahlen spiegeln den Abwärtstrend der IT-Branche wider. Das bekommt auch die deutlich geschrumpfte Systems zu spüren.

Ganze 1600 Aussteller werden dieses Jahr in der Woche vom 14. bis zum 18. Oktober auf dem Münchner Messegelände ihre Unternehmen und Produkte präsentieren. Im Vergleich zum Vorjahr, als noch 2700 Unternehmen den Weg in die neuen Hallen nach München-Riem fanden, bedeutet das einen Rückgang von mehr als 40 Prozent. Gegenüber dem Rekordjahr 2000 mit 3300 Ausstellern schrumpft die Messe sogar um über die Hälfte. Auch die weiteren Zahlen sind nicht eben ermutigend: Die Ausstellungsfläche verkleinert sich von knapp 160000 auf nurmehr 90000 Quadratmeter. Damit lassen sich zur diesjährigen Systems acht Hallen füllen, während die Verantwortlichen im letzten Jahr noch alle 15 Hallen in das Messekonzept einbinden konnten.

Trotz der bitteren Bilanz bemüht sich Klaus Dittrich, stellvertretender Geschäftsführer der Messe München International, Optimismus zu verbreiten. "Aus unserer Sicht wird die Systems 2002 zwar kleiner, aber dafür gesünder sein als beispielsweise die Systems im Jahr 2000", meint Dittrich. Die überlebenden Firmen hätten sich mit tragfähigen Produkten im Markt bewährt. So unerfreulich sich die Lage der Branche und des Arbeitsmarktes darstelle, die Besucher würden ein Programm vorfinden, das tragfähiger sei als das vor zwei Jahren, als jede Menge Luftschlösser präsentiert worden seien.

Die rückläufigen Buchungen sieht der Messe-Manager nicht als Katastrophe: 1600 Aussteller auf 90000 Quadratmetern seien ein ganz respektables Ergebnis. Der Rückgang erkläre sich damit, dass viele Firmen nicht mehr existierten, die noch in den letzten Jahren auf der Systems vertreten waren. Mit Insolvenzen und Fusionen habe sich der Markt konsolidiert. Diesen Branchentrend spiegele die Systems wider. Es sei deshalb nicht verwunderlich, wenn viele Firmen angesichts der schwierigen Situation den Budgetposten Messebeteiligung generell auf den Prüfstand stellten. "Das können wir nachvollziehen", resümiert Dittrich.

Systems-Auftritt lohnt sich nicht

Vor einem Jahr klangen die Töne aus der Vorstandsetage der Münchner Messe noch ganz anders. Man sei angesichts des damaligen Rückgangs bei Ausstellern und Besuchern im Vergleich zum Boomjahr 2000 noch glimpflich davongekommen, erklärte Messechef Enßlin zum Abschluss der Systems 2001. Für die Zukunft zeigte er sich vor zwölf Monaten optimistisch. 2002 werde die IT-Messe wieder an die guten Vorjahre anknüpfen. Sogar das Rekordjahr 2000 wollte man in sämtlichen Belangen übertreffen.

Doch davon ist der Messeveranstalter weit entfernt. Zahlreiche namhafte Unternehmen kehren der Systems in diesem Jahr den Rücken, darunter Cisco, E-Plus und der PC-Hersteller Peacock. Für Erich Glaeser, Geschäftsführer von Peacock in Deutschland, rechnet sich eine Systems-Beteiligung nicht mehr. "Das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt einfach nicht." Viele Messen hätten sich in den vergangenen Jahren zu reinen Relationship-Veranstaltungen entwickelt. Handfeste Geschäfte ließen sich dort kaum mehr abschließen.

"Das ist bitter in diesen Tagen", zieht Glaeser ein düsteres Resümee für die deutsche IT-Messelandschaft. Allerdings müsse das nicht auf ewig so bleiben. Die Branche werde wieder Messen brauchen, um neue Technologien in den Markt einzuführen. Doch hier tue sich im Augenblick auch zu wenig - sowohl in der IT- wie in der TK-Branche. Wenn jedoch Innovationen anständen, seien wieder Messen angezeigt, um Kunden und Handel darüber zu informieren.

Darauf hofft auch Dittrich. Man habe alles dafür getan, die Systems zu einer Startbahn für den kommenden Aufschwung zu machen, versichert er. Der werde auch eintreffen - da seien sich alle Experten einig -, die Frage sei nur, wann. Das Systems-Management setze weiter auf die Strategie, die Messe als reine B-to-B-Plattform zu positionieren. Dabei zähle die Qualität und nicht die Quantität.

Deshalb haben die Systems-Veranstalter in diesem Jahr gezielt 500000 IT-Entscheider persönlich zur Messe eingeladen. Außerdem sollen zum ersten Mal die Besucher registriert werden. Mittelfristig sollen die damit gewonnenen Informationen den Ausstellern zur Verfügung gestellt werden. Diese könnten sich dann im Vorfeld schon auf die Interessen der Besucher einstellen und ihr Messeangebot dementsprechend ausrichten. Für die Messe-Manager biete die Registrierung verbesserte Möglichkeiten, die Besucher- und Interessensstruktur zu analysieren. Das bedeute eine deutliche Verbesserung der Qualität, betont Dittrich.

Die Systems-Botschaften klingen nicht gut

Den Wechsel von Quantität zu Qualität auf der Systems sieht Krassimira Bojinowa nicht. Sie ist als Mitglied der Geschäftsleitung bei der DC Messe für die Ende November in Köln stattfindende Exponet verantwortlich, eine Fachmesse, die sich von je her einer hohen Besucherqualität verpflichtet hat. Was die Systems-Verantwortlichen im letzten Jahr betrieben hätten und auch jetzt wieder verbreiteten, klinge nicht gut. Da müsse man als Veranstalter viel argumentieren, um die Verunsicherung in Ausstellerkreisen zu mildern. Die Münchner Messegesellschaft sende negative Signale in die Branche und stehe nicht mehr hinter ihrer IT-Veranstaltung, wirft die Exponet-Managerin ihren Kollegen vor. "Das kann man nicht machen: Eine Systems hinstellen und dann so tun, als ob es einen nichts angeht."

Es sei blanker Unfug, dass die Messegesellschaft nicht hinter der Systems stehe, weist Dittrich die Vorwürfe zurück. Klare Bekenntnissse des Ausstellerbeirats wie auch vom Branchenverband Bitkom bescheinigten, dass die Systems eine gute, notwendige und zukunftsträchtige Veranstaltung sei. Die Münchner IT-Messe sei immer eine Art Vorreiter in der Branche gewesen, lobt der Manager Systems-Plattformen wie Themenforen sowie die direkte Ansprache der Besucher. Viele Dinge, die in den vergangenen Jahren eingeführt wurden, hätten andere Messen nachgeahmt.

Wer kupfert bei wem ab?

Für Bojinowa stellen sich die Verhältnisse genau andersherum dar. Nach ihrer Interpretation hat die Systems Teile des Exponet-Konzepts übernommen. Dies gehe sogar bis zur Übernahme von Begriffen wie Keynote-Arena und Competence-Center: "Man kopiert alles, aber das reicht nicht." Zwar werde es die Systems aus standortpolitischen Gründen weiter geben, weil in München ein Großteil der deutschen IT-Branche beheimatet ist. Allerdings werde die Messe auf ihre lokale Bedeutung zurückgeschraubt. "Sie ist eine nette regionale Branchenmesse."

Diese Sticheleien zeigen den immer stärker werdenden Wettbewerbsdruck, der auf allen Messeveranstaltern lastet. Gerade im Herbst kämpfen viele Veranstaltungen um die Gunst von Ausstellern und Besuchern. Neben Systems und Exponet versuchen sich auch die Orbit/Comdex in Basel sowie die Comtec in Dresden. Als erste Veranstaltung in diesem Herbst musste die Orbit/Comdex, die vom 24. bis 27. September in den Hallen der Messe Basel stattfand, Federn lassen. Statt der erwarteten 50000 Besucher marschierten nur rund 41000 Interessenten durch die Messehallen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Schwund von 36 Prozent. Auch die Ausstellungsfläche verringerte sich um 40 Prozent auf 65000 Quadratmeter. Messechef Walter Gammeter muss sich etwas einfallen lassen, um die bedeutendste Schweizer IT-Messe wieder in Schwung zu bringen. Vorwürfen, der Event konzentriere sich zu sehr auf die Bedürfnisse der Aussteller und vernachlässige die Anwenderwünsche, will Gammeter mit einem stärkeren Ausbau des Kongressangebots begegnen. Sogar eine Wiedereingliederung des Home-Bereichs schließt der Schweizer nicht aus, um die Zahlen für das nächste Jahr zu retten.

Ähnliche Pläne haben die Verantwortlichen der CeBIT kundgetan. So will sich die weltgrößte Computermesse nach den enttäuschenden Zahlen von 2002 im nächsten Jahr für Unterhaltungselektronik öffnen. Besucher werden also künftig auch Spielekonsolen, DVD-Player, digitale Fernseher und Fotoapparate sowie Camcorder auf dem Messegelände in Hannover finden. Damit sollen offenbar mehr Endverbraucher angelockt werden.

Messevorstand Ernst Raue versucht, die Bedeutung der Neuausrichtung herunterzuspielen. Die Sparte Unterhaltungselektronik werde bereits seit längerem von der CeBIT-Task-Force beobachtet, erklärte der Messe-Manager. Außerdem sei eine zunehmende Konvergenz von IT- und Unterhaltungsthemen zu beobachten. Da außerdem viele Anbieter sowieso mit ihren IT-Themen auf der CeBIT vertreten seien, werde die Erweiterung keine großen Effekte auf das Messebild haben. Im Übrigen sollten die Messeveranstalter gemeinsam versuchen, die IT-Ausstellungsplattformen wieder nach vorne zu bringen, mahnt Raue. "Wir sitzen alle in einem Boot."

Exponet-Managerin Bojinowa zweifelt nicht an Sinn und Notwendigkeit einer CeBIT, sieht jedoch eine Verwässerung in der Ausrichtung. Generell sei der Wildwuchs auf dem Veranstaltungsmarkt der letzten Jahre kontraproduktiv gewesen. Für Besucher und Aussteller werde es immer intransparenter, welche Veranstaltung sich überhaupt noch lohne. Künftiges Wachstum werde sicher daher rühren, dass sich der Messemarkt bereinigt.

Diese Einschätzung bestätigt Harald Engelhardt, Sprecher von Sage KHK in Deutschland. Für die Aussteller werde es zunehmend unübersichtlicher, weil es über das Jahr verteilt eine Vielzahl unterschiedlicher Veranstaltungen gebe. Angesichts der schrumpfenden Marketing-Budgets müsse man sich genau fragen, welche Auftritte sich lohnen. Die Systems offenbar nicht, denn hier ist der Anbieter nur mit einem kleinen Teilbereich vertreten.

Auch Hewlett-Packard drosselt den Aufwand für die Münchener IT-Messe auf fast null. Man werde in diesem Jahr nur im CRM-Bereich auf einem Stand vertreten sein, kündigt PR-Managerin Elenore Körner an. Zwar habe das Unternehmen im letzten Jahr qualitativ gute Gespräche geführt. Mit der Anzahl sei man aber nicht zufrieden gewesen.

Große Namen hinter kleinen Ständen

Andere Branchengrößen halten sich mit ihrem Systems-Engagement ebenfalls spürbar zurück. So wird sich beispielsweise EMC auf der Systems nur mit einem kleinen Partnerstand präsentieren, um zumindest eine Anlaufstelle zu bieten. Mehr sei nicht nötig, da die EMC-Kunden die Münchner Veranstaltung nicht als Kernmesse bewerteten, begründet Firmensprecherin Ute Ebers. Zwar werbe der Veranstalter mit Fachbesuchern, doch um EMC-Kunden gezielt zu adressieren, gebe es effektivere Maßnahmen. Dazu zählt Ebers Seminare, Roadshows und Fachkonferenzen.

Fujitsu-Siemens-Computers (FSC) misstraut den Großmessen generell und setzt verstärkt auf seine Hausmesse, die der größte deutsche PC-Hersteller Ende des Monats mit dem Oktober-Festival in Augsburg betreibt. Auf der Systems sei man nur im Dealers-only-Bereich vertreten, erläutert Firmensprecherin Judith Raddatz. Auf einer speziellen Kundenveranstaltung könne das Unternehmen seine Partner zusammenbringen und seine Lösungen effektiver präsentieren. Das bringe mehr, als in einer Riesenhalle zu stehen und zu warten, ob die Besucher kommen oder nicht.

Messenflaute zieht weite Kreise

Wenn die deutschen Messeveranstalter rote Zahlen schreiben, hat das weitreichende Folgen. An den Erfolg der Veranstaltungen sind zusätzliche Produktions- und Beschäftigungseffekte geknüpft. So werden im Umfeld der deutschen Messelandschaft rund 30 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr generiert. Davon profitieren Dienstleister wie Hotels und Gaststätten sowie der Einzelhandel. 230000 Beschäftigte finden rund um die Messen ihr Auskommen.

Inwieweit das künftig gesichert ist, bleibt abzuwarten. Zwar schreibt die Deutsche Messe AG noch schwarze Zahlen, andere Veranstalter rutschten aber bereits ins Minus. Beispielsweise verbuchte die Messe Köln für das vergangene Jahr einen Verlust von 5,2 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor stand noch ein Plus von 5,5 Millionen Euro in der Bilanz. Nach Einschätzung von Messeexperten verspricht das laufende Jahr keine besseren Aussichten für die Veranstalter. Wegen der zusammengestrichenen Messebudgets würden die Auseinandersetzungen um Kunden und Besucher zwischen den verschiedenen Standorten immer schärfer. Diese Situation werde sich auch nächstes Jahr kaum ändern.

Zahlenspiele

Während die für die Systems und CeBIT verantwortlichen Messegesellschaften rückläufige Besucher- und Ausstellerzahlen erwarten, brüstet sich der vergleichsweise kleine Herausforderer DC Congress Gesellschaft aus Starnberg mit Wachstumsprognosen für seine Exponet. So werde man in diesem Jahr die Ausstellungsfläche in den Kölner Messehallen von 60000 auf 75000 Quadratmeter erhöhen. Auch bei den Aussteller- und Besucherzahlen rechne man mit mehr Andrang. Der Veranstalter behauptet in einer offiziellen Verlautbarung, Abwanderer von Systems und CeBIT trügen zum Erfolg der Kölner Veranstaltung bei. "Nach der von der CeBIT angekündigten Öffnung der Messe für das Laufpublikum und für Kinder und dem Zusammenbruch der Systems als süddeutsche IT-Messe gibt es für den professionellen IT-Sektor keine Alternative mehr zur Kölner Exponet."

Diese Zahlen seien mit Vorsicht zu genießen, wiegelt Ernst Raue von der Deutschen Messegesellschaft ab und verweist auf die Größenrelation zwischen einer CeBIT und der Exponet. Klaus Dittrich von der Münchner Messe will einen fairen Wettbewerb innerhalb der Messelandschaft führen. Deshalb würden auch alle relevanten Zahlen nach klar definierten Kriterien der Gesellschaft zur freiwilligen Kontrolle von Messen- und Ausstellungszahlen (FKM) offen gelegt. An diese Regeln seien die Exponet-Verantwortlichen als privater Veranstalter jedoch nicht gebunden, warnt Dittrich. Wenn man die Veranstaltungen vergleiche, müsse man wissen, dass die entsprechenden Daten nicht unter den gleichen Kriterien zustande kommen.

Abb: Zahlen zur Systems

Quelle: FKM