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Systems: Vom Imagedenken zur Integration

06.11.1987

- Herr vom Hövel, wann fand die erste Systems statt. und wie kamen Sie auf eine derartige Konzeption der Kongreß-Messe?

Die erste Systems im Sinne der "Computer auf dem Wege zum Anwender" fand 1971 statt. Da haben wir mit wenigen Ausstellern und mit einem kleinen Kongreß begonnen und jeden einzelnen Seminarleiter habe ich damals noch selbst motiviert. Als Vorläufer dieser Systems '71 haben wir allerdings schon 1969 in ähnlicher Form eine Systems veranstaltet, bei der es ganz allgemein um Zukunftstechniken ging. Der Computer war dabei nur eine der vielen neuen Technologien, die die Menschheit damals bewegten. Dies ging bis hin zur Meeresforschung. Dieses Gesamtfeld der Zukunftstechnologien, zum einem in einem Kongreß und zum anderen in einer begleitenden Ausstellung aufbereitet, fand nicht nur einen außerordentlich lebhaften Zuspruch. Die 69er Veranstaltung zeigte mir vor allem, daß der Computer das zentrale Thema der Zukunft sein wird, aber in gleichem Maße auch der Computer-Anwender.

Anfang der siebziger Jahre herrschte hinsichtlich des Computers noch das Imagedenken" vor nach dem Motto: "Hauptsache, ich habe einen Computer im Büro stehen". Deshalb ging es mir darum, mit dem Medium Messe die Integration des Computers in die verschiedenen Anwendungsbereiche zu fördern und das technologische, das wirtschaftliche sowie das gesellschaftspolitische Umfeld für den Computer mitaufzubereiten. Deswegen war auch von vorneherein klar: Die Systems darf keine Hersteller-Messe werden, sondern muß von Anfang an anwenderorientiert sein.

- Von Beginn an waren die diversen Systems-Motti auf den mündigen Anwender ausgelegt. Doch gab es diesen in den siebziger Jahren überhaupt schon?

Sicherlich gab es den mündigen Endanwender, so wie wir ihn heute verstehen, damals noch nicht. Doch gerade das war für mich die große Herausforderung. Schließlich hat ein Messemann die Aufgabe vorauszuschauen, das zum Thema zu machen, was sich als echter Bedarf abzeichnet. Darüber hinaus: Was bedeutet denn eigentlich Mündigkeit? Ich verstehe darunter, daß man im Rahmen der Computeranwendung nicht nur die technische Seite, sondern auch die wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Seite miteinbezieht. Je stärker der Computer in dem gesamten Arbeitsprozeß - ob im Büro oder im Fertigungsbetrieb - integriert ist, desto besser ist auch die Wirkungsweise. Derjenige, der diese Integration in seinem Unternehmen in der Höchstform verwirklicht hat, ist für mich mündig. Dies setzt natürlich einen Entwicklungsprozeß voraus, und die Systems sollte von Beginn an diesen Prozeß der Integration mitprägen.

Aus diesen Überlegungen heraus ist auch der Name Systems entstanden: das Systemdenken, die Systemzusammenhänge, für den Anwender maßgeschneiderte Konzepte sollten von vorneherein im Vordergrund stehen. Deshalb wurden auch von Anfang an alle Bereiche ausgeschlossen, die nicht unmittelbar diesem Integrationsprozeß dienlich sind, zum Beipiel die Büromöbel.

- Erst recht spät haben sich die "Großen" der Branche an der Fachausstellung Systems beteiligt. IBM kam 1977 dazu, Siemens erst 1979. Worauf führen Sie das zurück?

Die Systems war eigentlich in erster Linie für kleine und mittlere Unternehmen gedacht, die nicht die Möglichkeit hatten, die vielen Anwendungsbereiche mit Seminaren, mit Spezialinformationen zu bedienen. Für diese Unternehmen sollte die Systems eine Brücke hin zum Anwender sein. Die "Großen" hingegen hatten ihre eigenen Seminare, sie brauchten die Systems in dieser Form am Anfang nicht. Doch als sie erkannten, daß diese Kongreßmesse einen Zugriff zum Anwender ermöglichte, den sie in dieser breiten Form bislang noch nicht gehabt hatten, orderten auch diese Unternehmen einen Stand. Dies brachte für uns aber auch Probleme mit sich. Denn die großen Anbieter wollten auf einmal Standflächen von 2000 bis 3000 Quadratmetern besetzen, um ihre ganze Vielfalt zu präsentieren. Deshalb haben wir auch sehr früh Standbegrenzungspolitik betrieben. Für mich stand nie die Größe oder Internationalität einer Firma im Vordergund. Wichtig war und ist, daß die Aussteller den Besuchern Problemlösungen für ihre jeweiligen Aufgabenstellungen bietet, daß es zu einem qualifiziertem Informationsaustausch zwischen Anbieter und Anwender kommt.

- Jahrelang war der Kongreß der Kern der Systems. Welche Bedeutung haben Symposien und Seminare heute angesichts einer Fachausstellung, die sich längst über das gesamte Messegelände hin erstreckt? Hat die Messe dem Kongreß inzwischen den Rang abgelaufen?

Keine Spur. Im Gegensatz zu einigen anderen unserer Messen, zum Beispiel der electronica, bei denen der Stellenwert der Symposien und Seminare in der Tat gesunken ist, hat der Kongreß bei der Systems noch immer eine zentrale Position. In diesem Jahr werden wir wieder 5000 Kongreßteilnehmer haben. Dies zeigt uns, daß die Besucher weiterhin daran interessiert sind, in ihren speziellen Benutzergruppenbereichen zu erfahren, was es Neues gibt. Es zeigt uns auch, daß das Kongreßwesen zu Messen nicht mit irgendwelchen Gags oder sonstigen Highlights operieren darf. Vielmehr muß sich bei einer periodischen Messe auch im Kongreßbereich eine redundante, allerdings ständig aktualisierte Thematik widerspiegeln. Dies bietet die Systems. So hatten wir bereits 1971 ein Seminar Versicherungswirtschaft und wir werden es auch 1987 wieder haben.