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01.11.1991 - 

Lediglich 4000 Besucher mehr als '89

Systems-Samstag: Für viele nur vertane Zeit

CW-Bericht, Karin QuackMÜNCHEN - Nur widerwillig erfüllten viele Aussteller die mit ihrem Vertrag eingegangene Verpflichtung, ihren Systems-Stand bis zum Ende der Messe - am Samstagnachmittag um 16 Uhr - offen zu halten. Insbesondere die Anbieter von unternehmensweiten Softwarelösungen klagten über einen Mangel an interessierten Besuchern.

Während die Ausstellungsflächen von Apple, Next, Microsoft und Borland das aus den vorangegangenen Messetagen gewohnte Bild drangvoller Enge boten, schienen die Messebauten großer Software-Anbieter wie SAP oder Candle den Besucher regelrecht anzugähnen. Überall dort, wo Action war, staute sich der Strom der Besucher; das Solar-Fahrzeug des CAD-Anbieters Autodesk fand ebenso seine Interessenten wie das Karrierezentrum der IDG und die diversen Firmen-Vorführungen. Leer blieben hingegen die Obergeschosse der großen Stände, wo während der Woche VIPs eine Tasse Kaffee sowie detaillierte Informationen erhalten hatten.

Wie die befragten Aussteller übereinstimmend feststellten, unterschieden sich die Samstag-Besucher in puncto Qualität deutlich vom überwiegend als sehr interessant eingeschätzten Publikum der anderen Tage.

Diesen qualitativen Unterschied bemerkten auch die Anbieter, deren Präsentationen heiß umlagert waren. "Mehr Laufpublikum an allen Ständen", lautete beispielsweise das Fazit von Lars Riemenschneider, Produkt-Manager des Lüneburger PC-Software-Anbieters Stardivision.

Werner Dreesbach, Geschäftsführer der Münchener R&O GmbH, beschrieb die samstäglichen Messebesucher spitzzüngig als "Hacker, Hausfrauen und Freiberufler". Sein Spott kam nicht von ungefähr: Wie die Ausstellungen der anderen CASE-Anbieter, ließen die Systems-Besucher am Samstag auch den R&O-Stand links liegen. In Anlehnung an das "5+1"-Konzept der Münchener Messe- und Ausstellungsgesellschaft (MMG) erklärte Dreesbach folgerichtig: "5 + 0 wäre für uns die bessere Lösung. "

Allerdings bewies der R&O Geschäftsführer Verständnis für die Aussteller, die sich vom Systems-Samstag gute Geschäfte erhofften. Sein Vorschlag an die MMG: Die Ausstellungsflächen sollten 1993 im Hinblick darauf verteilt werden, daß ein Teil der Hallen am letzten Messetag geschlossen bleiben könnte.

"Stocksauer", so die Formulierung der Pressereferentin Helga König, war das Standpersonal der Debis Systemhaus GmbH am Ende des letzten Messetages. Der Samstag sei "vertane Zeit" gewesen, zitierte König die vorherrschende Meinung. Lediglich der "Curadata"-Zweig des Stuttgarter Software- und Service-Unternehmens habe einige interessante Kundengespräche führen können; er verwendet sich nämlich explizit an Freiberufler und Steuerberater.

Ein einziger qualifizierter Besucher hatte bis zum frühen Samstagnachmittag den Weg zum Berliner RZ-Software-Spezialisten Beta Systems gefunden. Der eigentlich recht günstig zwischen den Hallen 2 und 3 gelegene Messestand der frischgebackenen Aktiengesellschaft machte einen verlassenen, fast trostlosen Eindruck, woran auch der bunte Clown am Eingang nichts ändern konnte. Die Marketing-Beauftragte Paula Hughes zog die Konsequenzen und bemühte sich um den nächsten Flug nach Berlin.

Andere Aussteller waren noch konsequenter; sie hatten ihre Stände im Laufe des Vormittags geräumt und lediglich Informationsmaterial hinterlassen. Auch Peter Mossack, Geschäftsführer der Software Associates GmbH (SA) mit Sitz in Weiterstadt, war um 13 Uhr bereits auf einem halbleeren Stand anzutreffen. Für die SA, die Tools im Umfeld der Software-AG-Produkte entwickelt und vertreibt, gab der Samstag nichts her: "Heute ist hier sehr viel Publikum, das mit Großrechnern überhaupt nichts am Hut hat", schimpfte Mossack.

Vollkommen intakt wirkte hingegen die Präsentation der Garmhausen & Partner GmbH (G&O), obwohl das Softwarevertriebs-Unternehmen wenige Tage zuvor laut mit dem Gedanken gespielt hatte, am Samstagmorgen mit den Abbrucharbeiten zu beginnen. Allerdings trug die MMG das ihre dazu bei, daß die Aussteller - sofern sie mehr als ein paar Prospekte mitgebracht hatten - Vorhaben dieser Art nur schwer in die Tat umsetzen konnten. Wie eine G&O-Sprecherin erläuterte sollten die Messetore für Transport-Fahrzeuge erst um 17 Uhr geöffnet werden.

Kein einziges Wort zum sechsten Messetag enthielt der offizielle Systems-Schlußbericht, den die MMG am Samstag veröffentlichte. Demnach sind heuer 159 000 zahlende Besucher, mithin 4000 mehr als vor zwei Jahren, über die Münchner Computer- und Kommunikationsmesse geschlendert. Die Zahl der Aussteller wuchs von 1503 auf 1856; 70 Prozent von ihnen wollen laut MMG-Bericht im übernächsten Jahr wieder einen Systems-Stand einrichten.